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Altenheim setzt auf philippinische Pflegekräfte

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) besuchte in Ottendorf-Okrilla das Pflegeheim der Diakonie Dresden

Sven Marschel (l.) vom Pflegeheim der Diakonie in Ottendorf-Okrilla im Gespräch mit Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) und dem Landtagskandidaten der Christdemokraten, Mathias Kockert (r.).
Sven Marschel (l.) vom Pflegeheim der Diakonie in Ottendorf-Okrilla im Gespräch mit Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) und dem Landtagskandidaten der Christdemokraten, Mathias Kockert (r.). © René Plaul

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) hat schon viele Pflegeheime im Freistaat besucht, hat sogar einmal in der Tagespflege in Dresden für einige Stunden gearbeitet. Das erzählte sie jüngst bei einem Pflegeheimbesuch in Ottendorf-Okrilla. Und da sie schon viele Pflegeeinrichtungen von innen gesehen habe, so die Politikerin, habe sie ein Gespür entwickelt, wie es um eine solche Einrichtung bestellt ist. Und das von ihr aufgesuchte Ottendorfer Altenpflegeheim der Diakonie Dresden habe gleich „einen sehr guten Eindruck“ auf sie gemacht, so die Sozialministerin.

Was den Kaufmännischen Direktor der Einrichtung, Sven Marschel, sichtlich freute. Begleitet von Parteikollegen Mathias Kockert, der für den Landtag kandidiert, und dem stellvertretenden Bürgermeister von Ottendorf-Okrilla, Mirko Thomas, wollte die Sozialministerin bei diesem Vor-Ort-Besuch natürlich auch wissen, wie man im Ottendorfer-Altenpflegeheim mit dem Thema umgeht, dass ja alle Pflegeeinrichtungen im Land drückt: der Personalmangel. Der ja mittlerweile eklatante Züge annimmt. Man habe, so die Sozialministerin im Landtag schon eine Stabsstelle eingerichtet, um sich diesem Thema ausführlichst zu widmen. Sie wies auch darauf hin, dass man beim Thema Altenpflege mehr perspektivisch denken und handeln müsse. Denn das Thema Pflege sei etwas, was „uns alle irgendwann mal angeht“. Nach den Landtagswahlen werde die Pflege mit Sicherheit das Thema Nummer eins sein, so Barbara Klepsch. Die aufmerksam zuhörte, als ihr Sven Marschel davon erzählte, dass sich diejenigen, die sich für den Pflegeberuf interessierten, oft falsche Vorstellungen von diesem machten. Marschel: „Das ist ein 365-Tage-Job, in dem man rund um die Uhr für die Heimbewohner da sein muss.“ Etwas, was in der heutigen Zeit nicht jeder willens sei, zu leisten. In der Gesprächsrunde wies Klepsch darauf hin, dass man im Freistaat rund 1500 Pflegekräfte jährlich ausbilde. Wenn die alle in der Pflege blieben, so die Ministerin, „hätten wir nicht so viele Probleme.“ Aber da etliche aufhörten oder nach der Ausbildung in einen anderen Beruf wechselten, stehe man immer wieder vor der Frage, woher man das fehlende Personal nehmen solle. Der Blick richtet sich da meist ins Ausland. Der Kaufmännische Direktor der Dresdner Diakonie wies dar auf hin, dass man sich um Pflegepersonal aus den Philippinen bemühe. Der Grund: „Dort steht man unserer Kultur nahe.“ Auch sei das Land von der katholischen Kirche geprägt., Allerdings, auch das wurde in der Gesprächsrunde angemerkt, gebe es bei manchen Heimbewohnern angesichts vielen ausländischen Pflegekräfte gelegentliche „Akzeptanzprobleme“, so ein Mitarbeiter des Ottendorfer Pflegeheimes.

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Ministerium will flächendeckende Bezahlung nach Tarif

Die Pflege habe sich in den vergangenen 30 Jahren gravierend verändert, betonte die CDU-Politikerin. Da müsse man, Stichwort Barrierefreiheit, in diesem Bereich die Investitionen wieder erhöhen.. Man müsse zum einen die Pflegekräfte stärken, die Pflege bezahlbar machen und gleichzeitig deren Qualität verbessern, so die Sozialministerin. Mit einem Landesinvestitionsprogramm sollen die Eigenanteile der Pflegebedürftigen an den Investitionskosten begrenzt und gleichzeitig Investitionen in der ambulanten und stationären Pflege gefördert werden.

Um die Situation von Pflegekräften zu verbessern, will das Ministerium beim Bund eine flächendeckende Bezahlung nach Tarif erreichen. Darüber hinaus dürfen 250 Lehrlinge oder Fachkräfte im kommenden Jahr auf einen Zuschuss zu ihrer Fahrerlaubnis in Höhe von 1.000 Euro hoffen.

Ottendorfs stellvertretender Bürgermeister Mirko Thomas betonte die gute Zusammenarbeit mit der Einrichtung der Dresdner Diakonie. Man sei froh, dass man ein solches Altenpflegeheim im Ort habe. Künftig wolle man auch weitere Pflegeheime errichten, so Thomas weiter. Auf einem Rundgang durchs Haus nutzte die Sozialministerin auch die die Zeit zu einem kurzen Plausch mit den Heimbewohnern. In Sachsen arbeiten nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 68.000 Menschen in der Pflege. Die Zahl der Pflegebedürftigen liegt mittlerweile bei über 200 000. In Sachsen arbeitet schon jeder 13. Beschäftigte im Gesundheitswesen. Dort wird der Arbeitskräftebedarf weiter steigen: In den nächsten zwölf Jahren werden allein in der Pflege um die 16.000 zusätzliche Vollzeitstellen benötigt. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Kamenz. Da werden im Freistaat im Jahr 2030 rund 170.000 Beschäftigte gebraucht, um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sichern. Die meisten davon werden Pflegekräfte sein.

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