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Altes Krankenhaus weicht Autowerkstatt

Ein Stück vom alten Freital fiel wieder der Abrissbirne zum Opfer. Das sorgte vor allem bei den Älteren für Aufsehen.

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Von Matthias Weigel

Mit so viel Interesse an den Arbeiten auf seinem frisch gekauften Grundstück hätte Autohändler Helmut Hammerschmidt nicht gerechnet. „Ich war mir zwar bewusst, dass es sich um ein historisches Gebäude handelt“, sagt er. Dass aber, vor allem die älteren Freitaler derart mit ihrer Geschichte verwurzelt sind, hat ihn dann doch überrascht.

Doch das einst als Bergarbeiter-Krankenhaus genutzte Gebäude an der Ecke Moritz-Fernbacher-/Wilsdruffer Straße war nicht mehr zu retten. In der Autosprache, so sagt Hammerschmidt, würde man wohl von einem dreifachen wirtschaftlichen Totalschaden sprechen. Obwohl das Haus an sich sicher schön anzusehen war – die Schäden seien enorm gewesen. „Ich wurde indirekt im Notarvertrag sogar gewarnt, den Keller wegen Einsturzgefahr zu betreten“, sagt Hammerschmidt. Zudem hätten die Tauben der Bausubstanz arg zugesetzt – der Kot lag stellenweise fünf und mehr Zentimeter dick. Der Abriss blieb für ihn die einzige Wahl. Er ist inzwischen so gut wie abgeschlossen.

In den nächsten Wochen will Hammerschmidt mit dem Bau für seine Werkstatt und den Autohandel starten. Das kommt aber auch auf die Wetterlage und die Ergebnisse der letzten Planungen an, sagt er. Als Alternative gäbe es noch die Überlegung, interimsmäßig einen Containerbau aufzustellen. Seit Anfang 2009 hat Hammerschmidt in der benachbarten Shell-Tankstelle eine kleine Kfz-Werkstatt samt Handel aufgebaut. Schon länger suchte er aber eine Möglichkeit, das größer aufzuziehen. Ein Stück Land hat der Franke bereits von der Treuhand an der Fernbacher-Straße erworben. Ursprünglich war er mal Verkäufer bei Opel Kramer an der Wilsdruffer Straße. Doch das Unternehmen ging 2008 insolvent. Eine Übernahme durch ihn scheiterte damals. Den Zuschlag bekam eine Gesellschaft aus Augsburg mit etlichen Autohäusern – beispielsweise den Opel Autohäusern Dresden, zu deren Verbund das Freitaler heute auch gehört.

Nun wird es für Hammerschmidt eben ein anderer Platz an der Automeile. An der Wilsdruffer sitzen neben Opel unter anderem auch noch Fiat Gröbel, VW Wirthgen, AIS Toyota und ATU. Insofern, das sagt auch Freitals OB Klaus Mättig (CDU), passten die Pläne ja ganz gut. Mättig ist Aufsichtsratschef der städtischen Wohnungsgesellschaft WGF, der die Immobilie gehörte. Einst war das Haus an die städtische Sozialfirma Gabs als Werkhof vermietet. Nachdem diese Firma nun liquidiert wird, stand die Frage zur Zukunft. „Wohnungsbau ist an der Ecke wenig aussichtsreich und ein Erhalt des Gebäudes wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen“, sagt Mättig. Deswegen habe man nach einiger Debatte den Verkauf 2012 gebilligt.

Denkmalschutz ist auf dem Gebäude keiner eingetragen. Deswegen war der Abriss letztlich nur eine Formalie. „Die dort aufgestellte Tafel mit dem Hinweis auf die Historie des Gebäudes haben wir geborgen“, sagt Mättig. Geplant ist es, sie mit einer historischen Ansicht des Hauses auf Schloss Burgk im Stadtmuseum auszustellen, sagt er. Das Knappschaftskrankenhaus war 1878 von den Königlichen Werken errichtet worden. Als Arzt war hier der Namensgeber der benachbarten Straße tätig: Dr. Moritz Fernbacher (1864-1923).