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Am Neumarkt bleiben barocke Keller erhalten

Nachdem die Archäologen fertig sind, will Investor Michael Kimmerle hinterm Kulturpalast neue Häuser bauen.

Von Bettina Klemm

Helle Planen schützen die Kellergewölbe am Neumarkt. „Für mich ist es selbstverständlich, dass wir die Keller des Dinglingerhauses erhalten“, sagt Michael Kimmerle. Dabei handelt es sich um drei unterirdische Räume mit einer Gesamtfläche von 124 Quadratmetern. Auch die Originaltreppe zum Keller soll wieder vervollständigt werden.

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Auf der fast quadratisch anmutenden Fläche hinter dem Kulturpalast plant Kimmerle Häuser mit einem Mix aus Läden, Wohnungen und einem Hotel mit 80 bis 100 Zimmern. Das Areal wird von der Frauenstraße, dem Neumarkt, dem Jüdenhof und der Galeriestraße begrenzt. Für den Investor, dessen Firma in Dresden beispielsweise die Gompitzer Höhe und den Bürokomplex Fetscherstraße 32/34 errichtet hat, ist der Neumarkt etwas Besonderes. „Jüdenhof Dresden“ nennt er sein Bauprojekt. Damit es auch alle erfahren, hat der 39-Jährige für sich und die Mitarbeiter schwarze Jacken mit der Werbung für das innerstädtische Leben im Jüdenhof auf dem Rücken anfertigen lassen. Mit dem Architektur- und Planungsbüro Iproconsult hat er einen erfahrenen Partner verpflichtet. Frauenkirche, Hotel de Sax oder British Hotel, die Ipro war am Neumarkt überall dabei. „Gemeinsam mit dem Architekten Michael Lehni bereiten wir die Unterlagen für die Baugenehmigung vor“, sagt Architekt Ulrich Schönfeld.

30 Millionen Euro werden investiert

Besonderes Schmuckstück auf der Fläche unmittelbar neben dem Johanneum wird das Dinglingerhaus. In dem barocken Anwesen lebte einst Georg Christoph Dinglinger, der Bruder des Hofjuweliers von August dem Starken. Während die Ansicht zum Neumarkt ziemlich bekannt ist, zeigt Schönfeld auch die Seite zur Sporergasse. Diese Straße ist nur insgesamt fünf Meter breit, der Dresdner Neumarkt war einst eng bebaut. Vom schmalen Gebäude zwischen dem Dinglingerhaus und dem Trierschen Haus an der anderen Seite des Grundstücks gibt es keine gesicherten historischen Belege. Deshalb wird es relativ schlicht gehalten. Die Fassade des Trierschen Hauses und die Anordnung der Treppenhäuser sollen nach historischem Vorbild entstehen. Findet Kimmerle eine geeignete Nutzung für die Keller, dann wolle er auch diese im Original erhalten. Nur mit voreiligen Versprechen sei er vorsichtig.

Eine Herausforderung ist auch die Seite zum Kulturpalast. Kimmerle hatte mit der Stadt vereinbart, dass er drei Entwürfe anfertigen lässt. Fünf hat er schließlich vorgelegt. Es werden schlichte Gebäude, aber mit Putzfassade und schrägem Dach. Derzeit wird mit der Gestaltungskommission über die besten Entwürfe diskutiert. Jedes Detail werde auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege besprochen, so Schönfeld. „Ich hoffe, im Frühjahr 2015 mit dem Bau der Wohnungen und Geschäfte beginnen zu können. Zwei Jahre werden wir benötigen, bis alles fertig ist“, sagt Kimmerle. Rund 30 Millionen Euro will er gemeinsam mit seinem Vater Rudolf investieren. Ohne das finanzielle Feedback der Familie wäre das Neumarkt-Vorhaben nicht möglich, sagt Kimmerle. Anders als viele Projektentwickler behält sein Unternehmen in den meisten Fällen auch die fertigen Projekte im Familienbesitz.

Um die reich verzierten Häuser am Neumarkt zu bauen, setzt Kimmerle auf ein neuartiges Verfahren. „Die Gebäude werden gemauert. So wie es jetzt aussieht, kommt keine Wärmedämmung drauf“, sagt er. Durch die traditionelle Bauweise können die Sandsteingesimse originalgetreu angebracht werden. Die Wände aus wärmedämmenden und schallschluckenden Spezialziegeln werden etwa 45 Zentimeter dick. Für das aktuelle Projekt mit 44 Wohnungen an der Mosenstraße in Striesen wurde das Verfahren genehmigt. Kimmerle hofft nun, es auch am Neumarkt einsetzen zu können.

Durch Passagen lässt sich später der Neumarktkomplex durchqueren. Den etwa 200 Quadratmeter großen Innenhof nennt Kimmerle Damenhof. Vielleicht hat er dabei an seine drei Töchter, sie sind zwischen vier und elf Jahre alt, gedacht. Um bei der Familie zu sein und sie aufwachsen zu sehen, pendelt er am Wochenende ständig zwischen dem Hauptsitz im bayerischen Dillingen und Dresden. 70 000 Kilometer kommen so im Jahr zusammen.