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Ein Haus für Bautzens OB

Alexander Ahrens hat privat eine Immobilie auf dem Lauenareal gekauft. Die Stadt hat dort große Pläne.

Von Madeleine Arndt

Es ist Bautzens umstrittenster Schandfleck – das Lauenareal. Am Eingang zur City, kurz nach der Friedensbrücke, blickt man auf eine Brache, umgrenzt von größtenteils leeren, maroden Mietshäusern. Ein Bebauungsplan sollte die Zukunft des Areals in von der Verwaltung erwünschte Bahnen lenken. Doch im Stadtrat am Mittwoch wurde die Vorlage plötzlich von der Tagesordnung genommen. Man möchte stattdessen mit den Eigentümern in einen Dialog treten, erklärte Baubürgermeisterin Juliane Naumann. Das Überraschende: Zu den Hausbesitzern gehört jetzt auch Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos).

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Bautzens Stadtoberhaupt hat sich dieses Jahr ein Grundstück auf dem Lauenareal gekauft. „Im Januar 2016 kam es zur Unterzeichnung des Kaufvertrags“, bestätigte der Oberbürgermeister gegenüber der SZ. Um welches Haus genau es sich handelt, wollte Ahrens nicht sagen. Wie die SZ aus sicherer Quelle weiß, gehört die Äußere Lauenstraße Nummer 3 jetzt dem OB. Früherer Eigentümer war der Bautzener Bauunternehmer Harry Zetsch.

Es gibt mehrere Grundstücksbesitzer in dem Areal

Die städtebauliche Entwicklung des Lauenareals gilt seit Jahren als schwierig. Denn auf dem Karree zwischen Lauengraben, Äußerer Lauenstraße und Goschwitzstraße verfolgen mehrere Grundstücksbesitzer unterschiedliche Interessen. Die Säurig&Sassenscheidt GbR, die knapp ein Drittel des Areals besitzt, hat erst kürzlich bei der Stadt eine Bauvoranfrage gestellt. Der Investor will auf seinen Flächen am Lauengraben eine Seniorenresidenz bauen. Und das möglichst schnell. Schon lange in Wartestellung ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft (BWB), der gut die Hälfte des Lauenareals gehört. Ihre Pläne für den Umbau der Goschwitzstraße 1 und der Äußeren Lauenstraße 9 zu barrierefreien Wohnhäusern liegen fertig in der Schublade.

Keine Eile hat das ECE-Projektmanagement. Dem Betreiber des Kornmarkt-Centers gehört die Äußere Lauenstraße 5. Weder beabsichtige man eine Änderung der Nutzung als Wohngebäude noch einen Verkauf – obwohl man Kaufangebote sorgfältig prüfen würde, erklärte ECE-Sprecher Christian Stamerjohanns. Einer städtebaulichen Entwicklung des Areals werde man sich nicht verschließen, unter der Voraussetzung, dass die Interessen des Kornmarkt-Centers berücksichtigt werden, heißt es von dem Unternehmen. Frank Förster, Besitzer der kultigen Radeberger Bierstube in der Goschwitzstraße 3, setzt bei seinem Haus auf Werterhaltung. Ein Ortswechsel kommt für ihn nicht infrage.

Keine konkreten Pläne für das Grundstück

Über die Gründe, warum der Oberbürgermeister als Privatmann in der Interessensgemengelage am Lauenareal mitmischt, kann man nur spekulieren. Zu der Frage, warum er das Grundstück erworben hat, antwortet Ahrens: Konkrete Pläne für das Gebäude bestünden nicht. „Je nachdem, wie sich die Stadt zur Entwicklung des Areals positioniert, hätte ich auch kein Problem damit, Haus und Grundstück an die Stadt, eine Gesellschaft oder einen Investor zu veräußern. An die Stadt oder eine städtische Gesellschaft würde ich in jedem Falle zum Selbstkostenpreis verkaufen“.

Eine schnelle Lösung wird es für das Areal nicht geben. Die Alte Posthalterei an der Goschwitzstraße 9 will die Stadt an die BWB übertragen. Mit dem Salza’schen Haus an der Goschwitzstraße 9 besitzt die Wohnungsbaugesellschaft dann die Immobilien mit der schlechtestens Bausubstanz auf dem Gebiet. Auf acht Millionen Euro schätzt BWB-Chefin Kirsten Schönherr die Gesamtinvestition in diese Grundstücke. Ohne Fördermittel geht da gar nichts. Doch die müssen erst einmal beantragt werden.

Förderantrag eventuell im nächsten Jahr

Die Verwaltung ziehe die Beantragung von Fördermitteln aus dem Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ in Erwägung, informiert Baubürgermeisterin Naumann. Voraussetzung sei allerdings ein Fördergebiet, das über die Maße des Lauenareals hinausreicht. Die Vorbereitung des Antrages würde 2017 durchgeführt.

Vor drei Jahren war das Lauenareal ein Aufreger in ganz Bautzen. Ein Einkaufscenter wollte der Investor Säurich & Sassenscheidt bauen. Befürworter und Gegner des Centers schaukelten sich hoch. Dann zog der Investor die Pläne zurück. Es blieb die Ansage von Alexander Ahrens als OB-Kandidat, dass er die Entwicklung der Brache mit breiter Bürgerbeteiligung in Angriff nehmen werde. Mit seinem Hauskauf hat sich Ahrens als Oberbürgermeister nun die Hände gebunden. Er ist befangen. An seine Stelle tritt Finanzbürgermeister Robert Böhmer bei allen Beratungen und Entscheidungen rund um das Lauenareal.