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Anno 1926: Umweltskandal in Deuben

Die sommerliche Schulpause ist damals kürzer als heute, vielen Eltern dennoch zu lang. Neben dem Ferienzeitstreit bewegte die Menschen noch eine Schweinerei.

In den Wandervorschlägen für die Schuljugend von 1926 wurde u.a. ein Ausflug in den Rabenauer Grund empfohlen. Ein Vorschlag, der auch heute noch Gültigkeit haben könnte.
In den Wandervorschlägen für die Schuljugend von 1926 wurde u.a. ein Ausflug in den Rabenauer Grund empfohlen. Ein Vorschlag, der auch heute noch Gültigkeit haben könnte. © André Wirsig

Mit den großen Ferien war schon immer die sommerliche Schulpause gemeint. Doch die Länge der Zeit ohne Ranzen fiel in den deutschen Landen in vergangenen Zeit recht unterschiedlich aus. 1926 zum Beispiel bewegte sich der Urlaub zwischen drei und neun Wochen. Während in Bayern der Schulbetrieb von Anfang Juli bis 10. September ruhte, begnügte sich der Freistaat Sachsen mit gerade mal vier Wochen. Eine Zeitspanne, die rund um den Windberg auf den Protest vieler Eltern stieß. Ihrer Meinung nach seien vier Wochen entschieden zu lang. Man könne sich wegen fehlender Zeit nicht ständig um den Nachwuchs kümmern, überdies fehle es an Geld für Ferienerlebnisse. Schließlich wurde auf die schlichten Wohnverhältnisse hingewiesen, die oft genug weniger hygienischer seien als die Räumlichkeiten der Schule.

Es hagelte Bürgerproteste auf die Schulbehörde und auf die Herren im Rathaus. Die Stadtväter und die einheimischen Schulverantwortlichen machten sich Gedanken. Ein Ausschuss für Wanderungen der Freitaler Schuljugend bildete sich, der, aufgegliedert nach Schuljahren, ein detailliertes Programm nach dem Motto „Warum in die Ferne schweifen, sieh’ das Gute liegt so nah“ in Umlauf brachte. Empfohlen wurden u.a. Ausflüge in die Dresdner Heide mit Abkühlung im Luft- und Schwimmbad Weixdorf, Abstecher nach Moritzburg, nach dem Lerchenberg und in den Rabenauer Grund. Auch an größere Vorhaben wagte man sich. Etwa drei Tage Lausitz oder, wie die Coßmannsdorfer Schule, sieben Tage Iser- und Riesengebirge, finanziert von der örtlichen Industrie. Die 1876 eröffnete Hainsberger Schule an der Kirchstraße verlegte ihre 50-Jahr-Feier auf die Sommerferien von 1926 und sorgte so für eine imposantes lokales Ereignis, viele Einwohner der Gemeinde reihten sich in den bestaunten Festzug ein.

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Deubener Schweinerei

Wir schrieben es schon in einem früheren Beitrag: Die einheimische Kinderwelt könnte wegen ihres beeinträchtigten Gesundheitszustandes eine Luftveränderung gut gebrauchen. Es sind nicht nur die Industrieabgase, die den Alltag der Einwohner erschweren, auch handfeste Umweltskandale bilden ein echtes Ärgernis. Ab 1925 ärgert man sich in Deuben vier Jahre lang über eine Schweinezucht mitten im Wohngebiet an der Egermühle. Die örtliche Presse bescheinigt der Stadtverwaltung zwar ernsthaftes und erfolgreiches Bemühen um erholsames Grün im Stadtbild, fügt aber rügend hinzu, dass man gegenüber Leuten, die rigoros gegen die Lebensinteressen der Freitaler verstoßen, entschieden zu nachsichtig sei.

Unter der Überschrift „Schweinerei“ nimmt das Freitaler Tageblatt die Zimmermannsche Schweinezucht mitten im dicht besiedelten Wohngebiet an der Egermühle aufs Korn. Die Zeitung schreibt u.a.: „Es ist kaum zu glauben! Herr Z. betreibt in einer Gegend, wo Wohnhaus an Wohnhaus steht, eine Schweinezucht mit 300 Tieren. Im weiten Umkreis ist die Gegend von ekelhaften Gerüchen erfüllt. An eine Lüftung der Wohnungsfenster ist nicht zu denken, am wenigstens in der Nacht. Dann werden nämlich die Ventilatoren der Schweineherberge geöffnet. Ein Pesthauch breitet sich aus, der in jedes Schlafzimmer dringt und hunderte von Fliegengeschwadern auf den Plan ruft. Noch nie sind die Bewohner von Fliegen so gepiesackt worden wie jetzt …“

Sparen wir uns weitere Einzelheiten. Es sollte bis 1929 dauern, ehe die Stadtväter den Züchter zum Abzug bewegen konnte. Nicht zuletzt deshalb, weil im Umfeld der Zuchtanlage die Molkerei der Genossenschaft Freital produzierte. Vorgenommene Kontrollen hatten nicht länger mehr unvertretbare Qualitätsmängel ergeben.

Mit einem großen Festumzug während der Ferien 1926 würdigte die Schule Hainsberg vorzeitig ihr 50-jähriges Bestehen. Unsere Repro zeigt den Aufmarsch im Bereich der Weißeritzbrücke Rabenauer Straße.
Mit einem großen Festumzug während der Ferien 1926 würdigte die Schule Hainsberg vorzeitig ihr 50-jähriges Bestehen. Unsere Repro zeigt den Aufmarsch im Bereich der Weißeritzbrücke Rabenauer Straße. © SZ-Archiv

Feuersbrunst beim Nachbarn

Vor 178 Jahren wurde die Ferienzeit im Gebiet der Sächsisch-Böhmischen Schweiz von einer Katastrophe überschattet. Am Prebischtor und im Winterberggebiet loderte vom 31. August bis 9. September wegen langanhaltender Trockenheit ein riesiger Waldbrand. In einer Dresdner Tageszeitung hieß es: Das Prebischtor stand wie ein monströser Altar von knisternden Flammen umhüllt …

Eine Zeit lang schien es, als würden sich die eben am Prebischtor und auf dem Großen Winterberg eröffneten Gaststätten dem Feuer zum Opfer fallen. In letzter Minute wurde das Unheil abgewendet. Der sich plötzlich drehende Wind trieb die Feuerwalze auf das Mittelsdorfer Revier zu. Tharandter Forststudenten gehörten zu den 3.600 Helfern, die tagelang den Brand einzudämmen versuchten. Glück im Unglück, dass langanhaltender Regen einsetzte – die Niederschläge löschten das Großfeuer, das verwüstete Flächen zurückließ.

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