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Anschlag auf Pirnas Regenbogenfahne

Vor dem Rathaus haben Unbekannte einen Fahnenmast nebst Flagge aus der Verankerung gerissen. Der Verein "CSD Pirna" ist entsetzt.

Umgekippter Mast mit Regenbogenfahne vor dem Pirnaer Rathaus: Wie ein Schlag ins Gesicht.
Umgekippter Mast mit Regenbogenfahne vor dem Pirnaer Rathaus: Wie ein Schlag ins Gesicht. © Daniel Förster

Der Verein "CSD Pirna" feiert den Christopher Street Day - ein Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von homosexuellen, bisexuellen, intersexuellen und queeren Menschen - in Pirna traditionell mit einem rauschenden Fest. Coronabedingt musste die Fete in diesem Jahr allerdings ausfallen.

Quasi als Ersatz wurden am 6. Juli vor dem Pirnaer Rathaus zwei Regenbogenfahnen sowie eine Transgender-Fahne gehisst - als Zeichen für Toleranz, Akzeptanz, Gerechtigkeit und Gleichbehandlung von Homosexuellen in der Gesellschaft. Bis 13. Juli sollten die Flaggen wehen. Doch die Aktion fand ein jähes Ende.

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In der Nacht zum vergangenen Sonntag haben bislang Unbekannte einen der Fahnenmasten mitsamt der Regenbogenfahne umgekippt. "Der linke Fahnenmast wurde aus der Verankerung herausgerissen und auf den Boden geworfen", sagt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel. Mitarbeiter sicherten am Sonntag zunächst die lange Metallstange nebst Flagge und lagerten beides im Rathaus. 

Wer für die Tat verantwortlich ist, steht noch nicht fest. Laut Gockel gebe es bislang weder Zeugen, auch habe sich bisher niemand zu der Tat bekannt. Die Stadt hat inzwischen bei der Polizei Strafanzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. 

Dass heftiger Wind den Mast umgeworfen hat, gilt es unwahrscheinlich. Nach Aussage von Gockel seien die Fahnenmasten tief im Boden verankert, um auch starkem Wind und Sturm standzuhalten. Es bedürfe daher schon einer gewissen Kraft, solche eine Fahnenstange aus der Verankerung zu ziehen. Bislang waren die Masten bei Wind noch nie umgekippt. 

Geschockt und bestürzt

Der Verein "CSD Pirna" zeigte sich angesichts der Tat entsetzt. "Wir waren geschockt und bestürzt, als wir am Sonntag davon erfuhren", sagt Vereinschef Christian Hesse. Für den Verein sei das wie ein Schlag ins Gesicht, Hesse vermutet hinter dem Anschlag eine politisch motivierte Tat, die sich gegen Homosexuelle richte. "Dabei gab es vor der Fahnen-Aktion diesmal keine Anfeindungen oder Drohungen gegen uns", sagt Hesse. Der Verein will jetzt prüfen, ob die Fahne - die dem Verein gehört - beschädigt ist und auch seinerseits Anzeige erstatten. 

Dieser Anschlag ist nicht der erste auf den CSD-Verein und seine Aktivitäten. So wurden 2017 in der Nacht vor dem Pirnaer CSD die gesamte Bühnenplane aufgeschlitzt und die Regenbogenfahnen vom Bühnendach abgerissen. Im Jahr darauf verstreuten Unbekannte zum CSD Papierschnipsel mit Sprüchen wie "Fuck CSD" und "NO Homo". Laut Hesse seien die Täter nie gefasst worden. 

Die Linksfraktion im sächsischen Landtag hat sich am Montag mit dem Pirnaer CSD-Verein solidarisiert. "Die Regenbogenflagge steht für eine Gesellschaft, in der niemand wegen der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verurteilt oder angegriffen wird", sagt Sarah Buddeberg, parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion. Nicht erst der Vandalismus in Pirna zeige, wie tief der Hass gegen queere Personen noch immer in einigen Menschen stecke. Dem müsse die Gesellschaft eine klare Absage erteilen. 

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Im kommenden Jahr will die Stadt rund um den CSD die Regenbogenfahnen aber wieder vor dem Rathaus aufziehen. 

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