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Niesky

Anstoßen mit „Nieder Seifersdorfer“

Im früheren „Stadt Löbau“ wird seit Kurzem Bier gebraut. Eine Tradition aus den 1940er Jahren lebt damit wieder auf.

Torsten Scholz hat den ersten Sud in der neuen Nieder Seifersdorfer Brauerei längst angesetzt. Künftig soll der Großteil des in der ehemaligen Gaststätte „Stadt Löbau“ hergestellten Bieres in 30-Liter-Fässern ausgeliefert werden – mit dem Schriftzug „Brau
Torsten Scholz hat den ersten Sud in der neuen Nieder Seifersdorfer Brauerei längst angesetzt. Künftig soll der Großteil des in der ehemaligen Gaststätte „Stadt Löbau“ hergestellten Bieres in 30-Liter-Fässern ausgeliefert werden – mit dem Schriftzug „Brau © Frank-Uwe Michel

Torsten Scholz hat eine ausgeprägte Nieder Seifersdorfer Vergangenheit. Er stammt von hier, hat seine Jugend in dem Ort verbracht und natürlich auch „Stadt Löbau“ immer wieder gern besucht. Zwar ist die Gaststätte schon seit Jahren geschlossen. „Meinen 40. habe ich hier aber noch gefeiert“, lacht der Mann mit dem Dreitagebart und den wenigen Haaren auf dem Kopf. Als Radballer hat er den Saal noch gut in Erinnerung. „Hier haben wir richtig tolle Turniere gespielt. Und wenn uns die Zuschauer angefeuert haben, war ordentlich Feuer drin“, erzählt er von unvergesslichen Stunden.

Jetzt ist Torsten Scholz wieder da. Nicht als Gast oder Sportler, sondern als Betriebsleiter und Brauer der im Dezember 2018 von Andreas Görnitz gegründeten Brauhaus Nieder Seifersdorf GmbH. Er ist Geschäftsführer der Saxonar GmbH, die nur einige hundert Meter entfernt ihren Firmensitz hat. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von Fahrradleistungsmessern. Vor Jahren war auf einem nahe gelegenen Acker ein Bügelverschluss mit der Aufschrift „Brauerei Seifersdorf“ gefunden worden. Er lieferte den Anstoß zur Wiederbelebung der in den 1940er Jahren verschüttgegangenen Brauereitradition. Doch weder Görnitz noch Scholz, der sich bald darauf von der Idee anstecken ließ, sind vom Fach. „Im Herbst 2018 fuhren wir deshalb zur BrauBeviale nach Nürnberg, einer der europäischen Leitmessen zur Produktion und Vermarktung von Bier“, erinnert sich Torsten Scholz und gesteht: „Rausgegangen sind wir mit mehr Fragen, als wir hingefahren sind.“ 

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Trotzdem bahnte sich kurz darauf eine Geschäftsbeziehung an. Von der österreichischen Firma Flecks bezog die Brauhaus Nieder Seifersdorf GmbH im Frühjahr 2019 ein Fünf-Hektoliter-Sudhaus mit all der zur Bierherstellung erforderlichen Technik. Untergebracht ist sie in einem zwischen einstigem Gasthaus und dem Saal gelegenen Raum, der seit Jahresbeginn für seinen neuen Verwendungszweck vorbereitet wurde. Den ersten Sud angesetzt, erinnert sich der Brauer, der bei Landskron in Görlitz mal einen Braukurs belegt, sich sonst aber alles selbst beigebracht hat, habe er erst vor rund zwei Monaten. „Einen Tag brauen, vier Tage im Gärtank, dann vier Wochen im Lagertank – so ist der Weg vom Rohstoff zum Bier bei uns“, erklärt Torsten Scholz. Und verweist darauf, dass trotz moderner Technik etwa 80 Prozent Handarbeit im Entstehungsprozess enthalten ist. So würden zum Beispiel die Malze selbst geschrotet und in bestimmten Verhältnissen gemischt, um Stammwürze und Farbe nach den eigenen Wünschen zu gestalten. „Wir wollen nichts abkupfern, sondern gehen unseren eigenen Weg“, macht der Nieder Seifersdorfer deutlich.

Im Moment sei man noch in der Probierphase, habe sich aber schon auf Art und Geschmack des Heimatbieres festgelegt. „Es wird naturtrüb, nicht gefiltert sein. Ein intensiver Tropfen, der in Richtung Lager oder Keller geht, natürlich aber wie Pilsener entsteht.“ Später wolle man noch ein Frauenbier kreieren – leicht fruchtig, rötlich, mit geringerem Alkoholgehalt. „Wir möchten uns abheben vom industriell gefertigten Bier und hoffen, dass die Menschen zwischen Zittau und Weißwasser zufrieden mit dem Geschmack unserer neuen Sorten sind.“ Die übrigens als Flaschen in Dreier- und Sechserpacks, im Partyfass zu fünf Litern sowie in 30-Liter-Fässern angeboten werden sollen. Dazu wird derzeit seitlich im „Stadt Löbau“-Gebäudekomplex ein Verkaufsraum eingerichtet, in dem ab Mitte Mai das „Nieder Seifersdorfer“ zu haben ist.

Das Jahr 2019 betrachtet Torsten Scholz als Anlaufphase. Zu den vier 500-Liter-Lagertanks wurden bereits zwei 1 000-Liter-Hochtanks nachbestellt. Auch eine riesige Kühlzelle gibt es schon. Wenn es gut läuft, soll die Fünf-Hektoliter- Brauanlage irgendwann gegen eine größere ausgetauscht werden. Wie sich das historische Gemäuer entwickeln wird, steht indes noch nicht ganz fest. Scholz möchte am liebsten den Saal wieder nutzbar machen. Dann aber müsste ein Anbau entstehen, um Platz zu gewinnen für den Brauereiprozess. Vielleicht aber lässt sich der sogar in das alte Gaststättengemäuer integrieren und bekäme damit eine Art Schaueffekt. Der Brauer hat noch viel mehr Ideen parat. Eine aber hat er inzwischen liebgewonnen: „Vielleicht steigt hier die Sause, wenn ich 60 werde.“ Neun Jahre Zeit hat Torsten Scholz dafür noch.

Tag der offenen Tür am 12. Mai, ab 9 Uhr. Verkostung des neuen Biers im Freigelände von „Stadt Löbau“.

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