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Anwohner gegen Sendemast

In Coswig will Vodafone wenige Meter neben Wohnhäusern einen Mobilfunkmast errichten. Die Nachbarn protestieren.

30 Meter hoch soll der neue Sendemast werden.  Anwohner haben ein Protestplakat direkt daneben am Zaun befestigt.
30 Meter hoch soll der neue Sendemast werden. Anwohner haben ein Protestplakat direkt daneben am Zaun befestigt. © Norbert Millauer

Coswig. In Einzelteile zerlegt liegt der Sendemast am Lehdenweg, auf dem Gelände des Baubetriebshofs. Eigentlich sollte er schon stehen. Aber der Protest der direkten Nachbarn scheint Wirkung zu zeigen. Auf einem Plakat am Gartenzaun daneben fordern sie „Keine weiteren Funkmasten im Wohngebiet Coswig“. Die Errichtung der Masten erfolge ohne Einbeziehung der Bürger.

Wie im aktuellen Amtsblatt mitgeteilt wird, soll der Mast bis Ende Januar errichtet werden. Mit dem 5G-Ausbau hat das nichts zu tun. Er ist als Ersatz nötig, für die Sendeanlage, die bisher an der Salzstraße stand und nun verschwinden muss, weil das Gebäude der ehemaligen Kita abgerissen wird. 

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„Im rechtskräftigen Vertrag zwischen der Stadt Coswig und dem Betreiber ist festgeschrieben, dass die Stadt, wenn sie die Demontage des bestehenden Sendemastes veranlassen sollte, für einen Ersatzstandort im näheren Umfeld zu sorgen hat“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Entscheidung fiel auf das stadteigene Grundstück auf dem Lehdenweg.

Ein direkter Nachbar ist Peter Hübler. Er startete mit weiteren Unterstützern eine Petition gegen die Aufstellung weiterer Sendemasten in Wohngebieten. Mehr als 500 Menschen haben schon unterschrieben. Man habe noch mehr Protestschilder aufgehangen, sagt Hübler. 

Aber die seien vom Ordnungsamt wieder abgenommen worden. Ohne Begründung. Auf Nachfrage bei der Stadt heißt es, dass der Stadtgärtner Schilder aus dem Wäldchen an der Moritzburger Straße entfernen sollte und im Zuge dessen vielleicht versehentlich auch andere abgenommen hat. Das sei kein böser Wille gewesen.

Hübler glaubt, wenn es diesen Protest nicht gegeben, er nicht das Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Schubert gesucht hätte, wäre der Mast am Lehdenweg „still und heimlich“ aufgestellt worden. 

Nun aber immerhin der vorläufige Baustopp. Man arbeite gemeinsam mit dem Mobilfunkbetreiber daran, den endgültigen Standort auf dem Grundstück zu verändern, mit dem Ziel, den Abstand zu den Wohnhäusern zu maximieren.

Derzeit liegt der Sendemast noch auf dem Gelände des Baubetrieshofs am Lehdenweg.
Derzeit liegt der Sendemast noch auf dem Gelände des Baubetrieshofs am Lehdenweg. © Norbert Millauer

Im Ergebnis einer Beratung mit Vodafone habe man den Standort für den Sendemast auf dem städtischen Bauhofgelände in nordwestlicher Richtung verschoben, sodass die Entfernung zu angrenzenden Wohngebäuden vergrößert wird und der Mast durch die Wälle und die Randeingrünung um das Gelände visuell besser abgeschirmt wird, erklärt Bauamtsleiter Wolfgang Weimann. Dieser Standortvorschlag werde nun Grundlage der Antragsunterlagen für das Zulassungsverfahren durch die Bundesnetzagentur und für das Baugenehmigungsverfahren.

Vom ursprünglich geplanten Standort sind es laut Peter Hübler nur 35 Meter bis zum ersten Wohngebäude. Außerdem stehe der Mast dann in unmittelbarer Nähe zu drei Kindereinrichtungen. Hübler bemängelt, dass es kein Konzept zum Mobilfunk und 5G-Ausbau in der Stadt gibt.

Die Stadträte hätten sich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt und auf seine Anfragen nicht reagiert. „Wir wollen keine Panik machen“, betont der Coswiger. Es sei ein komplexes Thema, gäbe Argumente für und gegen das superschnelle Handynetz. Wenn er Stadträte fragen würde, wer 5G wirklich braucht, würde jeder sagen, die Industrie, die Telemedizin und der Tourismus, ohne dass es mit Fakten unterlegt sei.

Für alle Fragen bezüglich von Standorten, Zulassung, technischen Details und Gesundheit ist die Bundesnetzagentur zuständig, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Peter Hübler will den Stadträten dennoch vorschlagen, eine Arbeitsgruppe Digitalisierung zu gründen. „Neue Standorte und sonstige Veränderungen sollten nicht ohne Dialog mit der betroffenen Bevölkerung erfolgen“, sagt auch das Bundesamt für Strahlenschutz. Angesichts von Vorbehalten vor Ort gegen den Bau neuer Mobilfunkmasten will auch die Bundesregierung in die Offensive gehen.

Um mehr Verständnis und Akzeptanz zu erreichen, soll es eine als mehrjährige Kampagne angelegte „Kommunikationsinitiative“ geben. Das geht aus der Mobilfunkstrategie der Regierung hervor. Denn mitunter scheitert der Ausbau von Standorten für Mobilfunkmasten an Widerständen vor Ort. „Ziel ist es, transparent und neutral über die Entwicklungen im Mobilfunk in Deutschland zu informieren und in einen vertieften Dialog mit den Bürgern zu treten.“

Damit haben Peter Hübler und Unterstützer schon begonnen. Von Tür zu Tür ziehen sie, verteilen Flyer und reden mit den Bewohnern. Außerdem denke man darüber nach, selbst eine Informationsveranstaltung für die Coswiger zu organisieren.

Auch in Weinböhla hat sich eine Bürgerinitiative zum Thema gegründet. Sie veranstaltet am heutigen Mittwoch eine Diskussionsrunde in der Heubühne. Die Coswiger Protestler werden dabei sein.

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