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Dresden

Weitere Hausbesetzungen geplant

Nach der Besetzung des Baudenkmals am Wochenende wollen die Aktivisten nicht aufgeben. Währenddessen spricht der Besitzer über seine Pläne. 

Am Wochenende sorgte die Hausbesetzung am Basteiplatz 3 in Dresden für einen großen Polizeinsatz. Rund 35 Einsatzwagen waren vor Ort.
Am Wochenende sorgte die Hausbesetzung am Basteiplatz 3 in Dresden für einen großen Polizeinsatz. Rund 35 Einsatzwagen waren vor Ort. © xcitepress

Die Besetzung der alten Strehlener Villa am Sonnabendnachmittag sorgte für eine rege Debatte in Dresden. Etwa zehn Menschen hatten am Haus das Banner mit dem Schriftzug „Häuser besetzen statt Bäume verletzen“ gehisst. Das Gebäude steht leer und geriet deshalb offenbar in den Fokus. „Ziel ist, das Haus als Wohnraum und für gemeinschaftliche Zwecke, wie ein alternatives, soziales und kreatives Zentrum, zu nutzen“, so die Besetzer.

Schäden im vierstelligen Bereich – Das sagt der Besitzer:

Am Samstagnachmittag erfuhr Roman Lerch, Vorstand der Castello AG, dem die Villa am Basteiplatz seit einem Jahr gehört von der Besetzung. „Wir trafen vor dem Haus rund 80 Demonstranten und rund 35 Polizeiautos an, im Haus hielten sich ungefähr zehn Personen auf“, berichtet Lerch. Auf Bitten der Polizei willigte der Eigentümer in ein Gespräch mit den Besetzern ein. „Wir wollten das Haus nicht räumen lassen und keine Eskalation, sondern ein Gespräch, dies vor allem auch vor dem Hintergrund der weitestgehend friedlichen Demonstrationen in der Stadt an diesem Tag“, so Lerch. Und weiter: „Drei vermummte Personen kamen heraus und erklärten mir ihre Forderungen, dass das Haus und der Garten sofort genutzt werden sollen“, erinnert er sich. 

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Lerch stellt klar: Er will das Haus als Anlage für Betreutes Wohnen ausbauen lassen und auch den Garten nutzbar machen. Gegen 22.15 Uhr hätten die Besetzer das Haus freiwillig verlassen. Doch die Aktivisten hätten Schäden am Haus hinterlassen. Der Besitzer fand nach eigenen Angaben beschädigte Außentüren und im Inneren aus dem Rahmen gerissene Türen vor. „Den Schaden im Inneren können wir noch nicht beziffern, der an den Außentüren beläuft sich wohl auf einen vierstelligen Betrag“, so Anwalt Glienicke. Er und sein Mandant gehen davon aus, dass die Aktivisten das Haus bewusst ausgesucht hätten, da sie dort gelagerte Lebensmittel vorgefunden hätten. „Wir gehen davon aus, dass diese dort schon Tage vor der Aktion hineingebracht worden sind“, so Lerch.

Mietpreisdeckel und schnelle Nutzung – Das wollen die Besetzer:

Die Aktivisten wollen die Nutzung der leerstehenden Häuser und eine Deckelung der Mieten. „Es sind weitere Hausbesetzungen geplant“, sagt einer von ihnen, der anonym bleiben möchte. Wann genau sagte er nicht, die Gruppe schreibt aber im Netz: „Der heiße Sommer ist noch nicht zu Ende“. Am Samstag habe man sowohl die Polizei als auch den Eigentümer als kooperativ erlebt. „Die Zusicherung, dass bald wieder Leute am Basteiplatz 3 wohnen können, stimmt uns fröhlich“, so die Gruppe. Zu den Schäden wollte sich niemand äußern. Die Aktivisten besetzten zuletzt zum Straßenfest Bunte Republik Neustadt (BRN) Häuser an der Königsbrücker Straße.

Ermittlungen und noch ein Fall – das sagt die Polizei:

Auf SZ-Nachfrage teilte ein Polizeisprecher am Montag mit, dass gegen die Besetzer der Strehlener Villa Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs laufen. „In beiden Fällen.“ Denn auch auf der Grunaer Straße hatten sich am Sonnabend offenbar acht Personen widerrechtlich Zutritt zu einem leerstehenden Mehrfamilienhaus verschafft und mehrere Plakate an der Fassade entrollt. Dabei wurden sie aufgegriffen und ihre Personalien erfasst.

Kann die Kommune eingreifen? Das sagt das Rathaus:

Die Aktivisten wünschen sich einen Dialog mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Die Stadt sagt: Eine offizielle Einladung liegt nicht vor und sieht den Eigentümer in der Verantwortung. Der Stadtrat hat zwar im Juni 2019 den Antrag „Zweckentfremdung von Wohnraum“beschlossen. Voraussetzung für ein kommunales Verbot wäre aber zunächst eine Verordnung des Sächsischen Innenministeriums, die es momentan noch nicht gibt.

Der Leerstand steigt – das sind die Ursachen:

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Der Wohnungsleerstand lag in Dresden 2018 bei 6,4 Prozent. Das entspricht 19 350 Wohnungen. 2017 standen dagegen nur rund 19 000 von 300 000 leer. Die höchsten Leerstände gibt es in der inneren Altstadt mit 18,4 Prozent, in Loschwitz und Wachwitz mit je 12,2 Prozent und in der Wilsdruffer Vorstadt mit 11,3 Prozent. In Loschwitz und Wachwitz ist der Wert überdurchschnittlich hoch, da sich hier viele Wohnungen in schlechtem Bauzustand und entlang stark befahrener Straßen befinden. Die Ursachen: unklare Eigentumsverhältnisse oder fehlendes Geld der Besitzer, zu sanieren. Gerade in den teuren Vierteln wie dem Weißen Hirsch, Loschwitz und Blasewitz sind manche Villen seit Generationen in Familienbesitz. Sterben Mutter oder Vater, streiten sich manche Geschwister, was mit der Immobilie passieren soll.