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App aus Dresden soll die Schule einfacher machen

Mit der App „Scoolio“ sollen Schüler organisierter lernen können - und bald auch den Traumjob finden. Wir sprachen mit Erfinder Danny Roller.

Scoolio-Chef Danny Roller auf der Dachterrasse des Start-ups in der Dresdner Neustadt. Mit der App will er Schüler erfolgreich machen – auch im Beruf.
Scoolio-Chef Danny Roller auf der Dachterrasse des Start-ups in der Dresdner Neustadt. Mit der App will er Schüler erfolgreich machen – auch im Beruf. © Ronald Bonß

Von Luise Anter

Schule früher: Man hatte ein vollgekritzeltes Hausaufgabenheft, in dem vieles stand, aber nicht die Hausaufgaben. Eine Notenliste, die nur Streber regelmäßig führten. Einen „Vertretungsdienst“, der in der Pause ans Schwarze Brett ging, um eng bedruckte Listen nach Ausfallstunden zu durchsuchen. Schule im Jahr 2020: Schüler haben eine App.

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Diese App heißt „Scoolio“ und kommt von einem Dresdner Start-Up. Die Schüler können ihren Stundenplan speichern, ihre Noten eintragen und Hausaufgaben notieren, an die sie dann eine Benachrichtigung auf dem Handydisplay erinnert. Wenn die Schule mit Scoolio kooperiert, finden sie auch den Vertretungsplan und die Mensakarte in der App. Und zwischen all den Infos lernen die Schüler noch, dass die Freiheitsstatue Schuhgröße 3.500 hat. Unnützes Wissen bietet Scoolio nämlich auch. Ebenso wie sehr viele, sehr fröhliche Smileys und einen Feriencountdown. Scoolio vereine „Nutzwert und Spaßfaktor“, sagt Danny Roller.

Er ist der Chef von Scoolio. Mit anderen Wirtschaftsstudenten der TU Dresden gründete er 2010 „Adscads“. Das Unternehmen bringt noch immer den „Futureplan“ heraus, einen analogen Planer für Schüler und Studenten. Irgendwann Anfang 2016 hatte Roller die Idee, das Produkt zu digitalisieren. Der Einfall kam ihm morgens im Bett. „Das ist die klassische Gründerstory“, sagt er, „nur eben nicht unter der Dusche.“ Er tat sich mit dem Glauchauer Software-Start-Up „Develappers“ zusammen – und holte Schüler an Bord, um die App nach ihren Wünschen zu gestalten.

Danny Roller ist der Chef von Scoolio.
Danny Roller ist der Chef von Scoolio. © Ronald Bonß

Die meinten: Scoolio soll nicht nur organisieren, sondern auch verkuppeln. Deshalb kann man sich in der App auch ein Profil anlegen und mit anderen Leuten aus der Schule chatten. Machen sie das nicht ohnehin schon? „Wir sind keine Konkurrenz zu WhatsApp“, sagt Roller. Auf Scoolio würden die Schüler eher über Schul-Themen reden, sich Lerngruppen oder Nachhilfe organisieren.

Im Sommer 2016 haben Roller und seine Mitstreiter die App gestartet. Knapp vier Jahre später führt der 32-Jährige durch eine Büroetage in der Dresdner Neustadt, mit vielen bunten Zetteln, einer Dachterasse und Postern von Teenie-Stars. Roller serviert den Kaffee in Scoolio-Tassen, stellt zum Gespräch eine Scoolio-Flasche vor sich und zieht sich fürs Foto einen Scoolio-Hoodie an. „Das ist ein bisschen sektenmäßig bei uns“.

Dem Start-Up fehlt es nicht an Selbstbewusstsein. Scoolio rangiert regelmäßig unter den Top 10 der Bildungsapps bei Apple und dem Google Play Store. Etwa 800.000 Nutzer hat die App zurzeit, vor allem aus Deutschland, aber auch aus Österreich und der Schweiz. Aktiv nutzen die App pro Monat etwa 150.000 Schüler. „Scoolio“ setzt sich übrigens aus „school“ (Schule) und „cool“ zusammen. Die Schüler scheinen dem zuzustimmen.

So sieht die App aus:

© Scoolio
© Scoolio
© Scoolio
© Scoolio

Aber wie sehen es die Lehrer? Gerade bei Älteren merke er eine gewisse Skepsis gegenüber Digitalisierung generell, sagt Roller. Nimmt die App Schülern nicht zu viel ab? „Wir ändern nur den Weg, die Verantwortung liegt immer noch beim Schüler“, sagt der Gründer. Nur, dass das Organisieren mit Scoolio eben Spaß mache. Aber dadurch könnte Scoolio Schüler vom Lernen ablenken. So richtig könne er dem nichts entgegnen, meint Roller. Aber: „Schüler sind ohnehin immer am Handy. Wir lenken die Aufmerksamkeit wenigstens auf etwas Sinnvolles.“

Scoolio ist kostenlos – und soll es auch bleiben. Das Start-Up finanziert sich deshalb durch Werbung. Die Unternehmen preisen aber keine Produkte, sondern Ausbildungs- und Studienplätze. „Wir wollen den Unternehmen einen Zugang zur jungen Zielgruppe geben“, sagt Roller. Er glaubt, dass die Schüler auf Scoolio darauf viel eher ansprechen als auf anderen Sozialen Medien. „Schüler wollen auf Instagram nicht den Arbeitgeber finden.“

Demnächst bekommt Scoolio einen „Futurespace“. Dort können die Schüler mit einer Art Psychotest herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Der Test ist aufgebaut wie Tinder, die Schüler wischen Eigenschaften nach links oder rechts. Teamplayer? Nach links. Kreativ? Nach rechts. Am Ende steht dann kein Partner, aber immerhin ein Job mit Infos zum benötigten Notendurchschnitt und potentiellen Arbeitgebern.

Suche nach Investoren und Mitarbeitern

Vom Futurespace sollen auch die Unternehmen profitieren. Bisher können sie nur einen Umkreis für ihre Werbung bestimmen, damit ein Bautzener Betrieb nicht bei Schülern in Paderborn angezeigt wird. In Zukunft soll die Werbung mit den Ergebnissen aus dem Futurespace personalisiert werden. Dann erscheint etwa die Sparkassenwerbung bei Nutzerinnen, die laut Berufstinder eine gute Automechanikerin wären. Klingt nach Datensammeln wie bei Facebook und Co.? „Die Daten werden nur auf dem Handy selbst abgeglichen“, sagt Roller. Niemals gebe man Daten an die Unternehmen weiter.

Auch wenn das Geschäft mit der Werbung gut läuft – in den schwarzen Zahlen ist Scoolio noch nicht. „Der finanzielle Druck ist schon groß“, sagt Roller. Eine App sei „wahnsinnig teuer.“ Momentan ist er wieder auf der Suche nach Investoren. „Einen einstelligen Millionenbetrag“ benötige das Start-Up, so der Chef. Bisher fördern Scoolio vier regionale Investoren, darunter die Innovations- und Beteiligungsgesellschaft der Ostsächsischen Sparkasse. Sie hat ihre weitere Untersützung bereits zugesagt. Roller versteht nicht, warum es Start-Ups nach Berlin oder Hamburg zieht. Er selber sei sehr zufrieden mit dem Standort und den Investoren. „Wer in Sachsen Kapital sucht, findet es.“

Danny Roller sucht aber nicht nur Investoren, sondern auch Mitarbeiter. 18 Leute umfasst sein Team zurzeit, neun weitere sucht er. Gerade im Bereich Marketing und Webentwicklung sei es eine „Herausforderung“, passende Leute zu finden. Der Fachkräftemangel macht vor Scoolio nicht Halt.

Ob es Scoolio in zehn Jahren noch gibt? Er hoffe es, sagt Roller. „Ich weiß, wie hoch das Risiko in der digitalen Welt ist“. Er sei aber optimistisch. Bis 2022 soll Scoolio europaweit verbreitet sein. Und er plant schon, welche Apps man noch entwickeln könnte. Scoolio für Studenten zum Beispiel – bei denen herrscht schließlich auch das Zettelchaos.

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