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Auch die Seele braucht Hilfe

Mit Krebs zu leben, kann man lernen, sagt Anja Weißwange von der Sächsischen Krebsgesellschaft. Bei ihr finden auch Angehörige Rat.

Frau Weißwange, Psychoonkologie – was ist das?

Psychoonkologische Beratung ist ein spezielles psychologisches Beratungsangebot für Krebspatienten und deren Angehörige.

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Warum brauchen Krebspatienten das?

Weil es ganz wichtig ist, in dieser Zeit nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele zu helfen. Nach einer Krebs-Diagnose ist die psychische Belastung besonders groß. Da sind Ängste, extreme Verunsicherung, am Anfang die Schocksituation. Es wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen. Dann kommen die körperlichen Veränderungen, Chemotherapie, Schmerzen, Haarausfall, Verlust der Leistungsfähigkeit.

Wie helfen Sie in dieser Situation?

Zuerst einmal mit Zuhören. Betroffene können ihre Ängste und Sorgen schildern und loswerden, was sie bedrückt. Gemeinsam finden wir heraus, was ihnen in ihrer Situation Halt geben kann. Es ist wichtig, dass jeder für sich Dinge und Wege findet, die ihm helfen, mit der Krankheit zu leben. Hilft es, die Krankheit zu verdrängen?

Nein, das geht nicht ständig. Aber man kann lernen, sie für sich anzunehmen und zu akzeptieren. Kranke müssen lernen, ihre Kräfte anders einzuteilen, oft auch, toleranter zu sich selbst zu werden und eigene Leistungsansprüche zurückzuschrauben. Viele müssen auch erst lernen, Hilfen anzunehmen. Und sie können lernen, ihre innere Balance und emotionale Stabilität wiederzufinden. Auch mit körperlichen Veränderungen zurechtzukommen, müssen die meisten erst einmal lernen.

Wie ist das mit Angehörigen, mit Partnern, Kindern, die oft hilflos sind?

Für Angehörige ist psychologische Hilfe genauso wichtig. Deshalb steht unser Beratungsangebot auch für sie offen.

Wie wichtig ist Offenheit?

Sehr wichtig, vor allem in der Familie. Es ist auch wichtig, Kinder altersgerecht und ehrlich mit einzubeziehen. Die Zeiten, in denen Krebs tabuisiert wurde, sind zum Glück vorbei. Heute wird offener und selbstbewusster mit der Krankheit umgegangen. Aber wir erleben immer noch viel Angst vor Stigmatisierung. Und auch existenzielle Ängste, wenn man beispielsweise seiner Arbeit nicht mehr wie vor der Krankheit nachgehen kann.Gespräch: Jana Ulbrich