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Auch Nonnen haben Weihnachtsstress

Eine Bescherung gibt es auch für die Schwestern vom Kloster St. Marienthal.Diese findet aber nichtam 24. Dezember statt.

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Von Jan Lange

Wer denkt, dass in den Tagen vor Weihnachten die Nonnen im Kloster St. Marienthal keinen Feststress kennen, der irrt. Für die Christmesse am Heiligabend wird fleißig geübt, die Weihnachtspost für Verwandte, Bekannte und Freunde muss geschrieben werden und für die Adventsfeier mit den Mitarbeitern ist ebenfalls einige Vorbereitung notwendig. Bei der vorweihnachtlichen Feier kommen schon mal bis zu 200 Personen zusammen. Und auch die Bescherung verlegen die Marienthaler Schwestern in die Zeit vor dem 24. Dezember. Denn der Heiligabend soll vollkommen frei für die lithurgische Feier sein. Meist werden die Geschenke am vierten Advent verteilt, da dieser aber 2011 bereits auf den 18. Dezember fällt, bekommen die Schwestern ihre Präsente diesmal ein paar Tage später. „Jede Schwester erhält vom Kloster etwas“, sagt Schwester Elisabeth, die Priorin der Abtei. Süßigkeiten, auch mal ein Wein, aber vor allem nützliche Dinge sind es.

Als es das „St.-Josef-Pflegeheim“ auf dem Klostergelände noch gab, fand die Bescherung wie in allen anderen Familien am Heiligabend statt. Seit 1999 leben die behinderten Frauen allerdings im „Pater-Kolbe-Hof“ in Schlegel, der auch zum Kloster gehört. Und seitdem werden die Geschenke früher verteilt.

An der traditionellen Uhrzeit der Christmesse haben die Schwestern aber festgehalten. Um 20 Uhr beginnt sie. In der katholischen Kirche sind spätere Zeiten für die Messe am Heiligen Abend eigentlich üblich. Doch auch wegen der immer älter werdenden Schwestern wird an der 20 Uhr-Messe festgehalten. Das zweite Jahr in Folge wird die Christmesse in der Hofkapelle stattfinden, da die Klosterkirche nach dem Hochwasser noch immer nicht für eine solche Feier genutzt werden kann. Auch wenn es dort deutlich enger zugeht als in der riesigen Klosterkirche, so sei die Christmesse im Vorjahr dennoch sehr stimmungsvoll gewesen, findet Schwester Elisabeth.

Für die Nonnen ist die Messe am Abend nicht der erste Höhepunkt am 24. Dezember. In der Frühmesse wird das Weihnachtskapitel in lateinischer Sprache gesungen – so wie es in Rom üblich ist. Danach legen sich die Schwestern in der Raummitte auf die Erde und gedenken Jesus. Natürlich nur die, die dazu körperlich in der Lage sind. Im Anschluss folgt das normale Martyrologium, also die Ankündigung der Geburt des Herrn. „Das ist die richtige Einstimmung auf den Heiligen Abend und ein emotionaler Höhepunkt am Vormittag“, meint Schwester Elisabeth.

Über den Tag haben die Nonnen dann Zeit, Arbeiten in ihren Zellen zu erledigen. Um 16.30 Uhr finden sie sich zum feierlichen Abendtisch zusammen. Der Beginn ist so früh, da ab 18.30Uhr Gebete auf dem Programm stehen.

Bis zur Christmesse bleibt dann nicht mehr viel Zeit. Sie wird mit einer noch recht jungen Tradition beendet. Die Äbtissin trägt das Jesuskind bis zur Krippe, die zwischen dem „Haus der Familie“ und dem Weinkeller aufgebaut ist, und legt es hinein. Mit einem „Stille Nacht, heilige Nacht“ klingt die Christmesse an der Krippe aus. Melodien wie diese sind im Advent kaum zu hören, denn für die Schwestern beginnt die Weihnachtszeit erst mit den Feiertagen. Die Nonnen können dann auch mal etwas länger schlafen. Während normale Tage schon vor um fünf beginnen, geht es nun erst um sechs los.

Am 25. Dezember wird auch ein „Jesulein“ beschenkt – eine jahrzehntealte Tradition. Eine katholische Familie besucht dabei mit ihrem wenige Monate alten Kind das Kloster und wird bewirtet.