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Auf Hausbesuch

Die SZ begleitet den Schmiedeberger Hausarzt Michael Grundmann auf seiner Tour. Die führt über abenteuerliche Wege.

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© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Schmiedeberg. Es ist noch stockdunkel am frühen Morgen an der Körnermühle direkt an der Wilden Weißeritz, Michael Grundmann kommt aus dem Haus, schiebt das Garagentor auf und startet seinen VW Golf mit Allradantrieb. Ohne diesen würde der Hausarzt seine Touren im Winter gar nicht schaffen. Sein Weg führt ihn jetzt erst über elf Kilometer nach Hermsdorf ins Erzgebirge und anschließend nach Neuhermsdorf.

Grundmann überquert dort die Weißeritzbrücke und biegt auf die Weißeritztalstraße, die durch den Kreuzwald führt. Die Tour macht er rund 500 Mal im Jahr. Manche Patienten brauchen den Hausarzt mehrmals am Tag, wenn sie beispielsweise im Sterben liegen und er ihnen gegen ihre unerträglichen Schmerzen helfen muss.

Grundmann kurvt um die Schlaglöcher auf der Straße, die nur eine Schotterdecke hat und entsprechend ausgespült ist. Manchmal muss er auch anhalten, weil Wild über den Weg wechselt. „Und nach dem Sturm vor Kurzem habe ich Bäume, die hier quer lagen, selbst weggesägt“, erzählt er. Andernfalls müsste er einen kilometerweiten Umweg fahren.

Diesen Morgen besucht der Arzt zwei Patienten zur Wundversorgung. Zu ihnen kommt er im Drei-Tage-Rhythmus. Der Arzt hat auch schon eine Wundschwester weitergebildet, die ihn bei solchen Aufgaben entlastet. „Bei tiefen Wunden muss man aber immer neu abwägen. Da muss der Arzt selbst drauf schauen“, sagt er.

Michael Grundmanns Familie stammt ursprünglich von der Körnermühle. Er ist aber in Baden-Württemberg aufgewachsen und hat dort Medizin studiert. Als nach der Wende die Möglichkeit bestand, das Familienerbe wieder zu übernehmen, machte er seine letzten Prüfungen an der Uni in Tübingen und zog ins Erzgebirge. „Ohne dieses Erbe wäre ich nicht hier“, sagt der 51-Jährige.

Er absolvierte seine praktische Ausbildung im Krankenhaus Dippoldiswalde, arbeitete bei einem Kollegen mit und machte sich 2002 mit einer Praxis in Bärenfels selbstständig, die er 2007 nach Schmiedeberg verlegt hat. Von hier aus betreut er rund 1 500 Patienten in einem Einzugsgebiet, das sich zwischen Dippoldiswalde und Hermsdorf/E., Johnsbach und Reichenau erstreckt. Als 2009 der Hermsdorfer Arzt Christian Hesse in den Ruhestand ging, haben sich dessen Patienten auf die umliegenden Arztpraxen verteilt. Seitdem ist Michael Grundmann regelmäßig nach Reichenau und Hermsdorf unterwegs.

Das morgendliche Hermsdorf liegt verschneit. Die Hausbesuche bei den Patienten dauern zehn Minuten, eine Viertelstunde. Dann geht die Tour wieder zurück über die löchrige Weißeritztalstraße. Es hat nur leicht geschneit und war die Tage vorher auch trocken. „Wenn es nass ist und in den Löchern noch Wasser steht, wird das Auto um und um vollgespritzt“, erzählt der Arzt. Er würde sich wünschen, dass diese Strecke besser ausgebaut wird. Sie ist in seinem Fall doch wichtig für die Versorgung der Patienten oben im Erzgebirge.

Das ist jedoch schwierig, wie Reinhard Pitsch (parteilos), der Bürgermeister von Hartmannsdorf-Reichenau erklärt. Die Straße liegt im Gebiet seiner Gemeinde, aber ganz am Rande und verbindet den Dippser Ortsteil Ammelsdorf mit Hermsdorf/E.. Außerdem sind die Voraussetzungen kompliziert. Die Straße liegt in der Trinkwasserschutzzone Eins, darf also nicht asphaltiert werden, sondern nur eine Schotterdecke erhalten. Die benötigt aber mehr Pflege. Pitsch versichert aber, dass sich seine Gemeinde im kommenden Frühjahr auch auf der Weißeritztalstraße darum kümmern werde. Das Gleiche stellt auch Hermsdorfs Bürgermeister Andreas Liebscher für den Abschnitt, der zu seiner Gemeinde gehört, in Aussicht. Dann müsste der Arzt nicht mehr so abenteuerliche Kurven fahren, um frühmorgens oder auch einmal spätabends seine Patienten zu erreichen. Für ihn war das ja nur die erste Tour am Tage zu seinen Patienten. Jetzt hilft er seiner Frau mit, die fünf Kinder für die Schule und den Kindergarten vorzubereiten. Die beiden Kleinen nimmt er selbst mit, wenn er nach Schmiedeberg in seine Praxis fährt. Später am Tag stehen noch weitere Hausbesuche im Kalender.