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Auf Kuhfühlung im Rinderstall

In der Milchwelt Kotten kommen Besucher den Tieren ganz nah, können frische Milch und hausgemachten Käse kosten - und sich verzaubern lassen.

In der Krabat Milchwelt in Kotten bei Wittichenau darf die achtjährige Elisa zuschauen, wie Tierpfleger Horst Dutschmann den kleinen Kälbchen Eimer mit frischer Milch bringt.
In der Krabat Milchwelt in Kotten bei Wittichenau darf die achtjährige Elisa zuschauen, wie Tierpfleger Horst Dutschmann den kleinen Kälbchen Eimer mit frischer Milch bringt. © SZ/Uwe Soeder

Kotten. Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe. Moment - das stimmt doch gar nicht. Jedenfalls nicht der erste Teil der Volksweisheit. Der zweite Halbsatz erweist sich schnell als wahr. In und zwischen den Ställen der Krabat-Milchwelt in Kotten bei Wittichenau wuseln Tierpfleger hin und her. Das Melkkarussell dreht sich. Ein Traktor bringt frisches Stroh. Im Hofladen schneiden Mitarbeiterinnen Käseräder zu handlichen Stücken. In der Küche zaubert die Köchin das Mittagessen: Quark mit Pellkartoffeln, Leinöl und Leberwurst.  

Von der Mühe für die Kühe können sich Gäste schnell überzeugen. Aber wir sind nun schon länger als eine Stunde hier, und bis jetzt hat keine Kuh muh gemacht. Das hat nichts mit Zauberei zu tun, wie der Milchwelt-Namensgeber vielleicht vermuten lässt. Geschäftsführer Tobias Kockert kann das leicht erklären: Wenn eine Kuh muht, dann beschwert sie sich über irgend etwas. Wenn sie eben schweigt, hat sie auch keinen Grund zur Beschwerde. Und auch die Hofkatze sieht keinen Anlass zur Klage. Sie döst in der Sonne vor sich hin und blinzelt die Besucher kurz an.

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Kühe, Mieze und ihr elfköpfiges Dienstpersonal sind Gäste gewohnt. Zwei verschiedene Führungen können Interessenten in der Krabat-Milchwelt Kotten buchen. Bei der Erlebnisführung "Kuh-Käse-Kilowatt" erfahren die Besucher alles über die hier gelebte Kreislaufwirtschaft. Dass zum Beispiel das Futter für die etwa 260 Tiere von der Milchwelt-Muttergesellschaft MKH Wittichenau kommt und die hauseigene Biogasanlage aus Kuhmist Strom und Wärme zaubert. Der Strom fließt ins öffentliche Netz, die Wärme nutzt die Milchwelt zum Beheizen ihrer Räume.

Bei der Entdeckertour "Auf Kuhfühlung" können die Besucher auch beim Füttern der Kälbchen helfen oder ihren Müttern im Stall das duftende Heu vor die Nase schieben.

Gerade hängt Tierpfleger Horst Dutschmann Eimer mit frisch gemolkener Milch an jede der kleinen Boxen, in denen die Kälbchen ihre ersten Lebenstage verbringen. Die jungen Tiere fangen sofort an zu nuckeln. "Die Kleine hier", Tobias Kockert streichelt ein Kalb am Hals, "ist heute früh erst geboren." Zauberhaft, wie die gerade geborenen Tierchen schon auf ihren vier Beinen stehen können.

Der Geschäftsführer der Krabat Milchwelt Tobias Kockert kontrolliert den Reifegrad von Käse.
Der Geschäftsführer der Krabat Milchwelt Tobias Kockert kontrolliert den Reifegrad von Käse. © SZ/Uwe Soeder

Nur eine gute Traktorlänge weiter befindet sich der Kreißsaal. Aber was heißt Saal: Es ist ein Stall wie jeder andere, nur dass hier ausschließlich hochträchtige Kühe stehen oder liegen und auf die Geburt ihrer Kinder warten. Im Schnitt erblickt hier jeden Tag ein Kälbchen das Licht der Milchwelt. Die Mitarbeiter erleben täglich den Zauber,  welcher der Geburt neuen Lebens innewohnt.

Am Eingang zum Stall der Milchkühe lehnen große Besen. Der Chef drückt der achtjährigen Besucherin Elisa und dem Reporter von Sächsische.de gleich einen in die Hand: Wir dürfen den Tieren das Heu zuschieben. Große Augen schauen uns an und scheinen zu sagen: Komm, hab dich nicht so und gib mir mehr. Und schon mahlen die großen Kiefer. Oder auch nicht. Manche Kühe tummeln sich lieber im Gehege außerhalb des Stalls oder stellen sich unter eine automatische Bürste, die ihnen den Rücken kratzt. Von so einem Service ließen wir uns auch gern verwöhnen!

Aber das hat Tobias Kockert mit uns jetzt auch vor. Er kratzt den Besuchern natürlich nicht den Rücken, sondern serviert ihnen zauberhaft leckere Milch, Jogurt und Käse - natürlich alles aus hauseigener Produktion. Im Besucherraum der Milchwelt beginnt oder endet jeder Rundgang. Auf dem Tisch steht ein Krug mit kühler Milch. Den Naturjogurt können wir nach Belieben verfeinern - entweder mit Müsli aus der Rätzemühle in Spittwitz bei Bautzen oder mit Konfitüre aus dem Lavendellädchen in Bernsdorf bei Hoyerswerda. Auf regionale Zutaten legt die Milchwelt viel Wert; nicht umsonst ist sie Teil der Genuss-Initiative "Die Lausitz schmeckt" und zugleich "Botschafter der Oberlausitz".

Jeder Rundgang durch die Krabat Milchwelt endet im Besucherraum. Dort werden hauseigene Produkte serviert.
Jeder Rundgang durch die Krabat Milchwelt endet im Besucherraum. Dort werden hauseigene Produkte serviert. © SZ/Uwe Soeder

Während wir uns vom Geschmack verzaubern lassen, erzählt der Hausherr, dass Krabats Kühe täglich etwa 10.000 Liter Milch geben. Das meiste davon verkauft das Unternehmen an Mollkereien, etwa zehn Prozent werden vor Ort in Kotten verarbeitet. Vor allem zu verschiedenem Käse. Durch große Fenster können die Besucher Käsemeister Joseph Klant bei der Arbeit und den Käserädern beim Reifen zusehen. Manchem Käse bleiben dafür gerade mal sechs Wochen, andere dürfen über Jahre Geschmack ansetzen. Der älteste stammt vom Dezember 2013.

Wir kosten und merken schnell: Dieser Käse macht Appetit auf mehr - ob nun der junge "Krabatello", Käse mit Senf, Meerrettich oder Buchweizensaat. Den "Schwarzen Müller" lässt die Milchwelt im Missionshof Lieske bei Kamenz räuchern. Am Ende probieren wir Käsewürfel in Lausitzer Leinöl aus Hoyerswerda.

Die Rinde können wir immer mitessen, denn kein Käse reift hier in einem Mantel aus Wachs oder ähnlichem. Statt dessen wird jeder Laib Tag für Tag mit einer Salzlake eingerieben. So viel Mühe zahlt sich aus. Extra für den 25. Europäischen Bauernmarkt Anfang März in Plauen zauberten die Kottener einen herzhaften Jubiläumskäse. Dort boten Direktvermarkter aus 14 Ländern ihre Produkte an. Der erste Preis ging an - naaa? Genau: die Krabat-Milchwelt.

Kuhpflege und Käseherstellung erleben

Die Krabat-Milchwelt in Kotten gibt es seit 2008. Sie gehört zur MKH Agrar-Produkte-GmbH Wittichenau.

Milch, Käse und vieles mehr aus der Milchwelt sowie von anderen regionalen Herstellern gibt es im Hofladen zu kaufen. Geöffnet ist der dienstags von 9 bis 12 Uhr, freitags von 14 bis 17 Uhr, sonnabends von 7.30 bis 11 Uhr sowie zu Führungen.

Gebucht werden können die Erlebnisführung "Kuh-Käse-Kilowatt" (sechs Euro pro Person) und die Entdeckertour "Auf Kuhfühlung" (50 Euro pro vierköpfige Familie inklusive Frühstück und Mittagessen).

Das Käseauto bringt Produkte aus der Krabat-Milchwelt auch auf Wochenmärkte in der Region. Unter anderem steht es dienstags und sonnabends auf dem Wochenmarkt in Bautzen, donnerstags in Kamenz, in geraden Kalenderwochen auch mittwochs in Pulsnitz sowie in ungeraden Kalenderwochen freitags in Königwartha.

Kontakt: Telefon 035725 929012, Internet www.krabat-milchwelt.de, Mail [email protected]

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