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Aus für die Werkstattschule

Vier Schulen haben fest mit dem Projekt der Arbeiterwohlfahrt gerechnet. Doch nun gibt’s statt Geld Ärger. Und eine Forderung.

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Von Heike Sabel

Nach einem Jahr Zwangspause war die Werkstattschule in der Dohnaer Oberschule wieder fest eingeplant. Die guten Erfahrungen mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Träger hatten die Schulleitung bewogen, die Zusammenarbeit zu forcieren, sagt Schulleiterin Marlies Schönherr. Großer Vorteil des Projektes: Schüler der siebenten und achten Klassen lernen verschiedene Berufe kennen. Das haben auch die Oberschule und die Lernförderschule in Heidenau sowie die Dippoldiswalder Oberschule geschätzt.

Doch nun ist Schluss. Die Arbeiterwohlfahrt hat wieder keine Förderung für das Projekt in Heidenau bekommen. Diesmal wurde die Beantragung in Form eines Wettbewerbes durchgeführt. Von den 100 eingereichten Antragen bewertete die Sächsische Aufbaubank 69 positiv. Kriterien waren unter anderem Qualifikation und Eignung des Personals, Schlüssigkeit des Konzepts, Erfolgserwartung und Nachvollziehbarkeit des Finanzierungsplans. Warum die Arbeiterwohlfahrt mit ihrer Werkstattschule scheiterte, sagt die SAB öffentlich nicht, erklärt es der Arbeiterwohlfahrt aber gern persönlich. Daran, dass es kein Geld gibt und dass Werkstattleiterin Jana Schneidewind schwer enttäuscht ist, ändert das nichts. „Mit der erneuten Absage zu diesem Projekt geht die bisherige kontinuierliche Arbeit in diesem Bereich in ein zweites Jahr ohne Erfolge und damit steht das gesamte Projekt auf der Frageliste“, sagt Thorsten König, Leiter der Heidenauer Oberschule. Vier Jahre hat sie bereits mit der Awo in Form eines Neigungskurses Holzwerkstatt, der auch der Berufsorientierung diente. Es entstanden gemeinsame Projekte, die unseren Schulhof mitgestalten halfen.

Schon voriges Jahr musste auf den „wichtigen Bestandteil unserer Berufsorientierung“ verzichtet werden. Nun wurde auch die Hoffnung, es geht wieder weiter, zerstört. „Diese Entwicklung können wir als Schule nicht wollen und deshalb unterstützen wir das Anliegen, dieses Projekt wieder zum Leben zu erwecken.“

Doch die Möglichkeiten dafür sind gering. Alternative Fördermöglichkeiten gibt es eventuell über die Sächsische Bildungsagentur oder die Arbeitsagentur, sagt die Sächsische Aufbaubank. Auch von Bund gibt es ein Programm zur Berufsorientierung. Doch hier ist Frist für dieses Jahres schon vorbei. Die Dohnaer Schule wird sich also anderweitig kümmern. Angebote gab es schon. Bisher lehnte Marlies Schönherr immer ab. Einerseits, weil sie auf die Awo hoffte, andererseits, weil die Anbieter die Schüler meist nur in einem Berufsfeld, zum Beispiel Metall, unterstützen wollen. „Nun werden wird versuchen, mit einem neuen Partner zusammenzuarbeiten.“

Für die Lernförderschule sieht die Prognose schlecht aus: Die Schule habe ihr Konzept zur Berufsorientierung auf die Mitwirkung auch der Werkstattschule ausgerichtet. „Momentan erleben wir, wie sich soziale und persönliche Kompetenzen herausbilden und entwickeln“, sagt die für die Berufsorientierung verantwortliche Lehrerin Carmen Hantzsch. „Bekommen die Partner die Zusagen für ihre Projekte nicht, bleibt wieder ein wesentliches Stück Realität auf der Strecke“, sagt sie und fordert wie die anderen, gegen die Ablehnung Widerspruch einzulegen.

Das macht die Awo. Der Wegfall der Werkstatt gefährdet nämlich auch Arbeitsplätze. „Abgesehen davon, dass Wissen wegbricht“, sagt Jana Schneidewind.