merken
PLUS

Aus für Linoleum aus Kohlmühle

Die insolvente Firma wird aufgelöst. Aber vielleicht beginnt bald eine andere Karriere.

Von Anja Weber

Für die Linoleumhersteller im Sebnitztal ist es jetzt traurige Gewissheit: Sie werden nicht mehr in ihrem Betrieb arbeiten können. Das Unternehmen ist nicht mehr zu retten. Zu dem Schluss kamen die Gutachter. Am 25. November wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, sagt Rechtsanwältin Katrin Bringezu von der Kanzlei Hermann RWS in Dresden.

Anzeige
Pflegestudium: Bachelor & Berufsabschluss
Pflegestudium: Bachelor & Berufsabschluss

Studium und Pflegepraxis vereinen? Bewerben Sie sich bis zum 1. April 2021 an der ehs Dresden für den Bachelor-Studiengang Pflege!

Noch vor wenigen Tagen gab es allerdings einen Hoffnungsschimmer. Neue Arbeitsverträge sollten gar unterzeichnet werden. Man habe mit Interessenten verhandelt, doch letztlich sind die abgesprungen. „Die Produktion und auch das Endprodukt sind erfolgversprechend, aber nicht der Standort, an dem es hergestellt wird“, sagt sie. Unter heutigen Ansprüchen und Standards könne man nicht mehr produzieren. Inzwischen gibt es auch Aussagen darüber, was letztlich dazu geführt hat, dass die Firma einen Insolvenzantrag stellen musste. Viele Faktoren spielen da mit rein, allen voran die Kosten. Die waren in der Produktionsstätte offenbar nicht mehr zu bewältigen. Das Objekt ist riesig, angelegt für Produktionen in großem Stil. Früher arbeiteten hier einmal über 200 Beschäftigte.

Neben dem großen Produktionsgebäude gehören kleine Nebengelasse im Areal und auch außerhalb dazu. Ein Teil wurde zwar vermietet, doch das Objekt musste unterhalten werden. „Letztlich war es der ganze Ballast, der an dem Unternehmen hing “, sagt die Insolvenzverwalterin. Dazu kommt auch die verkehrsungünstige Lage. Anfangs konnten die Waren noch auf Schienen transportiert werden. Doch als der Güterverkehr auf der Strecke Neustadt–Bad Schandau eingestellt wurde, mussten Lkws das Linoleum abtransportieren. Die konnten nur die Straße von Altendorf aus nutzen. Doch die ist eng und vor allem im Winter gefährlich. Und all diese Faktoren waren es wohl letztlich auch, die das Aus des traditionsreichen Unternehmens besiegelt haben.

Den zuletzt noch 20 Mitarbeitern hatte die Geschäftsleitung bereits gekündigt. Sie können jetzt nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens auch das Insolvenzgeld bei der Arbeitsagentur beantragen. Das wird ihnen für die letzten drei Monate ihres Arbeitsverhältnisses gezahlt. Wann das Insolvenzverfahren abgeschlossen wird, das kann die Verwalterin nicht sagen. Jetzt müssen erst einmal alle Beteiligten wieder an einen Tisch, und dann beginnt praktisch der Ausverkauf der Firma. Maschinen, Geräte und Inventar werden verwertet, auch die Immobilie kommt letztlich unter den Hammer. Termine dafür gibt es jetzt noch nicht.

Das Unternehmen selbst hatte nach der Wende einen guten Start hingelegt. Dem riesigen Industriebau im Sebnitztal war es äußerlich gar nicht anzusehen, dass sich die Produkte aus Kohlmühle zu einer Qualitätsmarke entwickelt haben. Das Gebäude wurde ursprünglich als Zellulosefabrik errichtet. Nach dem Krieg wagten die Beschäftigten einen Neuanfang mit der Herstellung von PVC-Belägen. In den 80er-Jahren verließen jährlich zehn Millionen Quadratmeter Fußbodenbelag das Werk. Geld floss nach der Wende vor allem in umweltschonendere Technik. Auch der Export boomte. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2000 gratulierten Kunden in der Türkei, in Skandinavien, der Schweiz, Italien und Israel.

Während die Rechtsanwältin nun versuchen muss, Gebäude und Inventar zu verkaufen, gibt es unter den Einwohnern in Kohlmühle Ideen, wie der Betrieb genutzt werden könnte, die Ideen reichen von einer Eventfabrik bis hin zur schaurig schönen Filmkulisse. Erste Anfänge gab es offenbar schon. Denn Teile des Betriebes sollen vor ein paar Jahren mal Pate bei dem Horrorfilm „Die vergessene Brut“ gestanden haben, zumindest wissen das Einwohner zu berichten. Auch Schauspieler Jürgen Vogel drehte 2010 bereits in Kohlmühle.