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Aus Pretzschendorf in den Kongo

Ilka Grund hat in Dipps Krankenschwester gelernt. Heute betreut sie Straßenkinder mitten in Afrika.

Von Franz Herz

Manche fliegen in den Urlaub nach Afrika. Ilka Grund aus Pretzschendorf nimmt mit ihrer Familie den entgegengesetzten Weg. Sie und ihr Mann Wilfried Kappus arbeiten als evangelische Missionare im Kongo und sind hierher geflogen zum Heimaturlaub in Pretzschendorf. Diese Woche berichtet die 33-Jährige auf einem Gemeindeabend im Pretzschendorfer Pfarrhaus von ihrer Aufgabe in der Krisenregion. „Die Kirchgemeinde hat unsere Arbeit dort ja auch immer unterstützt“, sagt sie.

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Zum Heimaturlaub ist Familie Ilka, Philipp und Wilfried Kappus nach Pretzschendorf gekommen. Hier erledigen sie Arztbesuche, besuchen Freunde und Familie und erholen sich von dem anstrengenden Einsatz im Kongo. Dort betreuen sie auch Straßenkinder, die na
Zum Heimaturlaub ist Familie Ilka, Philipp und Wilfried Kappus nach Pretzschendorf gekommen. Hier erledigen sie Arztbesuche, besuchen Freunde und Familie und erholen sich von dem anstrengenden Einsatz im Kongo. Dort betreuen sie auch Straßenkinder, die na

Ilka Grund ist in Pretzschendorf aufgewachsen und war schon in ihrer Jugend kirchlich engagiert, im Posaunenchor und im Kirchenvorstand. In Dippoldiswalde hat sie Krankenschwester gelernt und war drei Jahre in dem Beruf tätig. „Schon damals hatte ich den Wunsch, einmal ein Jahr im Ausland zu arbeiten“, erzählt die schlanke, blonde Frau. Sie kannte die Familie Jordan aus Schmiedeberg, die einen ähnlichen Einsatz gemacht hat. Dadurch kam sie in Kontakt zum Missionswerk Diguna aus Hessen, das Auslandseinsätze organisiert. Zuerst ist sie drei Wochen nach Uganda gegangen, um die Arbeit auszuprobieren, bevor sie den großen Schritt für ein ganzes Jahr machte. Der folgte 2005, und aus dem geplanten einen Jahr sind inzwischen neun geworden.

Denn Ilka Grund hat bei ihrem Einsatz Wilfried Kappus kennengelernt. Der 38-Jährige aus Ditzingen in Baden-Württemberg war ebenfalls für Diguna in Afrika. Seit ihrer Hochzeit arbeiten sie jetzt in Bunia im Nordostkongo. „Wir unterstützen dort die bestehenden evangelischen Gemeinden“, sagt Wilfried Kappus, der von Beruf Zimmermann ist.

Im Ostkongo herrschte von 1996 an Bürgerkrieg. Seit 2007 sind Mitarbeiter von Diguna dort wieder vor Ort und helfen beim Wiederaufbau. Die erste Aktion, an der Ilka und Wilfried Kappus mitarbeiteten, war der technische Umbau der Radiostation. Die bestand schon länger, musste aber erneuert werden. Sie haben beim Aufstellen einer neuen Antenne mitgearbeitet und neue Technik installiert. „Radio hat in Afrika ja eine ganz wichtige Funktion. Das ist die Hauptinformationsquelle, ähnlich wie hier die Zeitung“, berichtet Ilka Kappus. Das Programm gestalten Einheimische. Die deutschen Missionare bleiben dabei im Hintergrund. Dabei sind im Kongo Schwierigkeiten zu überwinden, die sich ein Europäer nicht vorstellt. „Entscheidend ist, dass der Strom regelmäßig kommt, damit die Station zehn Stunden am Tag senden kann“, sagt Wilfried Kappus. Das Radioprogramm dient dazu, das Evangelium zu verbreiten und Informationen, die im Alltag nützlich sind. Es sendet in sieben verschiedenen Sprachen, die in der Region um Bunia gesprochen werden.

Wer von einer Region spricht, muss sich auch an andere Maßstäbe gewöhnen. Der Kirchenbezirk dort umfasst ein Gebiet so groß wie die alte Bundesrepublik, in dem es aber kaum befestigte Straßen gibt.

In den letzten beiden Jahren hat Wilfried Kappus am Aufbau einer Grundschule mitgearbeitet. Das Fundament stand schon, das war vor Kriegsbeginn gelegt worden. Sie hat sechs Klassenzimmer, in denen bis zu 70 Kinder unterrichtet werden. Ilka Kappus hat vor vier Jahren ihren Sohn Philipp zur Welt gebracht und arbeitet in einem Projekt für Straßenkinder mit. Durch den Krieg haben viele Kinder ihre Wurzeln verloren, unter ihnen sind auch ehemalige Kindersoldaten.

Nach ihrem Heimaturlaub kehrt Familie Kappus in den Kongo zurück. „Die nächsten zwei Jahre ist das auf jeden Fall unser Platz. „Wir sind überzeugt, dass Gott danach wieder einen sinnvollen Platz für uns zeigt“, sagt Wilfried Kappus.

Familie Kappus berichtet am Freitag, um 19.30 Uhr, im Pfarrhaus Pretzschendorf von ihrer Arbeit im Kongo.

www.diguna.de