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Kunst als Sicherheitsrisiko?

Der Leipziger Bund Bildender Künstler hat sein Mitglied Axel Krause aus der Jubiläumsschau ausgeladen. Was soll das?

Der AfD-nahe Künstler Axel Krause bei einer Podiumsdiskussion im August 2019. Rechts daneben: Die damalige Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange.
Der AfD-nahe Künstler Axel Krause bei einer Podiumsdiskussion im August 2019. Rechts daneben: Die damalige Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange. © Jan Woitas/dpa

Heute Abend wird in Leipzig die große Jubiläumsschau des Bundes Bildender Künstler (BBK) eröffnet. 30 Jahre BBK sind der Anlass, alle Mitglieder durften Bilder einreichen. Aber nicht alle werden gezeigt. Einen Tag vor der Eröffnung hat der Vorstand des Vereins ein Gemälde seines Mitglieds Axel Krause wieder abgehängt. Es hat den Titel „Schwesternschule“ und zeigt zwei Schwimmerinnen an einem dunklen Gewässer.

Dieser Entscheidung vorausgegangen waren Proteste im Internet und von elf Vereinsmitgliedern, die ihre Bilder aus der Schau zurückgezogen haben. Zwei Künstler oder Künstlerinnen wollen deshalb gar aus dem BBK austreten, in den Axel Krause vor nicht allzu langer Zeit eingetreten ist. Doch niemand der Aufgebrachten möchte öffentlich seinen Namen in diesem Zusammenhang genannt sehen. Grund für die Aufregung ist nicht etwa mangelnde künstlerische Qualität, sondern die politische Haltung von Axel Krause, der die AfD unterstützt und für die von der AfD gegründete Desiderius-Erasmus-Stiftung arbeitet.

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Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Damit wiederholt sich in diesem Sommer die Geschichte, die sich vor einem Jahr so ähnlich zutrug, als Axel Krauses Arbeit aus der Leipziger Jahresausstellung entfernt wurde. Einziger Unterschied: Zur Jahresausstellung wird man eingeladen. Zur Jubiläumsschau des BBK konnte jedes Mitglied eine Arbeit einreichen.

Ein Gummischädel von Richard Wagner

Der BBK-Vorstand begründet seine Entscheidung nun damit, dass die Versicherung Krauses Teilnahme an der Schau mit einem erhöhten Risiko bewerte. Man habe „eine Reihe von Schadensereignissen“ nicht abgesichert gesehen. Was genau befürchtet die Versicherung? Ein Säureattentat auf die „Schwesternschule“? Dass Linksradikale die Ausstellung stürmen und verwüsten? Oder dass jemand, der Krauses Gesinnung teilt, so scharf auf das Bild ist, dass er es klaut?

Krause, Jahrgang 1958, hat in den achtziger Jahren an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst unter anderem bei Arno Rink studiert. Er malt figurativ, aber keine propagandistischen Bilder. Mit seinen politischen Ansichten muss man nicht einverstanden sein. Ihm aber nur deshalb die Teilnahme an dieser Ausstellung zu verwehren, erinnert fatal an längst vergangen geglaubte Zeiten. Das könnte juristische Folgen haben, wenn es dieses angebliche Sicherheitsrisiko nicht geben würde.

Künstler sind empfindsame und mitunter auch sehr empfindliche Menschen. Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, wer in einer Gruppenausstellungen mitmachen darf, wer nicht und wessen Bilder nebeneinander hängen sollen, wollen, müssen. 

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Für die Leipziger Schau hat der Kurator und Bildhauer Tobias Rost eine tolle Idee, wie der Radiosender MDR Kultur berichtete: Rost wolle einen von ihm geschaffenen aufblasbaren Richard-Wagner-Kopf in der Nähe von Krauses Gemälde aufstellen. Es ist ein Gummischädel, der sich immer wieder aufplustert und erschlafft. Ganz so, wie diese unsägliche Debatte.

Ausstellung „Voilá - 30 Jahre BBK“ bis 9. September in Halle 12 der Leipziger Baumwollspinnerei, Spinnereistraße 7; geöffnet Mi – Sa 15 – 19 Uhr

Eröffnung heute, Donnerstag, 18 Uhr

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