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Baby-Glück nach Schicksalsschlag

Vier prächtige Alpaka-Jungtiere spielen dieses Jahr auf der Wiese der Altbernsdorfer Familie Hanspach. Vor drei Jahren gab es dagegen eine Tragödie.

Linda und Leon Hanspach haben sich gemeinsam mit ihren Eltern in Altbernsdorf der Alpaka-Zucht verschrieben - und damit einen Trend gesetzt.
Linda und Leon Hanspach haben sich gemeinsam mit ihren Eltern in Altbernsdorf der Alpaka-Zucht verschrieben - und damit einen Trend gesetzt. © Rafael Sampedro

Die vier Fohlen sind der ganze Stolz von Familie Hanspach. Drei braune, ein weißes. "Das war eine Überraschung, als das letzte der vier Fohlen doch noch ein helles wurde - wir dachten schon, Idaho hätte sich überall durchgesetzt", sagt Leon Hanspach und lacht. Idaho ist der preisgekrönte, hellbraune Alpaka-Zuchthengst der Altbernsdorfer Familie, die auf ihrem Hof oberhalb der Hauptstraße seit 2014 mit den Tieren lebt. Nun tummeln sich neben den vier ausgewachsenen Herren und den acht Damen vier Jungtiere auf dem weitläufigen Grün des Hanspach-Grundstücks.

Geburten geglückt, Zucht gesichert. "Es ist diesmal alles wie im Bilderbuch gelaufen", freut sich Leons Schwester Linda. Dass es auch anders kommen kann, hat die Familie bei der ersten Alpaka-Geburt auf dem Hof vor drei Jahren erfahren müssen: Muttertier Luna starb nach der Geburt und Hanspachs mussten die kleine Lunah mit der Flasche aufziehen - inklusive schlafloser Nächte. Das Waisenkind ist nun inzwischen selbst Mutter und macht instinktiv alles richtig.

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Den richtigen Riecher hatte die Familie bei der Wahl ihrer Hoftiere jedenfalls - das lässt sich nach fünf Jahren Zucht bilanzieren. Denn vom Exoten hat sich das Alpaka auch in Deutschland zum Trend-Tier entwickelt: Die Wolle ist sehr begehrt, da sie besser gegen Kälte und Hitze isoliert als herkömmliche und außerdem sehr weich ist. Auch Allergiker vertragen sie eher als herkömmliche Schafwolle.

Mutter Liane Hanspach nimmt deshalb in der kalten Jahreszeit auch gern das Strickzeug zur Hand. Babyschühchen und Jäckchen oder auch Socken verkaufen sich auf den Weihnachtsmärkten in Zittau und Görlitz, wo der Alpaka-Hof präsent ist, bestens. "Die meisten fangen mit Socken an und landen dann bei der Bettdecke", sagt Linda Hanspach. Das Sortiment im kleinen Hofladen ist deshalb in den ersten fünf Alpaka-Jahren gewachsen. Nicht alles stammt dabei von Altbernsdorfer Alpakas und von Liane Hanspachs Stricknadel. "So viel Wolle haben wir von unseren Tieren gar nicht", sagt sie. Von den rund drei Kilo Wolle pro Tier kann man etwa zwei zu Wolle verspinnen. Pro Kilo kommen am Ende rund zehn Kaulen raus. "Das Spinnen macht für uns ein Unternehmen im Erzgebirge", erklärt Liane Hanspach. Im besten Fall ist die Wolle dann vor den Weihnachtsmärkten bei der Familie angekommen - und nach der Weihnachtszeit ausverkauft.

Die restliche Wolle, die nicht zu Wolle versponnen wird, nutzen die Altbernsdorfer für das Ausstopfen von Bettdecken. "Unsere Kunden suchen sich gern ein Tier aus und bekommen dann nur von diesem Tier die Wolle in ihre Decke - das wird auch auf die Decke aufgestickt", erklärt Linda Hanspach den neusten Trend. Wie aber kommen die Kunden ausgerechnet auf ein bestimmtes Tier? "Unsere Feriengäste lernen sie sehr gut kennen und auch bei unseren Treckingtouren, die wir häufiger als bisher anbieten, erleben die Gäste die Tiere und haben danach meist einen Liebling", erklärt sie. Der Kundenstamm ist in den ersten fünf Jahren peu-a-peu gewachsen: Überall im Landkreis habe man Interessenten, manche Kunden kommen extra aus Berlin oder den alten Bundesländern und machen dann gleich Ferien auf dem Hof. Und natürlich verkaufen sie ihre Produkte inzwischen auch im Internet bei Amazon und Ebay.

Ferienwohnungen und Alpakas - das ist für die Familie ohnehin zunehmend wichtig geworden. So wichtig, dass die 53-jährige Liane Hanspach nicht mehr als Krankenschwester arbeitet, sondern sich nur noch Urlaubern und Tieren widmet. Nicht immer vor Ort sind Vater Michael und Tochter Linda: Der 55-Jährige pendelt zwischen der Arbeit in München und dem Heimathof. Und die 33-Jährige arbeitet noch immer in einem Krankenhaus in Ludwigsburg bei Stuttgart, wo sie nach der Schule angefangen hat. Sie legt sich ihre Arbeitszeit so, dass sie dann am Stück längere Aufenthalte in Altbernsdorf hat, wo sie gebraucht wird für Schur oder auch für den Sachkundenachweis, den angehende Alpaka-Halter bei den Hanspachs erlangen können. Am nächsten dran ist da noch Leon Hanspach: Der 20-Jährige studiert Lehramt in Dresden und will später einmal Latein und Geschichte an einem Gymnasium unterrichten.

Und was sagen die Nachbarn zu den Tieren? "Die sind ebenfalls begeistert", bestätigen die Hanspachs unisono. Wenn sich die Tiere unterhalten, summen sie ganz leise - als Ruhestörer sind sie also unverdächtig. Außerdem sind sie außerordentlich reinlich: Alpakas haben Kotstellen, die sie immer aufsuchen, um ihr Geschäft zu verrichten. "Da kann es schon mal sein, dass drei, vier Tiere auf der Weide anstehen und nacheinander den Toilettengang erledigen", schildert Leon Hanspach fasziniert und amüsiert. Auch wenn die Anden-Tiere pflegeleicht erscheinen, ein paar Dinge muss man beachten: "In ihrer Heimat sind sie selenhaltiges Futter gewohnt und brauchen hier ein spezielles Müsli, damit sie alle Nährstoffe bekommen", sagt Linda Hanspach. Außerdem muss man für Alpakas Platz haben - für zwei Tiere mindestens 1.200 Quadratmeter, bei jedem weiteren kommen 200 hinzu. Da haben Hanspachs jedenfalls noch Luft nach oben.

Der Altbernsdorfer Alpaka-Hof lädt an diesem Sonnabend zum Sommerfest. Ab 14 Uhr erwarten die Gäste Speis und Trank, Hüpfburg, Tombola und Jongleur und viele Dinge rund um die Alpakas. Der Hof liegt in Altbernsdorf, Große Seite 52

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