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Bacchus-Haus erregt Aufsehen

An diesem Haus auf dem Anger Altkötzschenbroda 58 bleibt dieser Tage jeder Passant stehen. Anlass ist die ungewöhnliche Fassade, die gerade bemalt wird. Reinhard Krause, ein Dresdner Spezialist für Wand- und Tafelmalerei ist hier am Werke.

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An diesem Haus auf dem Anger Altkötzschenbroda 58 bleibt dieser Tage jeder Passant stehen. Anlass ist die ungewöhnliche Fassade, die gerade bemalt wird. Reinhard Krause, ein Dresdner Spezialist für Wand- und Tafelmalerei ist hier am Werke.

Von den Ziegen gezogen

Zuerst fallen die Ziegen auf weinlaubgrünem Untergrund auf. Dann Weingott Bacchus genüsslich in seinem Wagen liegend. Bauchbindenartig zieht sich dieses Motiv von der Hausfront bis in den Hof. Unterm Dach, dem Trempel, hat der Maler Ornamente aufgetragen. Bacchus und die seinen Wagen ziehenden Ziegen werden von einem Weinblatt--Streifen gefasst. Gleich neben dem Weinrestaurant Grüne Linde ein absoluter Hingucker. Krause sagt, dass er sich die Malerei für die Schmuckfriese von den Basler Teppichen abgeschaut hat. Die Sandsteinbänke der Fensterrahmungen sind nur gemalt, aber täuschend echt.

Zum Weinfest soll das Haus komplett bemalt sein und die Besucher staunen lassen. Besitzer des Hauses mit dem dazugehörigen Gewerbehof ist der Weinböhlaer Tom Petters. Im Frühjahr habe er mit Reinhard Krause, der bei ihm malerisch ein anderes Bauvorhaben schon zur Zufriedenheit begleitet habe, zusammen gesessen und nach Ideen für einen neuen Fassadenanstrich gesucht. Dabei sei auf Anregung von Krause der Einfall entstanden, etwas aufzubringen, dass mit dem Weinfest und Kötzschenbroda zusammenhänge.

Krause: „Das war eigentlich ganz naheliegend. Kötzschenbroda entspricht koza-broda und heißt im Slawischen Ziegenfurt.“ Also habe man sich auf den griechischen Gott Dionysos oder Bakchos besonnen. Und dieser werde von Ziegen gezogen. Da war die Verbindung zwischen Weinfest und grasenden Tieren perfekt.

Ähnliche Häuser mit derartigen Malereien sind sonst zumeist in Tirol zu finden. Lüftelmalerei nennt sich dort diese Art der szenischen Bemalung von Hauswänden, meist mit Motiven zur Straßenfront.

Maler Krause sagt, dass er hier bewusst auch Silikatfarben verwende. Die würden dann sehr lange halten und in den Farben auch beständig bleiben. Tom Petters, der Hausbesitzer, nennt eine Summe von um die 10000 Euro, die er für die Kunst und die Farben aufwendet. Die tiefrot angestrichenen Gebäude im dazugehörigen Gewerbehof sollen künftig, wahrscheinlich im nächsten Jahr, auch eine neue, ruhigere Farbe bekommen.

Veränderungen, zu denen Radebeuls Stadtoberen offenbar stehen und die sie gut finden. Kulturamtsleiter Alexander Lange: „Wir beobachten Maler Krause schon seitdem er hier vor einigen Wochen begonnen hat.“ Dieses typische Kötzschenbrodaer Haus mit dem neuen Anstrich sei eine echte Bereicherung für den Anger und das Weinfest.Peter Redlich