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Bachstraßen-Anwohner müssen bei Regen weiter zittern

Die Straße ist ein neuralgischer Hochwasserpunkt. Geplant wird zwar, gebaut aber nicht vor 2015. Die Freude ist eher verhalten.

Von Heike Sabel

Richtig glücklich ist Gabor Fritzsche über die Nachricht nicht. Die Stadt hat jetzt die Planung rund um die Bachstraße in Auftrag gegeben. Das an sich würde Fritzsche und die anderen Anwohner ja freuen. Doch realisiert werden die Pläne dieses Jahr auf keinen Fall und nächstes Jahr nicht gleich, sagt Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). Noch im August war von diesem Jahr die Rede. Damit steht für Fritzsche fest: „Da müssen wir bei Regen noch paar Jahre länger zittern.“

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Die Heidenauer Johannn-Sebastian-Bach-Straße im vergangenen Juni: Wieder standen sie und die Häuser unter Wasser. Vom Erdgeschoss des Hauses von Familie Fritzsche waren kaum noch die Fenster zu sehen.Archivfoto: Daniel Förster
Die Heidenauer Johannn-Sebastian-Bach-Straße im vergangenen Juni: Wieder standen sie und die Häuser unter Wasser. Vom Erdgeschoss des Hauses von Familie Fritzsche waren kaum noch die Fenster zu sehen.Archivfoto: Daniel Förster © Daniel Förster

Das letzte Mal war es im Juni vorigen Jahres. Wieder stand das Wasser bis weit ins erste Geschoss, wieder alles raus, wieder fühlten sich die Fritzsches und ihre Nachbarn von der Stadt vergessen. Seit 2006 ist jeder starke Regen für sie ein Schreckensszenario. Die Anwohner führen das auf das damals gebaute Pumpwerk zurück, was die Stadt aber zurückweist. Voriges Jahr aber war klar, dass die Pumpe nicht bzw. zu spät ansprang.

Nach dem Hochwasser 2010 ließ die Stadt den Kanal der Bachstraße befahren. Die Vermutung der Anwohner, das Kanalsystem sei überlastet, bestätigte sich damals nicht. Der Kanal wies lediglich übliche Alterserscheinungen auf, die Stadt sah keinen akuten Handlungsbedarf. Nach dem jüngsten Hochwasser hat sich das nun geändert. Die Bachstraße wurde als eines von 32 Heidenauer Maßnahmen zur Förderung angemeldet. Dass die Lösung für die Bachstraße so lange dauert, hängt damit zusammen, dass sie aufwendig umzusetzen ist, sagt Opitz. „Die Bachstraße ist ein neuralgischer Punkt.“

Kanal löst das Problem nicht ganz

Inzwischen kommt auch das Ab- und Regenwasser aus Dohna dazu. Es schießt über die Burgstraße nach Heidenau und ist mehr als zunächst gedacht. Deshalb soll es künftig über einen großen Kanal umgeleitet werden und direkt in die Schmiedestraße fließen, also an der Bachstraße vorbei. So die Idee und so die Hoffnung der Anwohner. Auf jeden Fall wird der neue, größere Kanal eine Entlastung für den Bereich der Bachstraße sein. Auch wenn es nun eben länger dauert, als gedacht. Alle hoffen, dass es so schnell kein nächstes Hochwasser gibt. Betroffene wie die Fritzsches aber besonders. Denn bei „richtigem Hochwasser“ drücken auch das Grundwasser von unten und die Müglitz über den Rückstau von hinten.

Ein weiteres Problem heißt plötzlicher Starkregen. Da es in Heidenau-Süd für diesen Fall vor der Pumpstation kein Rückhaltebecken gibt, müssen die im Schnitt hundert Jahre alten Kanäle das Wasser aufnehmen und die Pumpen in der Hafenstraße es auch noch schnell wegschaffen.

Die Kanäle in dem Gebiet sind nicht nur alt, sondern mit um die 60 bis 80 Zentimeter Durchmesser auch klein. Zum Vergleich: Der Hauptsammler Nord für den Bereich von Gommern bis zur Elbstraße misst 2,50 Meter im Durchmesser. Damit ist klar: Der Stauraum rund um die Bachstraße ist wesentlich geringer.

Der nächste Schwachpunkt sind die Pumpen. Die Kapazität der Druckleitung nach Dresden ist technisch bedingt beschränkt. Außerdem darf kein Abwasser, auch wenn es bei starkem Regen sehr verdünnt ist, in die Elbe gepumpt werden. So drückt es im Kanal manchmal zurück bis zur Pirnaer Straße. Trotz Rückschlagklappen steht das Wasser dann in den Häusern. Der Kanalbau wird Fritzsches und die anderen am Ende also nur bedingt entlasten.

Über eine Nachricht ist Familie Fritzsche dennoch froh. Da das Vorhaben Bachstraße Teil des Programms der Hochwasserschadensbeseitigung ist und komplett gefördert wird, müssen die Anwohner nicht zahlen. Ohne die Förderung kämen für sie die Ausbaubeiträge für die Straße zu. Fritzsche befürchtete schon, zwar nicht mehr abzusaufen, dafür aber pleite zu sein.