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Bäckermeister will Rathaus-Chef werden

Stan Schirmer hat bei der Gemeinderatswahl das viertbeste Ergebnis erzielt. Der Rat könnte ein Sprungbrett sein.

© Arvid Müller

Von Philipp Siebert

Stan Schirmer ist kein Mann ausschweifender Worte. Anders als die meisten seiner Kollegen im Weinböhlaer Gemeinderat hat er das Politiker-Abc nicht drauf. Kein Wunder. Er ist ein Neuling auf der politischen Bühne – und spricht Klartext. „Ich spreche lieber die Leute auf der Straße an und frage sie direkt. Viele sind mit Weinböhla zufrieden. Aber es gibt immer Dinge, die man verbessern kann. Das höre ich jeden Tag.“ Schönreden kommt für den Mann nicht infrage. Dafür wurde er von den Leuten aus dem Ort gewählt.

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839 Stimmen holte Stan Schirmer aus dem Stand bei der Gemeinderatswahl – und damit das viertbeste Ergebnis in Weinböhla. Altgediente Parlamentsmitglieder wie Andreas Weidmann (CDU), Uta Kunze (SPD) oder Cornelia Fiedler (BiW) übertrumpft er. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt er fast schüchtern. Um im nächsten Satz auf den Tisch zu hauen: „Aber die Parteien sind sich alle zu ähnlich, da gehst du in der Masse unter. Ich bin viel näher dran an den Leuten.“

Stan Schirmer, 37 Jahre alt, Glatze und von kräftiger Statur ist eigentlich Bäckermeister. 2001 hat er das Geschäft an der Goethestraße von seinem Opa übernommen. Der Laden läuft. Trotzdem will er sich verändern. Der Novize im Gemeinderat hat viel vor in Weinböhla. „Ich will im kommenden Jahr Bürgermeister werden“, kündigt er selbstbewusst an. Dann tritt der Amtsinhaber Reinhart Franke (CDU) aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl an.

Bis zur Abdankung von Reinhart Franke will Schirmer jedoch kleine Brötchen backen. „Ich will sehen, wie die Arbeit im Gemeinderat läuft und mich hier schnell einarbeiten.“ Der Bäckermeister ist Realist, weiß, dass er als parteiloser Einzelkandidat den Bürgern keine Luftschlösser versprechen kann. „Die Mehrheit hat die CDU.“

Von Anfang an aufgeben kommt für den Weinböhlaer aber nicht infrage. Vorschläge, um den Ort attraktiver zu machen, hat er. Die will er im Gemeinderat vorstellen und diskutieren. Ihm geht es vor allem darum, die kleine Gemeinde finanziell in den nächsten Jahren besser aufzustellen. „Immer mehr Bauland zu erschließen und zu verkaufen ist gut und schön, aber daran verdienen wir nur einmal“, sagt er. Stattdessen überlegt Stan Schirmer, wie mittelständische Firmen in den Ort gelockt werden können.

Weinböhla soll Erholungs- und Arbeitsort werden. Dafür muss Bauland für Betriebe her – beispielsweise an der Köhlerstraße. „Wir sehen doch in Coswig, dass das funktioniert.“ Stan Schirmer nennt zwei Vorteile: Gewerbesteuern sind relativ feste Einnahmen, mit denen man jedes Jahr rechnen kann. Und arbeiten die Leute in der Gemeinde, geben sie hier auch ihr Geld aus, ist er überzeugt. „Davon hätten auch die Einzelhändler was. Denen geht es ja gerade nicht so gut.“

Doch nicht nur für Unternehmen müsse Weinböhla attraktiver werden. Auch Touristen will der Bäckermeister locken. Die Zahl der Übernachtungen sinkt seit Jahren. Hoteliers und Pensionsbetreiber haben damit zu kämpfen. Den Übernachtungsgästen müsse mehr geboten werden. „Der Lions Club macht es mit dem Weinlehrpfad vor. So etwas zieht Leute an.“ Die Gemeinde solle nun nachlegen.

Geht es nach dem Bäckermeister, soll sich dafür vor allem im Kulturhaus von Weinböhla, dem Zentralgasthof, einiges ändern, „damit da endlich mal wieder was los ist“. Das Programm sei jedes Jahr annähernd gleich. Wieder zieht er den Vergleich zu Coswig. „Die von der Börse machen das viel besser, die holen zumindest ab und zu richtige Stars ran.“ Stan Schirmer erwartet das auch von Zentraler-Chefin Christina Wolf. Von ihr fordert er mehr Ideenreichtum. „Wir geben für das Haus schließlich jedes Jahr Tausende Euro aus.“

Der Tatendrang ist Stan Schirmer anzumerken. Auf die erste Sitzung des Gemeinderates am 9. Juli freut er sich bereits. „Ich werde hellwach sein“, verspricht er. Der Bäckermeister hat mehr vor, als nur Klartext zu sprechen.