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Bald Asylbewerber in Zabeltitz?

Seitdem der Landkreis den Großenhainer Ortsteil zur Unterbringung ins Spiel gebracht hat, brodelt die Gerüchteküche.

© Anne Hübschmann

Von Catharina Karlshaus

Die Empörung steht der jungen Mutter im Gesicht geschrieben. Gerade hat sie ihre kleine Tochter in die Grundschule gebracht. Eine Ausnahme , wie die Zabeltitzerin betont. Sie hätte heute so viele Sachen zum Tragen gehabt. „Aber wenn hier wirklich diese Leute herkommen, dann werde ich das wohl jeden Tag tun“, sagt sie und radelt davon in Richtung Bäckerei Haase. Vor dieser stehen an diesem Mittwochmorgen zwei ältere Frauen und schwatzen. Nicht darüber etwa, wo demnächst im Ort vielleicht Asylbewerber einquartiert werden könnten. Aber: „Gehört habe ich das auch schon! Wenn sie nicht gerade in unser Palais kommen, meinetwegen. Irgendwo müssen die ja mit ihnen hin, das ist wie nach dem Kriege.“

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Die Rede ist von gut 300 Menschen, Asylbewerbern und – obwohl noch nicht einmal da – als solche eine der gegenwärtig größten Probleme des Landkreises Meißen. Die Situation, so bekannte der zweite Beigeordnete Ulrich Zimmermann, kürzlich im Großenhainer Stadtrat, sei äußerst prekär. Seine Behörde, für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig, wisse zurzeit nicht mehr wohin mit den Neuankömmlingen. 18 immerhin in jedem Monat und das, obgleich schnell bezugsfertige Unterkünfte rar sind.

Nachdem sich der hiesige Stadtrat unmissverständlich für die Aufgabe des Asylbewerberheimes auf der Kupferbergstraße und für den Umbau des Arbeitsamtsgebäudes Marstall 2 ausgesprochen hat, geraten die Großenhainer wieder ins Blickfeld. In seinem Bericht vor dem Kreistag am vergangenen Donnerstag sprach Ullrich Zimmermann nämlich gewohnt deutlich über die angespannte Lage. Gut 25 Standorte würden gegenwärtig ob ihrer Möglichkeiten zur Unterbringung in Augenschein genommen. Darunter auch das ehemalige Aussiedlerheim in Zabeltitz.

Allerdings: Heimisch werden kann in den ehemaligen LPG-Gebäuden auf der linken Seite zumindest alsbald niemand. Kurz nach der Wende hatten hier weißrussische Umsiedler gewohnt. Daran können sich Einheimische noch gut erinnern. Ein verrostetes Karussell, ein Sandkasten und eine Schaukel künden von den Bewohnern. Seit zehn Jahren steht der zweigeschossige Bau mit den dichten Blaufichten davor – indem damals immerhin 88 Betten Platz fanden – jedoch leer. „So sieht es auch drinnen aus. Es müsste komplett alles neu gemacht werden“, weiß Manfred Engelmann.

Wie der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Skäßchen betont, müsse man sicherlich eine sechsstellige Summe in die Hand nehmen, um das Gebäude wieder bewohnbar zu machen. Eines, das zudem mit seinen verschiedenen Eigentumsverhältnissen zum Problem werden könnte. „Der hintere Teil, in dem die Küche untergebracht war, wurde bereits an einen Zabeltitzer verkauft. Der vordere Teil, also das Aussiedlerheim, gehört noch uns und der Grund und Boden wiederum der Landtechnik Zabeltitz GmbH“, erklärt Manfred Engelmann. Seit Jahren laufe deshalb ein Flurneuordnungsverfahren, bisher jedoch ergebnislos. Ob der Landkreis Meißen dabei beschleunigend tätig werden könnte und er wirklich am Gebäude interessiert ist? „Absolut keine Ahnung“, sagt Manfred Engelmann und zuckt die Schultern. Im Übrigen werde ja auch längst über andere infrage kommende Objekte im Ort spekuliert.

Und tatsächlich: Während die einen gesehen haben wollen, dass man bereits Betten und mehrere Schränke in das geschichtsträchtige Palais geräumt habe, munkeln andere, das Gästehaus werde momentan zum Asylbewerberheim umgebaut. „Davon wüsste ich aber etwas. Schließlich bin ich der Eigentümer“, sagt Enrico Poldrack und lacht. Fakt sei, er habe keine Ahnung, wo und wann etwas in Zabeltitz zur Verfügung gestellt werden könnte. Wohl aber, dass darüber heftig spekuliert werde. „Wissen Sie, das Eine sind die Gespräche am Stammtisch, dazwischen liegt die große Politik und dann kommt schließlich das wirkliche Leben. Warten wir es doch einfach ab“, so Enrico Poldrack.

Abwarten kann die Kreisbehörde um Ullrich Zimmermann indes nicht. „Wir müssen jetzt ganz schnell alle Möglichkeiten prüfen. Seit wir zuverlässig wissen, dass in diesem Jahr 600 Menschen zu uns kommen, setzen wir alle Hebel in Bewegung, ihnen ein Dach über dem Kopf bieten zu können.“ Ob sich dieses in Zabeltitz befinden wird? Alles offen. Klar sei nur: Mit künstlich erzeugter Panikmache sei überhaupt keinem geholfen.