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Bald Leerstand in Grillenburgs Lehrstätte?

Grillenburgs Forstliche Ausbildungsstätte gibt es bald nicht mehr. Dafür aber eine neue Idee zur Nutzung.

Von Susanne Sodan

Leerstand im Grillenburger Schloss, das Neue Jägerhaus verfällt zunehmend. Und vielleicht steht bald eine weitere große Immobilie in Grillenburg leer: die Forstliche Ausbildungsstätte. Regelmäßig finden dort Lehrgänge zum Umgang mit Motorsägen, zu neuen Arbeitsverfahren und Unfallverhütung statt. Nicht nur die Waldarbeiter des Forstes nutzen die Angebote, auch Privatpersonen, Rettungskräfte und Firmen für Holzverarbeitung. Nicht mehr lange. Der Betrieb der Fortbildungsstätte werde voraussichtlich im Januar kommenden Jahres enden, teilte Daniel Thomann, Sprecher des Staatsbetriebs Sachsenforst mit. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

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Der Gebäudekomplex stammt aus den 1950er-Jahren, er wurde damals mit modernen Seminarräumen und angrenzendem Internat als wahre Muster-Lehranstalt gebaut. Dass der Staatsbetrieb sich aus Grillenburg zurückzieht, sei schon lange geplant gewesen, so Thomann. In Zukunft wolle man sich auf weniger Standorte konzentrieren. Heißt, Ausbildung und Lehrgänge werden unter anderem nach Reinhardtsgrimma und Morgenröthe-Rautenkranz verlegt. Der Staatsbetrieb hat noch weitere Pläne: Mittelfristig soll sich die gesamte Aus- und Fortbildung für Waldarbeit im geplanten „Grünen Zentrum Waldarbeit“ in Bad Reiboldsgrün konzentrieren.

Der Staatsbetrieb packt tatsächlich die Koffer – und damit hat Grillenburg im kommenden Jahr einen weiteren Leerstand zu vermelden. Ob der Besitzer, der Freistaat, das Objekt in Zukunft weiter nutzen möchte, ist nicht bekannt. Darüber muss das Sächsische Immobilien- und Baumanagement entscheiden. Ein Vorschlag für eine künftige Nutzung kommt von der Gemeinde Tharandt: Im kommenden Jahr wird die Freiwillige Feuerwehr Grillenburg ein neues Löschfahrzeug bekommen – und das braucht Platz. „Eine Möglichkeit wäre, die Garagen der Ausbildungsstätte für die Feuerwehr zu nutzen. Ansonsten müsste in Grillenburg ein neues Gerätehaus gebaut werden“, erklärt André Kaiser, Stadtrat und Ortsvorsteher von Kurort Hartha.

Die Stadt hält sich bedeckt. Man sei an dem Grundstück der Forstlichen Ausbildungsstätte zwar interessiert, die erste Idee – eine Kommandostelle der Freiwilligen Feuerwehr – sei aber noch lange nicht spruchreif. Schließlich gehört das Objekt dem Freistaat, nicht der Gemeinde. An dieser Stelle kommt einmal mehr das Neue Jägerhaus ins Spiel. Die Zukunft der Ruine ist noch immer unklar. In das Schloss Grillenburg soll bis 2017 die Landesstiftung für Natur und Umwelt einziehen. Für die gesamte Behörde ist das Schloss jedoch zu klein. Die Gemeinde würde deshalb gerne das benachbarte Neue Jägerhaus an den Freistaat verkaufen – als weiteres Gebäude für die Landesstiftung. Versuche, die Villa anderweitig zu verkaufen oder zu verpachten, scheiterten, auch wegen ihrer schwierigen Geschichte. Das Neue Jägerhaus wurde während des Nationalsozialismus als staatliches Gästehaus erbaut und von NS-Gauleiter Martin Mutschmann zum Teil auch privat genutzt. Die Angst, an Käufer aus der rechten Szene zu geraten, ist groß. Die Stadt übte vor Jahren auch deshalb das Vorkaufsrecht aus und wurde Besitzer der Immobilie.

Immer wieder war in den Diskussionen um eine Lösung auch von Grundstückstausch die Rede. Und damit ist man zurück bei der Forstlichen Ausbildungsstätte. Sollte keine weitere Nutzung für den Komplex geplant sein, könnte man es doch gegen das Neue Jägerhaus eintauschen, so der Vorschlag aus Grillenburg. „Das wäre ein relativ kostenneutraler Tausch, der einige Probleme lösen würde“, meint André Kaiser. Die Zeit dränge, denn Investitionen in das Schlossareal müssten demnächst in den Haushalt des Freistaates eingeplant werden. Höchste Zeit für Taten statt Lippenbekenntnissen, findet Kaiser.