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Bangen um die „Sprudelsusi“

Die historische Filmlok muss dringend saniert werden. Aber noch fehlt das Geld.

© André Wirsig

Von Alexander Gessert

112 Jahre gingen an der „Sprudelsusi“ nicht spurlos vorbei. Seit 1904 fuhr die Dampflok vom Typ T3 durch Deutschland, bevor sie 1977 ins Eisenbahnmuseum Dresden kam. Nun ist der Kessel undicht und muss repariert werden, damit die Dampflok durch die Hauptuntersuchung kommt. Sonst darf sie auch für Showauftritte nicht weiterbetrieben werden.

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„Die Sprudelsusi ist mit ihren 112 Jahren unser ältestes Ausstellungsstück“, sagt Claus Rost. Der 54-Jährige ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt. Der Verein kümmert sich um die Exponate im Eisenbahnmuseum. Für den ungewöhnlichen Spitznamen der Lok gibt es eine einfache Erklärung. „Bei einer Sonderfahrt in Chemnitz dampfte es wie verrückt aus dem Kessel. Da rief einer der Schaulustigen vom Streckenrand: Mensch, die Susi sprudelt heute wieder ganz schön“, erklärt Torsten Döring. Der 54-jährige Lokführer begleitet und pflegt die „Sprudelsusi“ seit 1998. Beliebt ist diese zum einen, weil sie eine der am besten erhaltenen T3-Loks weltweit ist. Zum anderen aber verhalfen ihr verschiedene Filmauftritte zu Kultstatus in der Eisenbahnszene. „Dampfloks vom Typ T3 waren um 1900 die meist gebauten und somit typischsten“, erklärt Döring das Zustandekommen der Filmkarriere. In Streifen wie „Gustloff“ leistete „Susi“ zuverlässige Arbeit am Set. Damit nicht genug, sie schaffte das, wovon viele Spitzensportler nur träumen: Auf dem Höhepunkt der Karriere in den Ruhestand gehen. Denn ihren letzten Auftritt hatte die Dampflok in der Tolstoi-Biografie „Ein russischer Sommer“. Dort kutschierte sie Hollywoodgrößen und Oscar-Preisträger wie Helen Mirren oder Christopher Plummer.

„Es ist immer noch derselbe Kessel, der schon 1902 eingebaut wurde“, sagt er. „Der Schaden ist daher einfach altersbedingt.“ Viele Reparaturen machen die Vereinsmitglieder selbst, da sie zum Teil Schlosser und Mechaniker sind. Einige Spezialarbeiten sowie Material allerdings kosten viel Geld. „200 000 Euro werden für die Restaurierung benötigt, bisher wurden knapp 60 000 gesammelt“, sagt Rost.

Eine Prognose, wann das Ausstellungsstück wieder in Betrieb genommen werden kann, wollen die Eisenbahnfans um Claus Rost noch nicht abgeben. „Das wissen wir noch nicht“, sagt er. „Erst mal muss genügend Geld zusammenkommen, damit wir mit den Reparaturen beginnen können.