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Was wird aus Bautzens ältestem Haus?

Das Hexenhaus kennt in Bautzen jeder: Wie es zu seinem Namen kam, warum es Künstler inspirierte - und wer nun dort einziehen könnte.

Jurij Wuschansky hat sich viel mit dem Maler Georg Heine beschäftigt, der im Bautzener Hexenhäusel geboren wurde und es auch gemalt hat. Mit Kirsten Schönherr von der BWB warf Wuschansky einen Blick in das Gebäude, für das ein neuer Mieter gesucht wird.
Jurij Wuschansky hat sich viel mit dem Maler Georg Heine beschäftigt, der im Bautzener Hexenhäusel geboren wurde und es auch gemalt hat. Mit Kirsten Schönherr von der BWB warf Wuschansky einen Blick in das Gebäude, für das ein neuer Mieter gesucht wird. © Steffen Unger

Bautzen. Wohl jeder Bautzener kennt das kleine Haus an der Spree, das als Hexenhäuschen bekannt ist. Sagen und Legenden ranken sich darum, es gilt als eines der ältesten oder gar das älteste der Stadt. Bisher wurde es an Privatleute vermietet, nun sucht die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) einen gewerblichen Mieter für das Gebäude. Viele Bautzener erwarten das mit Spannung. Aber warum ist das Haus so besonders? Sächsische.de hat einen Blick in die Bücher und in das Häusel geworfen.

Diese Sagen ranken sich um das Haus: Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg, heißt es, ist Bautzens Hexenhäusel gebaut worden: Bereits 1604 ist in den Geschoßbüchern der Stadt ein Besitzer eingetragen. Es hat 1634 den großen Stadtbrand und auch alle weiteren Brände sowie Kriege überstanden. Warum? Eine Erklärung dafür liefert eine Sage um das Haus. Andreas Gerth, Inhaber des Oberlausitzer Verlags, schrieb in seinem Stadtführer darüber. Wenige Jahre vor dem Dreißigjährigen Krieg, so schreibt er, war eine Roma-Familie in Bautzen unterwegs. Die Familie litt Hunger, viele in der Gruppe waren krank. Sie suchte eine Bleibe, aber niemand wollte sie aufnehmen. Nur ein armer Mann hatte Erbarmen – und teilte mit der Familie sein Abendbrot und sein Lager im heutigen Hexenhäuschen. Auch andere Versionen dieser Sage gibt es: Häufig ist die Rede von einer Roma-Frau, die damals einen Ort gesucht hat, um ein Kind auf die Welt zu bringen. Einig sind sich die Erzähler dann bei dem Ende der Geschichte: Es soll ein Feuersegen auf das Haus gesprochen worden sein, als Zeichen des Dankes. Dieser Feuersegen soll das Haus beschützt haben – und die Brände überstehen lassen.

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So kam das Hexenhäuschen zu seinem Namen: Dass das kleine Haus an der Spree als Hexenhäusel oder Hexenhäuschen bekannt ist, hat nicht per se mit den Sagen zu tun. Zu seinem Namen kam das Haus erst um 1900, wie aus einem Aufsatz des ehemaligen Bautzener Büchereichefs Erich Lodni hervorgeht. „Da gab um 1900 ein geschäftstüchtiger Mann, ein gewisser Max Fröhlich, bei der hiesigen Steindruckerei Deubner & Scholze eine Serie Bautzener Künstler-Postkarten heraus“, schreibt er. Darunter eine mit einem Bild des kleinen Hauses. Willkürlich nannte der Mann das Bild Hexenhäuschen – und verärgerte damit die damalige Bewohnerin sehr. Sie wollte nicht als alte Hexe gelten, heißt es in Lodnis Aufsatz. Aus einem alten Mitteilungsblatt des Landkreises geht hervor, dass der Fotograf eine Entschädigung von 300 Talern zahlen musste.

Einblicke in das Hexenhaus - eine Bildergalerie:

Waschkessel, Zisterne - oder doch Hexenkessel? So manch nettes Detail ist in dem Haus zu finden.
Waschkessel, Zisterne - oder doch Hexenkessel? So manch nettes Detail ist in dem Haus zu finden. © Steffen Unger
So richtig alt sieht es von innen aber eigentlich nicht aus.
So richtig alt sieht es von innen aber eigentlich nicht aus. © Archivfoto: Steffen Unger
Die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft wünscht sich, dass der neue Mieter das Haus auch von innen in einen ursprünglicheren Zustand versetzt.
Die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft wünscht sich, dass der neue Mieter das Haus auch von innen in einen ursprünglicheren Zustand versetzt. © undefined
Das Hexenhäusel besteht zu großen Teilen aus Holz. Gebaut wurde es noch vor dem Dreißigjährigen Krieg.
Das Hexenhäusel besteht zu großen Teilen aus Holz. Gebaut wurde es noch vor dem Dreißigjährigen Krieg. © SZ/Uwe Soeder
Das Holzschindeldach ist 1936 instand gesetzt worden.
Das Holzschindeldach ist 1936 instand gesetzt worden. © undefined
Der Bautzener Maler Georg Heine hat das Hexenhäusel zu Papier gebracht. Er ist darin geboren worden.
Der Bautzener Maler Georg Heine hat das Hexenhäusel zu Papier gebracht. Er ist darin geboren worden. © undefined
Jurij Wuschansky, der zu Georg Heine geforscht hat, hat sich das Hexenhaus von innen angesehen.  "Schon interessant, hier zu sein", sagt er - "ich hätte selber nicht geglaubt, dass Heine hier geboren worden ist."
Jurij Wuschansky, der zu Georg Heine geforscht hat, hat sich das Hexenhaus von innen angesehen.  "Schon interessant, hier zu sein", sagt er - "ich hätte selber nicht geglaubt, dass Heine hier geboren worden ist." © Steffen Unger

Diese Künstler malten das Gebäude: Das Hexenhäusel ist ein beliebtes Motiv Bautzener Künstler. Rudolf Warnecke, der 1905 in Bautzen geboren wurde, fertigte einen Holzschnitt des Häusels an. Heute ziert sein Bild die Shirts des Oberlausitzer Modelabels Laba. Auch der Bautzener Maler Georg Heine brachte das Häuschen zu Papier, denn „Georg Heine ist im Hexenhäuschen geboren worden“, erzählt der ehemalige Kulturreferent der Domowina, Jurij Wuschansky, der sich viel mit dem Maler beschäftigt hat. Heine ist unter anderem für seine Bautzener Stadtansichten bekannt. Außerdem ist er Mitbegründer des sorbischen Künstlerverbandes. Als Jurij Wuschansky hörte, dass der Maler in dem Haus geboren sein soll, hielt er das zunächst für eine falsche Information – einen Irrtum. Er wandte sich an Heines Tochter Faustina, die zu dem Zeitpunkt in Italien lebte. „Sie irren“, sagte sie zu ihm – ihr Vater sei tatsächlich im Jahr 1877 im Hexenhäusel geboren worden. Er sei ein unehelicher Sohn gewesen und später von seinem Vater anerkannt worden.

So ist das Haus gebaut: Ursprünglich war das Gebäude an der Spree das Wohnhaus einer Fischerfamilie. Sein Äußeres steht unter Denkmalschutz. Das Haus stammt aus einer Zeit, in der die Reichen einer Stadt Häuser aus Stein und die Armen aus Holz bauten. Auch das Hexenhäusel besteht überwiegend aus Holz: Das Haus in Fachwerkbauweise ist mit Holz verkleidet. Die Dachschindeln sind hölzern, ebenso die Dachrinne. Auf dem Dachboden pfeift der Wind durch die Holzlatten. Ansonsten überrascht die Ansicht von innen: Hier sieht es weniger alt aus als vermutet. Die Decke ist verkleidet, auf dem Boden ist Teppich ausgelegt. Dennoch: Eine Heizung gibt es nicht, und im Keller steht eine Art alter Waschkessel.

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So geht es mit der Mietersuche weiter: Das Hexenhäusel gehört der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft BWB. Bis vor Kurzem war es bewohnt – jetzt sucht die BWB einen neuen, gewerblichen Mieter. Dieser soll es von innen möglichst in den ursprünglichen Zustand versetzen und den Bautzenern zugänglich machen. Am Freitag endete die Bewerbungsfrist, insgesamt fünf Bewerbungen sind eingegangen, berichtet BWB-Chefin Kirsten Schönherr. Darunter Konzepte für eine Pilgerherberge, Ausstellungen oder Stadtführungen oder eine Schau-Werkstatt. „Wir gucken uns die Konzepte diese Woche an“, sagt Kirsten Schönherr. Ihr Ziel ist es, mehrere Konzepte zusammenzubringen – „mit einem Hauptmieter, der dann den Hut aufhat“. Im Mai soll eine Entscheidung fallen.

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