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An Bautzens Grundschulen wird es eng

Die Zahl der Schüler steigt. Der Start einer neuen freien Schule verzögert sich. So reagiert die Stadt auf die Situation.

Hat die Stadt Bautzen genügend Platz für ihre Erstklässler? Eine neue städtische Grundschule wird nicht gebaut - stattdessen ein neuer Klassenraum.
Hat die Stadt Bautzen genügend Platz für ihre Erstklässler? Eine neue städtische Grundschule wird nicht gebaut - stattdessen ein neuer Klassenraum. © Symbolfoto: dpa/Ralf Hirschberger

Bautzen. Wenn man den Bautzener Finanzbürgermeister fragt, ist es Bautzens Luxusproblem: Immer mehr Kinder werden in den kommenden Jahren eingeschult. So viele sind es, dass die Stadt lange Zeit diskutierte, eine neue städtische Grundschule zu bauen. Am Ende entschied sie sich aber dagegen. Der Grund: Viel zu spät wäre die Schule fertig geworden, sie hätte die hohen Schülerzahlen ab 2023 gar nicht auffangen können. Stattdessen stand eine andere Lösung im Raum: Das Berufsbildungszentrum (BBZ) verkündete, eine neue freie Grundschule errichten zu wollen, in einem vorhandenen Gebäude an der Löbauer Straße in Bautzen. Jetzt ist bekannt geworden: Der Kauf des Gebäudes verzögert sich. Ein Problem?

Wie entwickeln sich die Schülerzahlen?

Vor allem in den kommenden vier Jahren wird der Bedarf an Grundschulplätzen in Bautzen besonders hoch sein. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Um die Zahlen der Erstklässler für die nächsten Jahre vorauszusagen, schaut das Statistikamt der Stadt auf die Zahlen der Kleinkinder, die derzeit in der Stadt leben. Allein durch Zu- und Fortzüge, zum Beispiel, können die Zahlen Schwankungen unterliegen. Weil die Schulbezirke Bautzen und Göda zusammengelegt worden sind, ermittelt die Stadt auch die Zahl der Erstklässler für Bautzen und Göda zusammen. Wenn alles bleibt, wie es ist, sollen sowohl 2020 als auch 2021 rund 360 Kinder in Bautzen und Göda eingeschult werden. Für 2022 rechnet die Stadt mit etwa 350 Erstklässlerinnen und Erstklässlern.

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Besonders viele Kinder sollen 2023 eingeschult werden: Dann rechnet die Stadt mit 400 Erstklässlern. 2025 liegt die Zahl bei 355 Kindern, im Jahr 2025 könnten nach jetzigem Stand mehr als 380 Kinder in Bautzen eingeschult werden. Dann soll die Zahl wieder sinken: Für 2026 rechnet die Stadtverwaltung mit 285 Erstklässlern.

Wie soll die freie Grundschule aussehen?

Von einer "Lösung" war damals die Rede, als bekannt wurde: Das Berufsbildungszentrum (BBZ) möchte eine freie Grundschule in Bautzen errichten. Doch der Schulträger verrät noch nicht viel. Bekannt ist: Ein Schwerpunkt der Schule soll auf dem Handwerk liegen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen während ihrer Grundschulzeit regionale Unternehmen kennenlernen“, weiß Bautzens Finanzbürgermeister Robert Böhmer. Entstehen soll die Einrichtung an der Löbauer Straße 77 in der ehemaligen Außenstelle des Berufsschulzentrums für Wirtschaft und Technik. Sie soll einzügig sein, berichtet die Stadt. Pro Klassenstufe sollen etwa 25 Kinder in der neuen Einrichtung untergebracht werden können.

Wann öffnet die freie Grundschule?

Eigentlich wollte das BBZ den Betrieb der neuen freien Grundschule zum Schuljahr 2022/2023 aufnehmen. Mittlerweile ist bekannt: Daraus wird wahrscheinlich nichts. Denn: Noch immer ist der Kaufvertrag mit dem Landkreis, dem das Haus bislang gehört, nicht unterzeichnet. Der Verzugszeitraum soll bis dato bei „einigen Monaten“ liegen, so Robert Böhmer. Warum sich der Kauf verspätet? Vonseiten des Landratsamtes heißt es: „Zur Umsetzung und Abschluss des Kaufvertrages hat es ständig notwendige Abstimmungen gegeben, welche durch Corona etwas verzögert waren.“ Dass Abstimmungen notwendig werden, sei nicht unüblich. Aber: „Der Entwurf des Notarvertrages ist abgestimmt und der Notartermin ist fest vereinbart.“

Hat die Stadt genügend Platz für alle Erstklässler?

Dass sich der Start verzögert, „ist aus städtischer Sicht natürlich bedauerlich, weil die neue Grundschule die Bautzener Bildungslandschaft bereichern wird“, sagt Finanzbürgermeister Robert Böhmer. Aber: „Da wir unabhängig vom Vorhaben des BBZ geplant haben, wie wir in den kommenden Jahren mit den hohen Schülerzahlen umgehen, stellt uns die Verzögerung nicht vor größere organisatorische Probleme.“ Mit einer Zahl von 25 Kindern pro erster Klasse könne die freie Schule ohnehin nicht die alleinige Antwort auf die hohen Schülerzahlen sein. Was also ist geplant? 

Die Stadt will die steigenden Schülerzahlen durch zusätzliche erste Klassen an den bestehenden Grundschulen ausgleichen. Konkret bedeutet das: An der eigentlich erst frisch sanierten Johann-Gottlieb-Fichte-Grundschule werkeln noch einmal die Bauarbeiter. Üblicherweise ist die Schule zweizügig. Sie wird jetzt aber so umgebaut, dass dauerhaft aller vier Jahre eine dritte erste Klasse an der Schule aufgenommen werden kann, berichtet Robert Böhmer. Aus einer ehemaligen Garderobe wird jetzt ein Klassenraum. Schon im vergangenen Jahr gab es dort einen dritten Zug, die Kinder sind jetzt aber in einem Raum untergebracht, der nach Auskunft der Stadt nicht die Ansprüche eines Unterrichtsraumes erfüllt.

Auch im voraussichtlich großen Jahrgang 2023/2024 soll es dann dort eine dritte erste Klasse geben. Und „auch die Frédéric-Joliot-Curie-Grundschule ist darauf ausgelegt, die Kapazität bei Bedarf zu erweitern“. Wenn notwendig, könnte die Schule in jedem Schuljahr auf einen vierten Zug aufgestockt werden. Üblicherweise gibt es dort jährlich drei erste Klassen.

Außerdem ist der Bautzener Schulbezirk - schon 2018 - mit dem Gödaer zusammengelegt worden, sodass auch durch die dortige Grundschule ein Ausgleich möglich ist. Denn auch dort ist für eine weitere Klasse Platz. Schon jetzt gehen in jedem Jahr etwa 25 Kinder aus Bautzen auf diese Schule, das könnten bei Bedarf mehr werden. Sollten die Bautzener Eltern die Gödaer Schule nicht als Wunschschule mit angeben, sollen vor allem Kinder aus den westlichen Stadtteilen auf die Schule gehen. Das Landesamt für Schule und Bildung ist dann für die Verteilung der Kinder zuständig, berichtet die Stadt. „Wir sind auf die kommenden Jahre vorbereitet“, ist sich Robert Böhmer sicher.

Wird die freie Grundschule dann überhaupt gebraucht?

„Dennoch“, sagt der Finanzbürgermeister, „die Gründung einer freien Grundschule ist wichtig für Bautzen!“ Sie könne trotz allem die städtischen Schulen entlasten. Und sie „bereichert durch ihren konzeptionellen Schwerpunkt unsere Bildungslandschaft“, sagt Böhmer, „Wir freuen uns, wenn wir mit der freien Schule als Bildungsstandort noch weiter an Attraktivität gewinnen.“

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