merken
PLUS Bautzen

Bautzen: Jeder Dritte hat hohen Blutdruck

Hypertonie ist auch im Landkreis eine Volkskrankheit. Aber für Betroffene gibt es vielfältige Hilfe.

Reichlich 30 Prozent der Einwohner des Landkreises Bautzen haben zu hohen Blutdruck. Den Wert kann jeder zu Hause kontrollieren, dazu gibt es einfach zu handhabende Geräte.
Reichlich 30 Prozent der Einwohner des Landkreises Bautzen haben zu hohen Blutdruck. Den Wert kann jeder zu Hause kontrollieren, dazu gibt es einfach zu handhabende Geräte. © Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Bautzen.  Der Dienstag dieser Woche gehörte zu den bisher heißesten Tagen des Jahres. An solchen Tagen leiden noch mehr Menschen als sonst unter Kopfschmerzen, klagen über Übelkeit oder Schwindel. Das geht ganz schnell, wenn Hitze, hoher Blutdruck und zu wenig Trinken zusammenkommen. "Doch soweit muss es nicht erst kommen", mahnt Susann Wehle, die Regionalgeschäftsführerin der Barmer-Krankenkasse in Bautzen. Schon wer gleichmäßig über den Tag verteilt mindestens zwei Liter an zimmerwarmen, alkoholfreien Getränken wie Wasser, ungesüßte Säfte oder Tee trinkt, hilft seinem Körper, mit der Hitze besser zurecht zu kommen.

Doch hoher Blutdruck, von Ärzten Hypertonie genannt, ist nicht nur an heißen Tagen ein Problem. Mehr als ein Viertel aller Deutschen, genau 28,4 Prozent, bekam laut dem aktuellen Barmer-Arztreport die Diagnose Bluthochdruck. In Sachsen, also auch im Landkreis Bautzen, leiden gar 31,7 Prozent aller Einwohner an einer sogenannten Hypertonie. Ein Blutdruck von 120 zu 80 gilt als normal, ab einem Wert von 140 zu 90 und höher liegt eine Hypertonie vor.

Anzeige
Der kürzeste Weg nach Spanien
Der kürzeste Weg nach Spanien

Mitten in der Kleinstadt liegt ein deutschlandweit einzigartiges Reiseziel. Auch die Umgebung um den Spanischen Hof nahe Riesa hat viel zu bieten. Jetzt Angebote entdecken!

Das Gefährliche an Bluthochdruck ist, dass er keine Schmerzen verursacht, aber zu lebensgefährlichen Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann“, erklärt Susann Wehle. „Wer längere Zeit Ohrensausen, Schwindel, Nasenbluten oder Kurzatmigkeit verspürt, sollte seinen Blutdruck ärztlich kontrollieren lassen. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck ist Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann Nierenschäden verursachen.“

330 Patienten müssen ins Krankenhaus

Meist begünstigt oder begleitet hoher Blutdruck andere Erkrankungen. Allein wegen Hypertonie werden nur wenige Menschen krankgeschrieben. Das zeigt ein Blick auf Zahlen der AOK plus. Von den etwa 300.000 Einwohnern des Landkreises Bautzen sind  rund 220.000 bei der AOK plus krankenversichert. Davon waren im Jahr 2018 etwa 51.000 wegen verschiedenster Dinge krankgeschrieben. Nur rund 3.100 von ihnen bekamen den Krankenschein einzig wegen hohen Blutdrucks. Aber bei fast 16.000 Kranken war Hypertonie eine Neben-Diagnose. Unterm Strich taucht hoher Blutdruck also auf fast jedem dritten Krankenschein auf.

Bei 334 Hypertonie-Kranken im Landkreis war 2018 der Blutdruck so extrem hoch, dass sie deshalb in ein Krankenhaus der Oberlausitz-Kliniken mussten. 2019 waren es drei Patienten weniger. Aber auch hier gilt: Viele kommen wegen einer anderen Krankheit ins Klinikum, bringen aber auch zu hohen Blutdruck mit.

Dr. Jochen Eberhard, Chefarzt an den Oberlausitz-Kliniken, rät Kranken, zunächst ihren Lebensstil zu ändern. Danach gibt es Medikamente gegen den Bluthochdruck, der zunächst ambulant behandelt werden soll. "Die Therapie muss unter Alltagsbedingungen und nicht unter dem positiven oder negativen Einfluss des Krankenhauses funktionieren", erklärt der Facharzt für Innere Medizin, Herz- und Gefäßerkrankungen. "Manchmal werden Patienten wegen Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie - zum Beispiel Schwindel oder Allergien - stationär aufgenommen."

Selbsthilfegruppe trifft sich jede Woche

Bei fünf bis zehn Prozent der Patienten ist der Blutdruck dauerhaft so hoch, dass er auch mit Medikamenten nicht unter 140 zu 90 kommt. Dann kann eine stationäre Aufnahme ins Krankenhaus nötig werden. Dass hoher Blutdruck im Landkreis Bautzen so häufig auftritt, verwundert Chefarzt  Eberhard nicht. Für ihn geht das mit der immer älter werdenden Gesellschaft einher.

"Mit einer gesunden und ausgewogenen Lebensweise lassen sich die Risiken für Bluthochdruck minimieren“, sagt Susann Wehle von der Barmer. Wer mit dem Rauchen aufhöre, sich mehr bewege, den Konsum von Salz und Alkohol reduziere oder die Stressbelastung senke, stärke sein Herz-Kreislauf-System. Mehrere Krankenkassen arbeiten mit Partnern zusammen, die beispielsweise Herz-Kreislauf-Kurse anbieten. So stehen den AOK-plus-Versicherten in der Region Bautzen etwa 20 Anbieter zur Verfügung, sagt Hannelore Strobel, Pressesprecherin der Krankenkasse. Für Firmen bietet die AOK plus ein individuelles betriebliches Gesundheitsmanagement an.

Darüber hinaus gibt es im Landkreis Bautzen eine Selbsthilfegruppe  gegen Hypertonie. Sie trifft sich jeden Mittwoch um 15 Uhr im Kamenzer Stadion der Jugend, treibt dort altersgerechte Gymnastik und spielt Basketball. "Nach dieser Stunde Bewegungstherapie fühlen sich alle Beteiligten wohl", berichtet Dr. Rudolf Reimann, der Organisator. Die Gruppe gibt es schon seit rund 20 Jahren, meist kommen zehn bis 15 Leute zu den Treffen. Die meisten von ihnen haben die 65 überschritten, "aber wir sind auch offen für jüngere, generell für neue Mitstreiter", sagt Reimann.

Mit dem kostenlosen Newsletter "Bautzen kompakt" starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen