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Bautzen lässt putzen

In der Kreisstadt suchen immer mehr Menschen eine Reinigungskraft. Doch das ist gar nicht so einfach.

© dpa/Ralf Hirschberger

Von Marleen Hollenbach

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Liebevoll für die Großen und Kleinen

In dieser Klinik gehört die Angst vorm Krankenhausaufenthalt der Vergangenheit an. Besonders bei den Allerkleinsten.

Bautzen. Wenn das Telefon klingelt, hat Yvonne Drechsel zwei Möglichkeiten. Mit etwas Glück gelingt es ihr, den neuen Kunden im Terminkalender irgendwo dazwischenzuschieben. Klappt das nicht, kann sie ihn nur noch auf die Warteliste setzen. Seit 2014 betreibt Yvonne Drechsel eine Gebäudereinigung in Bautzen. Vor allem auf private Kunden hat sie sich spezialisiert, Familien etwa, die ihre Freizeit nicht mit dem Putzlappen verbringen wollen. Das Geschäft läuft gut – so gut, dass sie manche Kunden schon vertrösten muss.

Immer mehr Bautzener sind auf der Suche nach einer Reinigungskraft. Das Interesse ist gestiegen, meint auch Yvonne Drechsel. Viele Menschen hätten im Job viel zu tun und würden sich deshalb eine Haushaltshilfe leisten. „Ich sage immer, wir sind keine Putzfrauen, wir sind Zeitverschaffungsmenschen“, erklärt die Bautzenerin. Nicht nur Familien rufen bei ihr an. Studenten, die keine Zeit zum Putzen haben, melden sich genauso wie ältere Menschen, denen es immer schwerer fällt, ihre Wohnung in Ordnung zu halten. Zwei Mitarbeiter beschäftigt die Bautzenerin. Mit ihnen betreut sie rund 150 Haushalte in Bautzen. Gern würde Drechsel noch weitere Putzkräfte einstellen, um noch mehr Kunden aufnehmen zu können. Doch es fehlt an geeigneten Bewerbern.

Strenge Auswahl

Nach Angaben der Agentur für Arbeit sind im Landkreis Bautzen 586 Arbeitslose gemeldet, die eine Anstellung im Reinigungsbereich suchen. Nach mangelndem Personal klingt das nicht. Doch Yvonne Drechsel ist bei ihrer Auswahl sehr streng. „Schließlich müssen meine Kunden der Person vertrauen und ihr den Schlüssel zur Wohnung geben“, meint die Bautzenerin. Ihren Mitarbeitern zahlt sie Mindestlohn, kümmert sich darum, dass sie rechtzeitig Feierabend haben, oder auch mal einen Arzttermin während der Arbeitszeit erledigen können. „Bessere Bedingungen kann ich kaum anbieten“, meint sie.

Gleiche Branche, gleiche Sorgen: Auch bei der Bautzener Gebäudereinigung Weingardt ist die Suche nach Putzkräften ein wichtiges Thema. Zwar sind Privatkunden dort nicht das Hauptgeschäft. „Aber wir würden diesen Teil gern ausbauen, wenn wir mehr Personal hätten“, erklärt Wolfgang Weingardt. Seine sechs Mitarbeiter bekommen den Tariflohn für Gebäudereiniger. Das hat einen Nachteil: Immer dann, wenn der Tariflohn steigt, muss der Chef die Preise erhöhen. „Vor allem Neukunden sind oft nicht bereit, für die Leistung ordentlich zu bezahlen“, meint er. Einige würden lieber privat suchen, damit ihre Wohnung möglichst billig gereinigt wird. Auch Schwarzarbeit, da ist sich Wolfgang Weingardt sicher, spielt in dieser Branche immer noch eine große Rolle.

Schwarzarbeit ist hoch

Dieses Bild bestätigt das Hauptzollamt Dresden. Die Reinigungsbranche zähle auch in Bautzen zu den Wirtschaftsbereichen, die stark von Schwarzarbeit betroffen sind. Genaue Angaben, wie viele Fälle es pro Jahr sind, gibt es zwar nicht. „Aber wir führen im Bezirk des Hauptzollamtes Dresden rund 10 000 Personenbefragungen durch und prüfen mehr als 1 350 Arbeitgeber“, erklärt Johann Pechthold vom Hauptzollamt. Regelmäßig stellen die Kontrollbeamte Verstöße fest. Im Jahr 2016 ermittelten die Mitarbeiter aus Dresden zum Beispiel eine Schadenssumme von mehr als 25 Millionen Euro. Die Schäden entstanden dabei häufig durch nicht gezahlte Steuern oder durch erschlichene Sozialleistungen.

Was Familien beachten müssen, die privat eine Haushaltshilfe engagieren, weiß Wolfgang Buschfort. Der Sprecher der Minijob-Zentrale erklärt, dass man diese Tätigkeit leicht anmelden kann. Wichtig ist dabei, dass die Haushaltshilfe nicht mehr als 450 Euro pro Monat verdient. Vor allem einen Vorteil hat die Anmeldung: Die Putzhilfe ist unfallversichert. „Andernfalls müsste der Arbeitgeber, also die Familie, hierfür aufkommen“, erklärt Buschfort.

Zurück zu Yvonne Drechsel: Die Inhaberin der gleichnamigen Bautzener Gebäudereinigung möchte noch in diesem Jahr ein eigenes Büro in der Stadt eröffnen. Und noch etwas hat sie sich vorgenommen: Drechsel möchte noch aktiver nach neuen Mitarbeitern suchen. Dann, so hofft sie, muss sie ihre Kunden nicht mehr bremsen, wenn diese sie weiterempfehlen wollen.