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Bautzen rüstet für den Wintersturm

Mit Sorge schauen alle auf die Prognosen. Was kommt da mit Xaver auf uns zu?

© Uwe Soeder

Von Christoph Scharf

Sturmfluten, abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume: Der Sturm Xaver tobt sich in Norddeutschland aus – und wird auch im Landkreis Folgen haben. Womöglich bringt das Unwetter den ersten Schnee des Winters nach Bautzen. „Die Prognosen geben das her“, sagt Dietmar Sperling. Der Einsatzleiter des Bautzener Winterdienstes saß gestern besonders aufmerksam über dem exklusiven Wetterbericht, den er vom Wetterdienst geliefert bekommt. „In so einer Situation ist man sensibel!“, sagt der 62-Jährige, der den Dienst von mehr als 30 Mitarbeitern in der Kreisstadt regelt.

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Kälte, Schneefall und Sturm: Dieses Trio könnte heute Straßen in und um Bautzen in Rutschbahnen verwandeln. Es wäre der erste echte Einsatz des Winterdienstes in dieser Saison. Vergangenes Jahr waren die Räumfahrzeuge schon im November unterwegs – hier im
Kälte, Schneefall und Sturm: Dieses Trio könnte heute Straßen in und um Bautzen in Rutschbahnen verwandeln. Es wäre der erste echte Einsatz des Winterdienstes in dieser Saison. Vergangenes Jahr waren die Räumfahrzeuge schon im November unterwegs – hier im

Und die Daten haben es in sich: Bereits in den heutigen Morgenstunden werden Böen bis zu 90 Stundenkilometer in der Oberlausitz erwartet. „Das kann man schon als Sturm bezeichnen“, sagt der Bautzener. Die alles entscheidende Frage für den Winterdienst: Fegt Xaver nur Laub durch die Gegend – oder verwandelt er sich in einen Schneesturm? Beim Blick auf die seitenlangen Prognosen kommt Dietmar Sperling ins Grübeln. Schon für den späten Donnerstagabend war Niederschlag angesagt, der aber zunächst noch als Regen fallen sollte. Aber was ist das, was da am Freitagmorgen vom Himmel kommen soll? Bleibt das noch Regen oder wird das schon Schnee? Die Temperatur soll in den Morgenstunden bei einem Grad plus liegen. „Das sieht eher nach Matsch aus.“ Aber da gibt es noch die Prognosen für die Temperatur des Straßenbelags. Und die liegen knapp unter Null. Also doch Schnee?

„Die einzelnen Daten sind nur Hinweise, aus denen man sich ein Gesamtbild zusammensetzen muss“, sagt der Bautzener. Da gehört Erfahrung dazu. Die hat der Mitarbeiter der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft (BBB), die für den Winterdienst der Kreisstadt zuständig ist. Seit 1977 hat Dietmar Sperling mit dem Kampf gegen den Schnee zu tun – damals noch beim VEB, heute bei einer städtischen Tochtergesellschaft. Und die Erfahrung sagt: Bei solchen Daten müssen die Alarmglocken klingeln. Also lässt er für heute das ganze System warmlaufen: Die letzten Fahrzeuge wurden gestern umgerüstet. Der große Lkw, der gerade eben noch gefällte Bäume transportierte, trägt heute Feuchtsalzstreuer und Schiebeschild. Ebenso der Multicar, der diese Woche noch containerweise Laub aus dem Grünen Ring abfuhr. Der Rest des Fuhrparks wartete bereits montiert, gefettet und gereinigt auf den Wintereinbruch.

Während in der großen Fahrzeughalle an der Schäfferstraße noch zügig geschraubt wird, macht eine Etage weiter oben im Büro von Dietmar Sperling das Telefon den größten Lärm. Immer wieder ruft jemand an, um sich nach den Vorbereitungen des Winterdienstes zu erkundigen. Gleichzeitig stecken Männer in orangefarbener Warnkleidung einen Kopf in die Tür, um sich bis zum Freitag zu verabschieden. Das Glück des Einsatzplaners: Dieses Jahr fing der Winter ziemlich spät an. Noch sind die Stundenkonten seiner Mitarbeiter überschaubar gefüllt. Vor genau einem Jahr rotierten die Räumfahrzeuge längst über Bautzens Straßen. Bislang blieb es bei einzelnen Kontrollfahrten. Denn gefährliche Ecken gibt es selbst dann, wenn in der Stadt kaum Schnee zu sehen ist. Etwa auf den blanken Platten des Kornmarkts oder auf den Gehwegen der Friedensbrücke. „Das sind ganz unangenehme Stellen. Die können schon überfrieren, wenn es anderswo einfach nur nass ist.“

Doch bleibt es am heutigen Freitag im Stadtgebiet bei Nässe? Oder werden die Straßen doch weiß? Niederschläge sind jedenfalls für den ganzen Tag prognostiziert. „Die Sache steht auf der Kippe.“ Dieter Sperling ist jedenfalls wie jeden Arbeitstag schon früh vor halb sieben im Büro und koordiniert mit den Vorarbeitern den Einsatz. Die Fahrer der Räumfahrzeuge sind dann schon seit drei Stunden auf den Straßen unterwegs – wenn es die Lage erfordert.

„Bei einem richtigen Schneesturm können wir aber nicht viel machen.“ Dann weht gleich hinter den Räumfahrzeugen die Straße wieder zu. Und im Büro des Einsatzleiters klingelt das Telefon heiß, weil zum Beispiel der Ortsteil Oehna am Stausee für Stunden von der Umwelt abgeschnitten ist. Bei einem Orkan helfen auch die Schneezäune an der einzigen Zufahrtstraße wenig. Zumal die Fahrzeuge und Männer des Winterdienstes nicht überall gleichzeitig sein können. „Wunder können wir nicht vollbringen.“ Das Menschenmögliche aber soll der Winterdienst leisten – mit Sturm Xaver oder ohne.