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Bautzener Tafel hilft seit zehn Jahren

Im Dezember 1998 startete das Hilfsprojekt. Während einst nur ein paar Dutzend Menschen versorgt wurden, sind es heute über 4000.

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Von Christoph Scharf

Broccoli, Apfelsinen, Gurken: An langen Tischen reiht sich Karton an Karton. Die Auswahl ist zwar nicht so groß wie im Gemüsemarkt, an Kunden mangelt es der Bautzener Tafel dennoch nicht. „Wir versorgen derzeit zwischen bis zu 4200 Kunden“, sagt Achim Wassner. Der Bautzener, der eigentlich für einen Bildungsträger tätig ist, hat das Hilfsangebot vor zehn Jahren aus der Tafel gehoben.

„Am ersten Tag kamen nur sieben oder acht Leute zur Ausgabe – trotzdem mussten wir noch Lebensmittel zukaufen, weil wir viel zu wenig einsammeln konnten“, sagt der 47-Jährige. Mittlerweile hat sich das Tafel-Prinzip auch in der Oberlausitz längst herum gesprochen: Groß- und Einzelhändler geben Lebensmittel ab, die kurz vor dem Verfall stehen oder Macken an der Verpackung haben. Die Tafel-Helfer sammeln sie ein, sortieren sie und geben sie an Bedürftige ab.

21Tonnen pro Monat

Heute gehen Monat für Monat rund 21Tonnen Lebensmittel durch ihre Hände. Nach dem Kontrollieren bleiben 18Tonnen übrig, 3000 Kilo werden aussortiert: Schimmliges Obst oder überlagerte Wurst sucht man bei der Tafel vergebens – Vorschriften rund um den Umgang mit Lebensmitteln gelten auch hier.

Die meisten Lebensmittel, ob Brot, Käse oder Bananen, wandern in der Bautzener Ausgabe über die Theke. In einem Plattenbau, den die Waggonbauer von Bombardier günstig zur Verfügung stellen, bildet sich an vier Tagen in der Woche schnell eine Schlange. „Vor allem Familien mit vielen Kindern sind auf unser Angebot angewiesen.“ Wer einen Hartz-IV-Nachweis vorlegen kann, bekommt eine befristet gültige Kundenkarte. Mit der kann er gegen eine Aufwandsentschädigung von 1,50Euro pro Woche Lebensmittel im Wert von 20 bis 30Euro abholen. „Anfangs, als wir nur eine Ausgabestelle hatten, sind Leute bis aus Kirschau zu Fuß nach Bautzen gekommen – weil das Geld entweder nur für den Bus oder für die Aufwandsentschädigung der Tafel reichte.“

Aus einer Ausgabestätte wurden im Altkreis Bautzen mittlerweile fünf (siehe Kasten), aus zwei Helfern derzeit mehr als 30. Auch der altersschwache VW-Transporter, den einst die Post ausgesondert hatte, wurde durch bereits sechs Fahrzeuge ersetzt. „Vor allem die Kreissparkasse hat uns bei deren Anschaffung unterstützt“, sagt Achim Wassner. Dazu kommen regelmäßig Überweisungen vom Gericht – wenn Delinquenten als Auflage Geld an einen gemeinnützigen Verein überweisen sollen. Letztlich steht und fällt aber alles mit der Bereitschaft der Händler, Lebensmittel an den Verein abzugeben. „Zum Glück hat sich längst herumgesprochen, dass wir keine Konkurrenz für die Läden sind“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Vor zehn Jahren war das noch anders: Bei einem Besuch auf der Grünen Woche in Berlin entdeckte Wassner einen Stand der Berliner Tafel, der ersten von heute bundesweit 800 derartigen Einrichtungen. „Das können wir auch in Bautzen brauchen“, sagte er sich damals. Das Angebot hat sich über die Jahre erweitert. In diversen Gärten bauen Mitarbeiter Kartoffeln oder Kräuter an, um das Angebot mit frischen Nahrungsmitteln zu ergänzen. Als nächstes Projekt will die Tafel eine Suppenküche einrichten, um Bedürftigen auch warmes Essen anzubieten. „Aber dafür suchen wir noch bezahlbare Räumlichkeiten.“