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Corona: Tierheim braucht dringend Spenden

Die Krise sorgt auch in der Bautzener Einrichtung für Probleme. Und die könnten sogar noch größer werden.

Auch diese niedliche kleine Katze gehört derzeit zu den Bewohnern des Tierheims Bautzen-Bloaschütz. Corona sorgt auch in dieser Einrichtung für Probleme.
Auch diese niedliche kleine Katze gehört derzeit zu den Bewohnern des Tierheims Bautzen-Bloaschütz. Corona sorgt auch in dieser Einrichtung für Probleme. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Liebevoll streichelt Kerstin Heinzke die beiden kleinen Katzen. Die gelben Stubentiger sind erst wenige Wochen alt und entdecken ihre kleine Welt jeden Tag neu. Ihre kleine Welt - das ist das Tierheim in Bloaschütz bei Bautzen. Jetzt gibt es Futter, und neugierig lugen die beiden Katzenkinder in den Napf. 

Die beiden niedlichen Stubentiger können und müssen nicht wissen, wie viel Mühe so ein gut gefüllter Futternapf macht. Besser gesagt: Wie viel Mühe es macht, immer genug Futter im Hause zu haben. Bisher hat es die kleine Mannschaft um den rührigen Tierheimleiter Uwe Bär immer geschafft, für ausreichend Nahrung zu sorgen.

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Ohne Spenden würden sie das nicht schaffen. Da zählt jeder Euro und jedes abgegebene Päckchen mit Hunde- oder Katzenfutter, ob nun direkt in Bloaschütz oder in einem der vielen Sammelcontainer in Supermärkten im Raum Bautzen. Schließlich haben 60 Hunde und fast 30 Katzen - so viele leben derzeit im Tierheim - den Tag über ganz ordentlich Appetit. 

Seit März aber bereitet die Futter-Beschaffung noch mehr Mühe als sonst. Uwe Bär sagt mit ernster Stimme: "Seit der Corona-Zeit bekommen wir etwa 50 Prozent weniger Spenden. Geld und Sachspenden - beides hat sehr nachgelassen." 

Was indes nicht nachgelassen hat, ist der Zulauf an Vierbeinern. Die Gründe dafür sind ganz verschieden. Tierhalter trennen sich, und niemand kann oder will den Vierbeiner mitnehmen. Auch wenn Frauchen oder Herrchen ins Altersheim geht, Mieze oder Bello nicht mitnehmen kann und niemand im Verwandten- oder Bekanntenkreis das Tier nehmen will, öffnet sich eine Tür in Bloaschütz.

Auf ungeahnten Zulauf nach Corona eingestellt

Das Tierheim ist auch die erste Adresse für Findeltiere wie die schwarze Katze, die erst am Montag dieser Woche in Schwepnitz entdeckt wurde. Sie war vermutlich angefahren worden. Jetzt wird ihr in einer Tierklinik geholfen. Auch ein zotteliger, zutraulicher Hund, den Kunden am 10. Juni angebunden vor der Bautzener Fressnapf-Filiale entdeckten und aus seiner misslichen Lage befreiten, kam nach Bloaschütz. Wie zuvor schon so manches Tier, das gewissenlose Vorbesitzer irgendwo in und um Bautzen ausgesetzt hatten.

Und Uwe Bär ahnt, dass die Corona-Krise dem Bautzener Tierheim noch weiteren Zulauf bescheren könnte. Seine Kollegen in anderen Regionen machen diese Erfahrung bereits. Dort werden Tiere gebracht, die sich manche Menschen in der Hochzeit von Corona im März oder April angeschafft haben - weil sie auf einmal ganz viel Zeit hatten, sich auch um ein Tier zu kümmern. 

In Krisenzeiten würden Menschen sich auf das Wesentliche besinnen, sagt die Leiterin der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Tierschutzbundes, Lea Schmitz. "Unsere Tiere fühlen mit uns, leisten uns Gesellschaft, lenken uns ab und spenden Trost." Gerade im Corona-bedingten Homeoffice könne die Gassi-Runde oder das Spiel mit der Katze für viele Menschen eine willkommene Abwechslung sein.

Doch nun kehren immer mehr Arbeitnehmer aus dem Homeoffice zurück in ihre Betriebe und Büros, zunehmend zieht wieder Alltag ein. Aber Mieze oder Bello sind nun einmal da und brauchen Zeit und Zuwendung. Für Manchen bleibt am Ende nur der Weg ins Tierheim. "Noch ist das bei uns keine Tendenz", sagt Uwe Bär. "Aber das kann noch kommen."

Eine Einnahmequelle ist völlig versiegt

Der Tierheimleiter macht noch auf ein anderes Problem aufmerksam. Der Einrichtung fehlen nicht nur Spenden, zeitweise war auch eine andere Einnahmequelle völlig versiegt: die Tierpension. Dort werden Mieze und Bello aufgenommen, während ihre Frauchen und Herrchen in den Urlaub fahren. Doch von Mitte März bis in den Mai hinein verreiste praktisch niemand und brauchte demzufolge auch kein Quartier für das vierbeinige Familienmitglied.

"Das läuft jetzt erst so langsam wieder an", beobachtet der 57-Jährige, der als Tierheim-Chef schon so einiges mitgemacht hat. Wie die Schlammlawine, die vor zwei Jahren nachts in einige Gebäude eingedrungen war und rund 3.500 Euro Schaden hinterlassen hatte. Eine Mitarbeiterin sah den Schlamassel, als sie morgens das Tor aufschloss. Da hatten einige Hunde schon stundenlang im Wasser gestanden.

So viele Sorgen Corona dem Tierheim-Team auch bereitet, ein Problem trat nicht auf: dass weniger Tiere vermittelt wurden. "Das lief bisher eigentlich wie immer", sagt der Leiter. Die Bloaschützer freuen sich immer, wenn einer ihrer Schützlinge ein neues, schönes Zuhause bekommt, denn eigentlich soll das Tierheim ja nur eine Zwischenstation sein. Wer das Heim derzeit besuchen will, muss sich aber vorher anmelden. Spontane Stippvisiten sind wegen Corona noch nicht möglich, aber auch das wird eines Tages wieder.

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