merken
PLUS

Bauwerk des Anstoßes

Der Umbau und Anbau bei Rewe sorgt noch immer für Diskussionen. Im Januar spricht Niesky mit den Bauherren.

Von Carla Mattern und Alexander Kempf

Dienstagabend in Kosel debattieren Ortschaftsräte und Einwohner miteinander. Die Probleme im Ort scheinen nicht groß zu sein, denn hoch kochen die Wogen bei einem Nieskyer Thema. Der Rewe-Umbau wird argwöhnisch beobachtet – und bewertet. Die Form des neuen Gebäudes des Drogeriemarktes sehe aus wie ein Schuhkarton, nicht einheitlich und nicht symmetrisch, sagen Koseler. Ein Einwohner schimpft, dass „den kleinen Leuten“ so viel vorgeschrieben werde, angefangen bei der Farbe des Außenputzes oder der Ziegel, bei der Neigung des Daches oder der Ausrichtung des Hauses. „Die“ dürfen dagegen machen, was sie wollen, vermutet der Koseler.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Das dürfen sie nicht. Die Rewe-Bauherren mussten genauso Bauanträge stellen und Baugenehmigungen einholen wie jeder Eigenheimbauer aus Niesky auch. Das bestätigt Sven Sondermann von der Fränkischen Steuerberatungsgesellschaft Treuhandgesellschaft Nürnberg, die für den Bauherren tätig ist. „Grundsätzlich möchten wir feststellen, dass für die Baumaßnahme am 20.11.2012 der Antrag auf Erteilung der Baugenehmigung gestellt wurde. Die Baugenehmigung wurde am 15.04.2013 von der Kreisverwaltung Görlitz erteilt. Aus den genehmigten Unterlagen geht hervor, dass die Stadt Niesky das Einvernehmen erteilt. Die Realisierung des Bauvorhabens erfolgt zurzeit auf der Basis der genehmigten Planunterlagen“, schreibt Sven Sondermann auf Nachfrage.

Er wirbt auch dafür, nach der vor kurzem erfolgten Fertigstellung des Erweiterungsgebäudes für Rossmann die architektonische Wirkung des Gesamtobjektes noch nicht zu beurteilen. „Als wesentliches architektonisch wirkendes Bauteil fehlt die dominante transparente Eingangshalle des neuen Rewe XL-Marktes. Mit dieser Eingangsgestaltung und dem in gleicher Architektursprache errichteten Gebäude für Rossmann entsteht durch die verbindende Wirkung des kleinteiligen Bestandsgebäudes nach farblicher Akzentuierung eine Einheit, die sowohl der Qualität des Bestandes, als auch dem zeitgemäßen Anspruch auf transparente Großzügigkeit gerecht wird“, so der Nürnberger. Auf der Architekturzeichnung ist zu sehen, was die Bauherren meinen. Die Form des Anbaus als auch der gläserne Eingangsbereich des Drogeriemarktes ähneln sich und heben sich von der bisherigen Fassade hervor.

Der Nieskyer Oberbürgermeister Wolfgang Rückert erklärte das jetzt den Koselern und zuvor bereits Stadträten. Die bisherige Rewe-Ansicht ist sozusagen das Modell 1990. Was jetzt gebaut wird, ist das Modell 2010. Rewe ändert deutschlandweit die Fassaden, ergänzt oder erweitert Sortimente. Dass auch Niesky den Zusatz XL-Markt trägt und jetzt einen gläsernen Eingangsbereich bekommt, spricht erst einmal dafür, dass der Standort Niesky für das Unternehmen eine Zukunft hat. „Die Erweiterung und Neugestaltung des Einkaufszentrums wird sowohl für die Kunden der Geschäfte, dem Anspruch des Eigentümers und der Allgemeinheit auf ein zeitgemäßes Erscheinungsbild gerecht werden“, teilt Sven Sondermann die Beweggründe und Ziele in Sachen Nieskyer Rewe mit.

Das löst aber die kritischen Bemerkungen noch nicht in Luft auf. Die bleiben stehen, weswegen der Nieskyer Oberbürgermeister Wolfgang Rückert seine Informationen vor den Räten jetzt auch mit den Worten begann, er werde über das Bauwerk des Anstoßes informieren. Die für Rewe tätigen Planer hatten der Stadt Niesky angeboten, am 9. Dezember über die Unstimmigkeiten zu sprechen, die die Stadträte schon seit geraumer Zeit diskutieren. Nachdem die Frage des Vorliegens der überarbeiteten Planungen aus der Welt ist, die Stadt Niesky keine Einwände dagegen geltend gemacht hatte, dreht sich nun die Kritik um die Ansicht.

Dass das von den Eigentümern ernst genommen wird, bestätigt Sven Sondermann. Im neuen Jahr wird es deshalb auch einen Termin geben. Am 14. Januar zum Baustellenrapport sind die Rewe-Umbauer bereit, sich zu präsentieren und auch etwas zu den Umbauplänen und der Farbgestaltung zu sagen. Oberbürgermeister Wolfgang Rückert nimmt das Angebot an. Dann wird auch klar werden, ob tatsächlich noch Änderungen am Erscheinungsbild möglich sind. Wolfgang Rückert sieht das entspannt. Er rechnet damit, dass sich nach der Fertigstellung der Rewe-Fassade schnell die Wogen glätten werden. In Kosel sagte er: „Dann werden die Nieskyer, wie ich sie kenne, noch drei Tage darüber reden. Dann interessiert das keinen mehr“. Schon jetzt scheint es nicht wirklich zu stören, dass der Anbau und der Altbau architektonisch nicht zusammen harmonieren. In den Märkten ist nicht weniger Betrieb als sonst.

Eher mehr. Für alle sichtbar durch den nach wie vor tagsüber immer proppenvollen Parkplatz. „Die Verkehrssituation ist gewöhnungsbedürftig“, fasst der Oberbürgermeister zusammen, was an Anmerkungen dazu bereits im Rathaus ankam. Einfluss nehmen könne die Stadt aber nur bedingt, das sei schließlich Privatgelände, sagte der Oberbürgermeister. Trotzdem werde es notwendig sein, vor dem neuen Gebäude die Situation zu entschärfen.

Ob beispielsweise nur noch eine Zufahrt zum Rewe-Gelände sinnvoll ist, die von der Tankstelle aus bestehende dicht gemacht werden soll, das sei noch zu prüfen. Während des Umbaus fehlen sowieso Parkstellflächen.