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Beratungsstelle für behinderte Menschen

Im Auftrag der Hauptfürsorgestelle im Sächsischen Landesamt für Familie und Soziales eröffnen die Malteser in der Radeberger Stadtverwaltung eine Beratungsstelle für behinderte Menschen. Jeden zweiten...

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Im Auftrag der Hauptfürsorgestelle im Sächsischen Landesamt für Familie und Soziales eröffnen die Malteser in der Radeberger Stadtverwaltung eine Beratungsstelle für behinderte Menschen. Jeden zweiten Mittwoch im Monat bietet Sozialpädagogin Andrea Spittank von 15 bis 16 Uhr eine kostenlose psychosoziale Betreuung an. SZ sprach mit ihr.
Ist die Beratungsstelle in Radeberg ihr erster Anlaufpunkt? Radeberg wird nach Hoyerswerda und Kamenz für mich der dritte Anlaufpunkt. Seit einem Jahr arbeite ich in beiden Städten. Da es eine Beratungsstelle für den Landkreis Kamenz ist, war es für mich folgerichtig, Radeberg und Pulsnitz - als viertem Ort - dieses Angebot zu unterbreiten. Man kann schließlich niemandem zumuten, immer nach Kamenz oder Hoyerswerda zu fahren. In Pulsnitz wird jeden ersten Montag im Monat eine Beratung durchgeführt - ebenfalls in der Stadtverwaltung.
Mit welchem Ziel treten Sie in Radeberg an? Ich setze mich dafür ein, dass schwerbehinderte Menschen ihren Arbeitsplatz behalten, beziehungsweise nach längerer Krankheit wieder einen beruflichen Neuanfang finden. Ich versuche, sie bei der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen. Das betrifft Kündigungsschutz, Zusatzurlaub, Nachteilsausgleiche. Da zu uns besonders psychisch Kranke kommen, die mitunter sehr hilfsbedürftig sind, begleite ich sie auch zu den Ämtern. Gleichzeitig berate ich Arbeitgeber und kläre sie über die Auswirkungen von Behinderungen am Arbeitsplatz auf. Außerdem arbeite ich mit Schwerbehindertenvertretern und Personalräten zusammen.
Stichwort Arbeitgeber - rennen Sie offene Türen ein? Nein. Es ist nach wie vor sehr schwierig, Arbeitgeber zu überzeugen, einen behinderten Menschen einzustellen. Nicht jeder kann jede Arbeit machen. Zudem sind die meisten sehr skeptisch. Durch den Kündigungsschutz haben sie Angst, diese Arbeitnehmer im Bedarfsfall nicht mehr loszuwerden. Doch da kann ich sie beruhigen. Wenn jemand auf Grund einer Behinderung nicht mehr arbeiten kann, kann ihm gekündigt werden. Es gibt aber auch genügend positive Beispiele: Betriebe, die in den vergangenen Jahren bereits Erfahrungen mit diesem Personenkreis sammelten, stehen unseren Anliegen offen gegenüber. Ich wünsche mir noch mehr aufgeschlossene Personalchefs.
Ihre Arbeit können Sie nicht allein durchführen. Wer unterstützt Sie? Ich arbeite mit Arbeits- und Sozialämtern, Krankenkassen, Rententrägern und Nervenärzten zusammen. Auf diese Hilfe bin ich angewiesen, da ich nicht einfach auf Behinderte zugehen kann. Unsere Angebote sind freiwillig. Viele der Bedürftigen sind bisher nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf uns aufmerksam geworden. Jetzt bekomme ich manchmal Tipps von den Ämtern.
Wie teuer ist eine Beratung? Beratung und Betreuung sind prinzipiell kostenlos. Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Wenn es erforderlich ist, führe ich Hausbesuche durch oder gehe an den Arbeitsplatz
Gespräch: Bettina Schneider

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