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Berthelsdorfer erhält Jugendförderpreis für Heimatforschung

Niels Seidel hat ein Buch über Konzentrationslagerin Görlitz undRennersdorf geschrieben.

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Von Annett Weckebrod

Für seine Arbeit zu den KZ-Außenlagern in Görlitz und Rennersdorf hat der 26-jährige Niels Seidel aus Berthelsdorf im November den Jugendförderpreis für Heimatforschung bekommen. Ausgeschrieben hatte den Preis das sächsische Kultusministerium.

Der mit insgesamt 7500 Euro dotierte Landespreis für Heimatforschung wurde erstmals verliehen. Mit ihm werden Arbeiten von ehrenamtlich tätigen Autoren ausgezeichnet, in denen beispielhaft Aspekte der sächsischen Heimat erforscht und dargestellt sind. 159 Arbeiten von Heimatforschern jeden Alters waren von der Jury zu bewerten. Der Jugendförderpreis, den Niels Seidel gewonnen hat, war mit 1000 Euro dotiert.

Vier Jahre lang hat der Berthelsdorfer Niels Seidel über die KZ-Außenlager des Hauptlagers Groß-Rosen geforscht, die in unmittelbarer Nähe seiner Heimat lagen. „Viele wissen gar nicht, dass es in Görlitz und Rennersdorf überhaupt Konzentrationslager gegeben hat“, berichtet der 26-Jährige. Er selbst sei überrascht, entsetzt und neugierig gewesen, als er in der 6. Klasse die Geschichte eines Augenzeugen hörte, der einen Todesmarsch jüdischer Häftlinge in Richtung Rennersdorf beobachtet hatte. Jedoch konnte ihm auf seine Nachfragen hin niemand näher zu den Geschehnissen in den Jahren 1944/45 in Rennersdorf und Görlitz Auskunft geben, erzählt er.

Ein weiterer Anlass, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen, waren für ihn die negativen Erfahrungen, die er als Jugendlicher mit Rechtsradikalen in Berthelsdorf und Rennersdorf gemacht hatte. Zunächst begann Niels Seidel ohne konkreten Plan zu recherchieren. Er sammelte Fotos, Schriftstücke, Tonbandaufnahmen, Videos und Luftbilder aus zahlreichen Archiven, unter anderem auch aus der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem und dem Holocaust Memorial Museum in den USA. Er machte Überlebende und Augenzeugen ausfindig. Mit vier Überlebenden konnte er persönlich sprechen.

„Zunächst hatte ich gar nicht die Absicht, ein Buch darüber zu schreiben. Ich war neugierig und bin auf immer mehr Material gestoßen“, erzählt er. Seine Eltern haben ihn letztlich ermuntert, seine Erkenntnisse niederzuschreiben. Die Umweltbibliothek in Großhennersdorf hat geholfen, Fördermittel für den Druck zu bekommen. Im April 2008 ist das Buch im Neiße-Verlag erschienen.

„Ich habe während meiner Forschung und den Gesprächen mit Überlebenden unglaublich bewegende Momente erlebt“, sagt Niels Seidel. „Alle waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie haben auch von den ganz tragischen Erlebnissen berichtet.“ Der Student möchte auch andere Menschen dazu anregen, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. Denn der Forschungsstand zu den elf weiteren Außenlagern von Groß-Rosen auf deutschem und polnischem Boden sei noch über 60 Jahre nach Kriegsende sehr dürftig, sagt er.

Der 26-Jährige studiert Medieninformatik in Ulm.

„Die KZ-Außenlager Görlitz und Rennersdorf. 1944/45“, (Hg.) Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V., Neisse Verlag, Dresden 2008

ISBN 978-3-940310-19-4