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Berühmtheiten im Plauenschen Grund

Weißeritztal und Tharandt übten auf Arthur Schopenhauer und Hans Christian Andersen eine große Faszination aus.

Von Heinz Fiedler

Die Schönheit unserer Heimat hat so manchen Großen dieser Welt entzückt. Für die wildromantische Kulisse des Plauenschen Grundes und der von dichtem Grün umkränzten Stadt Tharandt schwärmten Dichter wie Kleist und Wilhelm Müller. Schiller quartierte sich mit dem noch nicht vollendeten „Don Carlos“ und einer unglücklichen Liebe im Herzen fünf Wochen in Tharandt ein. Gerhart Hauptmann erbaute sich an Stille und Weinausschank des dörflichen Pesterwitz’. Der Komponist Richard Strauss ließ sich vom idyllischen Tal der Wilden Weißeritz inspirieren. Maler von Rang, wie Klengel und Ludwig Richter, setzten landschaftliche Motive aus unserer Gegend in ihren Werken um.

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Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-1875) stellte Vergleiche zwischen dem Plauenschen Grund und Tharandt an.
Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-1875) stellte Vergleiche zwischen dem Plauenschen Grund und Tharandt an.
Besuchte in jungen Jahren zweimal den Plauenschen Grund und Tharandt: Philosoph Arthur Schopenhauerr.
Besuchte in jungen Jahren zweimal den Plauenschen Grund und Tharandt: Philosoph Arthur Schopenhauerr.

Was weniger bekannt ist: Dem Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860) wurde in jungen Jahren das Tal vor den Toren Dresdens zu einem Erlebnis. Die Schopenhauers waren eine reisefreudige Familie. Der als Geschäftsmann überaus erfolgreiche, praktisch denkende Vater verfügte über das für große Touren nötige Vermögen. Eine prinzipienfeste Persönlichkeit, die den Grundsatz vertrat: „Mein Sohn soll im Buche der Welt lesen.“

Arthur wurde streng gehalten, auch dann, wenn er mit den Eltern in Europa unterwegs war. Mit dem ihm zugewiesenen Taschengeld konnte sich der Junge freilich keine großen Sprünge leisten. Das machte ihm nichts aus, er war an eine bescheidene Lebensführung gewöhnt. Auf elterliches Geheiß hatte Schopenhauer junior während einer Reise mit aller Sorgfalt Tagebuch zu führen.

Im Spätsommer 1800 machen die Schopenhauers in Dresden Station. An vorderster Stelle ihrer Planung stehen Ausflüge ins Tal der Wilden Weißeritz und ein Abstecher nach Tharandt. Am 10. September bringt sie eine Kutschfahrt ins Ziel ihrer Wünsche. Der zwölfjährige Arthur führt wie gefordert Buch: „Heute fahren wir zum Mittag nach Tharandt. Der Weg verläuft durch eine reizend-romantische Gegend, die wegen ihrer Schönheit weit und breit unter dem Namen Plauenscher Grund bekannt ist. Ein bald weites, bald schmales Tal, von hohen Felsen eingeschlossen und von einem Flüsschen durcheilt. Tharandt ist klein, enthält aber eine vielbesuchte mineralische Quelle. Wir bestiegen eine Erhebung, auf deren Plattform eine verfallene Burg steht, von der man eine herrliche Aussicht hat. Abends fuhren wir bei schlechtem Wetter in die Residenz zurück.“

Eine euphorische Wiederbegegnung

Vier Jahre später hält sich die Familie wieder in Dresden auf. Zehn Tage Elbflorenz – einen davon zweigt man für die Wiederbegegnung mit dem Plauenschen Grund ab. Fällt das Urteil diesmal wieder so euphorisch aus? Immerhin haben der Kaufmann und die Seinen in der Zwischenzeit viel gesehen. Man war in Holland, England, Frankreich und in den Alpen. Man hat also Vergleichsmöglichkeiten, und die Ansprüche sind gewachsen.

Arthur Schopenhauer, nunmehr 16, schreibt unter dem 12. August 1904 unter anderem: „Die außerordentliche Schönheit der Umgebung von Dresden haben wir größtenteils besucht. Besonders den herrlichen Plauenschen Grund, dessen schroffe, nackte Felsen mir jetzt allerdings zwergisch vorkommen. Der Weg nach Tharandt bleibt von seltenem Reiz. Die Aussicht von der Tharandter Burgruine ist unstreitig eine der schönsten, die es gibt. Der Anblick der drei idyllischen Täler ist überaus prächtig …“

Tharandt hat etwas Weibliches

„Reisen meine Freude!“ Ein Ausruf, an dem sich der dänische Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-1875) Zeit seines Lebens orientiert. 29 Länder lernt er kennen. Seine erste und letzte Tour in die Fremde führt den Poeten nach Deutschland. Im Sommer 1831 lässt er sich bei freilich schlechtem Wetter von Dresden verzaubern. Seine Schilderung: „Der Regen fiel in Strömen, und alles bekam ein düster-nordisches Aussehen. Die Elbe sah aus wie Kaffee, gelb und dick. Die Straßen waren fast menschenleer.“

Bald darauf hat das Wetter ein Einsehen – die Sonne zeigt sich. Der dänische Gast formulierte: „Auf der Brühlschen Terrasse wogte eine dichte Menschenmasse. Vom Regen aufgefrischt, dufteten schöne Gewächse. Musik brauste, während Gondeln, Boote und Schiffe auf der Elbe kreuzten …“ In den letzten Stunden seines Dresden-Aufenthaltes treibt es Andersen auf die Höhenzüge des Plauenschen Grundes. Der Grund erinnert den Dichter an Rübeland, obwohl er das Weißeritztal ungleich abwechslungsreicher findet. Der Mann, dessen 150 Märchen zu den edelsten Schätzen der Weltliteratur zählen, stellt in den Augenblicken des Abschieds Vergleiche zwischen dem Plauenschen Grund und Tharandt an: „Viele ziehen Tharandt dem Grund vor, andere sehen die Dinge umgekehrt. Ich weiß nicht, zu welcher Partei ich mich schlagen soll. Beide haben für mich etwas Eigentümliches, eine Wirkung, die Wohlbefinden auslöst.

Der Grund mit seinen krummen Wegen zwischen Felsen, auf denen Leben und Treiben ist, erscheint mir lebendiger und hat eher einen männlichen Charakter, wogegen Tharandt mit seiner Ruine, seinem spiegelklaren See und seiner tiefen Einsamkeit mehr etwas Passives und Weibliches hat …“

Hans Christian Andersen hat das Dresdner Vorfeld nie vergessen. Auch in späteren Jahren sprach er oft und gern über den Liebreiz unseres heimatlichen Umfeldes.