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Verflucht teuer

Am Ende verschlingen die vier Schiffsanleger am Berzdorfer See 2,5 Millionen Euro. Machen das Görlitz und Schönau-Berzdorf mit?

Den schönsten Namen trägt der Schiffsanleger in Klein Neundorf: "Neundorfer Weingarten". Doch derzeit fehlt die Tafel mit dem Namen.
Den schönsten Namen trägt der Schiffsanleger in Klein Neundorf: "Neundorfer Weingarten". Doch derzeit fehlt die Tafel mit dem Namen. ©  Archiv/Pawel Sosnowski

Bei den Seglern auf dem Berzdorfer See steht Ende August ein dickes Ausrufezeichen im Kalender. Nach der langen Corona-Pause auch für die Segler freuen sie sich besonders auf die Mitteldeutsche Segelwoche. Ein internationales Trainingslager und eine Kinderregatta am 23. August kündigt Manfred Dahms von den Lausitzer Wassersportfreunden an. 

So schnell wird es mit dem Umbau der vier Schiffsanleger am See nicht gehen. Obwohl die Segler auch von den Schiffsanlegern profitieren sollen. Durch zusätzliche Stege rund um die bislang vorhandenen Anleger sollen eben auch Segelboote hier künftig Station machen können. Nicht nur ein Fahrgastschiff, für dessen Belange ursprünglich die Anleger einmal errichtet wurden. Die Einbeziehung  der Segler ist auch eines der Hauptargumente für den von Schönau-Berzdorf federführend geplanten Umbau der vier Anleger, schließlich steigt damit die Zahl der Nutzer auf einen Schlag.

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Gute Argumente sind auch dringend nötig, denn dieser Umbau wird voraussichtlich deutlich teurer als bislang geplant. Bislang war von knapp 900.000 Euro die Rede. Doch die Ausschreibung ergab nun Kosten von fast 1,6 Millionen Euro. Schon der ursprüngliche Bau der vier Anleger 2011 kostete 800.000 Euro, sodass am Ende knapp 2,5 Millionen Euro in die vier Schiffsanleger fließen werden. Selbst bei den galoppierenden Baupreisen ist das eine gigantische Summe.

Schönau-Berzdorf und Görlitz müssen auch mehr zahlen

Und eine Herausforderung für die beteiligten Kommunen Schönau-Berzdorf und Görlitz. Sie müssen rund zehn Prozent der Kosten tragen. Da aber Schönau-Berzdorf nur für den Anleger in der Blauen Lagune zuständig ist, kommen auf die Gemeinde rund 35.000 Euro zu. Görlitz baut hingegen drei Anleger um, macht zusammen 123.000 Euro für die Stadt. Das Görlitzer Rathaus will diese Summe zwar noch nicht bestätigen, aber im Gemeinderat von Schönau-Berzdorf wurden diese Angaben ganz offiziell bereits genannt.  

Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel ist sowieso schon etwas weiter als die Stadt. Denn trotz der deutlichen Kostensteigerung hat er seine Gemeinderäte geschlossen hinter sich. Keiner stimmte dagegen, dass die Gemeinde jetzt mit rund 35.000 Euro Eigenanteil eine deutlich größere Last für den Steg in der Blauen Lagune schultern muss als noch vor Jahren geplant. "Ich hatte mit Blick auf die steigenden Baupreise unserer Kämmerin schon vor Längerem gesagt, sie solle etwas mehr Geld für diese Maßnahme einplanen und das hat sie gemacht", erklärte der Bürgermeister jüngst auf der Ratssitzung. So musste die Gemeinde nun auch nicht überlegen, wie sie die zusätzlichen Kosten stemmen soll - sie standen ohnehin im Haushalt.

Görlitz muss das erst noch schaffen. In den Haushaltsplänen sind bislang nur 70.000 Euro vorhanden, fehlen rund 50.000 Euro. Derzeit, so erklärt das Görlitzer Rathaus auf Anfrage der SZ, werde eine Beschlussvorlage für den Stadtrat erarbeitet. Denn ob die Kostenerhöhung akzeptiert und damit das Projekt weitergeführt wird, sei eine politische Entscheidung - mithin eine der Stadträte. Jens Jäschke von der AfD fragte schon mal im Technischen Ausschuss: "Was drängt uns denn dazu?" Und schließlich haben Linkspartei und Motor Görlitz auch bei anderen Haushaltsausgaben zuletzt ihre Skepsis zum Ausdruck gebracht, ob das unter Corona-Vorzeichen überhaupt noch alles zu finanzieren ist.

Nur eine Firma gab bei Ausschreibung ein Angebot ab

Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel gibt sich aber optimistisch und voller Tatendrang, dass es flott weitergehen werde: Wenn die Stadt Görlitz zugestimmt habe, werde man rasch einen Antrag auf Erhöhung der Fördergelder stellen, die 90 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Sei auch das geklärt,  könne man mit dem Bauen beginnen. 

Eine Firma für den ersten Bauabschnitt, das Rammen der Dalben mit einem Schiff, sei bei der Ausschreibung schon gefunden worden. Es ist dieselbe, die bereits vor Jahren am Bau der Stege beteiligt war. Und so gab sich der Schönau-Berzdorfer Bürgermeister zuversichtlich, in diesem Jahr endlich mit den Bauarbeiten beginnen zu können. 

Dass endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden sollen, ist verständlich. Denn die Schiffsanleger sind eine Endlosgeschichte. 2011 waren die Schiffsanleger für größere Ausflugsdampfer vom Bergbausanierer LMBV errichtet worden. Das Problem: Die Anleger sind für viele Schiffe oder Boote nicht nutzbar, weil der Abstand zwischen Steg und Wasserfläche schlichtweg zu hoch ist - 80 Zentimeter. Theoretisch könnten auch die Fahrgastschiffe so umgebaut werden, dass der Ein- und Ausstieg möglich ist. Doch Schönau-Berzdorf und Görlitz entschieden sich für den anderen Weg. 

Ungewissheit über das Fahrgastschiff

Dabei ist völlig offen, wann und in welcher Form ein Ausflugsschiff auf dem See unterwegs ist. Bislang sind solche Schiffe nicht zugelassen, zudem ist unklar, ob ein solcher Schiffsverkehr ausgeschrieben werden muss, wie zum Beispiel am Geierswalder See. Der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler hält an seiner Auffassung fest, dass eine Ausschreibung nötig wird. 

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