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Besitzer der Friedensburg öffnet Wanderweg

Oliver Kreider will der Stadt ein Stück Grundstück schenken. Die Reaktionen aus dem Rathaus sind unterschiedlich.

Von Peter Redlich

Die Nachricht ist für Radebeul und Sachsens Weinwanderer eine kleine Sensation. Friedensburgbesitzer Oliver Kreider hat sich entschieden, sein Grundstück am Südwestende ein kleines Stück zu öffnen und Freiheit für den Wanderweg zu geben. Kreider: „Ich würde gern den jahrelangen Streit um den Weg beenden und der Stadt ein Stück meines Grundstückes schenken.“

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© Norbert Millauer

Dafür müsste er seinen Zaun um etwa zwei Meter verrücken. „Kein Problem“, sagt Kreider. Das könne schon in den nächsten Tagen erledigt werden. Er wundere sich immer wieder, dass es in dem seit über zehn Jahren währenden Streit noch nicht einmal zu einem Ortstermin mit ihm gekommen sei. Er lade Stadträte und insbesondere Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) dazu ein. Bedingungen und Gegenleistungen stelle er dafür nicht.

Die Anregung, den Wanderweg wieder zu öffnen, hat Kreider übrigens von Michael Wirsig bekommen. Der Radebeuler Unternehmer und Winzer hat neben dem Weinberg unterhalb der Friedensburg, der der Stadt gehört und von der Hoflößnitz bewirtschaftet wird, seinen eigenen Weinberg samt Ausschank. Wirsig findet es schon lange befremdlich, dass die Stadt zwar eine Weinbergtreppe auf der Ostseite für rund 20 000 Euro gebaut hat, aber diese Treppe praktisch nicht benutzbar ist, weil sie im Nichts endet.

Michael Wirsig hat alte Grundstückskarten hervorgeholt und darauf genau nachvollziehen können, wo der Wanderweg langgeht. Nämlich unterhalb der Steinmauer der Friedensburg von Ost nach West verlaufend (siehe Foto). Von dort führt er über eine kleine Sandsteintreppe über den Westhang des Friedensburggrundstückes. Reste dieser Sandsteintreppe sind noch vorhanden.

Oliver Kreider: „Die Stadt müsste den Weg wieder anlegen und befestigen. Ich habe nichts dagegen, wenn hier die Weinbergwanderer entlangmarschieren.“ Warum auch – in sein Grundstück kann von dort niemand blicken. Die Privatsphäre bliebe gewahrt.

Unter Radebeuls Stadträten findet das Angebot, miteinander zu reden, unterschiedliches Echo. Christian Fischer und Michael Röhner (Die Linke) sagen, dass miteinander reden besser sei. Allerdings dürfe die Nutzung der Friedensburg davon wirklich nicht abhängig gemacht werden, sind sich die beiden Stadträte einig. „Mit dem Bauausschuss hingehen, das würde ich“, sagt Fischer. Das könne auch unabhängig vom Gerichtsstreit passieren. In dem Streit geht es darum, ob die Friedensburg als Gaststätte genutzt werden muss – das will die Stadt. Oder dort nur Wohnungen entstehen – das will der Besitzer.

Auch SPD-Fraktionschef Thomas Gey würde zum Reden hingehen. „Das kann nicht falsch sein. Selbst wenn das Gericht hier wieder eine Gaststätte verlangt, es wird nie wieder so, wie sich das die Radebeuler in ihrer Erinnerung vorstellen. Ich denke, hier muss ein Kompromiss her“, sagt Gey.

Der wichtigste Entscheider in dieser Sache ist Radebeuls OB Bert Wendsche. Er sagt: „Gegen Gespräche hat hier niemand etwas. Es sollte jedoch die Entscheidung vom Gericht abgewartet werden. Unmittelbar danach sollten wir reden.“ Laut Wendsche stehe diese Entscheidung beim OVG in Bautzen offenbar im Frühherbst an.