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Corona: Fast alle Betriebe behalten Azubis

Nur in einzelnen Unternehmen wurden Verträge aufgrund der Krise storniert. Im April waren in Mittelsachsen noch 900 Lehrstellen frei.

Moritz Hyer (links), Loreen Reinhardt und Emily Luise Seeger lernen derzeit bei Rost & Hödemaker Friseure und Kosmetik in Döbeln. Nun werden weitere Azubis gesucht - trotz Corona.
Moritz Hyer (links), Loreen Reinhardt und Emily Luise Seeger lernen derzeit bei Rost & Hödemaker Friseure und Kosmetik in Döbeln. Nun werden weitere Azubis gesucht - trotz Corona. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Erst Stillstand, dann Ansturm herrscht während der Corona-Krise auch im Friseurgeschäft von Katja Rost. Vier Auszubildende lernen bei der Döbelnerin, eine wird im Sommer fertig. Und bleibt als Gesellin im Geschäft. Zwei bis drei neue Lehrlinge sollen aber im September dazukommen.

„Ja, wir halten auch jetzt an den Ausbildungen fest“, bekräftigt Rost. Bewerber gebe es ausreichend. Das sei bei ihr schon immer so, sagt Rost. Die ersten Gespräche habe sie allerdings erst in der vergangenen Woche führen können. 

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„Wir mussten erst einmal das hohe Kundenaufkommen bearbeiten“, erklärt Rost. Schließlich hat sich auch im Geschäft der Rost & Hödemaker Friseure und Kosmetik die Auftragslage nach der kurzzeitigen Schließung aufgrund der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus angestaut.

Doch so optimistisch, wie Rost, blicken längst nicht alle in die Zukunft der Ausbildung. Auch Jana Kettner, die Chefin von Friseure Central, hat wieder eine Stelle ausgeschrieben. Aber ob diese besetzt wird, weiß sie noch nicht. „Vom Prinzip her halte ich daran fest, ausbilden zu wollen. Aber bei der neuen Lehrlingsvergütung müssen die Auszubildenden 110 Prozent passen“, sagt Kettner, die derzeit einen Lehrling im dritten Lehrjahr beschäftigt.

Lehrlinge erhalten mehr Geld

Seit dem 1. Januar gelten gesetzlich festgelegte Mindestvergütungen in der Branche. Friseur-Azubis im ersten Lehrjahr sollen 2020 515 Euro pro Monat erhalten, bis 2023 soll der Betrag auf 620 Euro steigen. Auch für die Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr erfolgt eine Anpassung. Gut für die Azubis, aber eine Herausforderung für die Unternehmen.

Die müssen derzeit auch mit den Auswirkungen der Corona-Krise kämpfen. Wie die sich auf das Geschäft von Kettner auswirkt, kann sie noch nicht sagen. „Wir haben eine Zeit lang keinen Umsatz gemacht. Das Geld bekommen wir nicht wieder. Die Kosten laufen aber weiter. Ob am Jahresende ein Plus steht, das weiß ich noch nicht“, beschreibt die Chefin die aktuelle Situation.

Zurzeit hätten sie und ihr Team zwar gut zu tun, doch sie kenne genug Leute, die in Kurzarbeit gehen mussten. Und ob da immer noch Geld für den Friseurbesuch übrig ist? Kettner weiß es nicht. Im April waren nach Angaben der Agentur für Arbeit Freiberg noch fast 700 Jugendliche in Mittelsachsen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, knapp 60 weniger als im April 2019. 

Möglichkeiten, einen Ausbildungsplatz in der Region zu finden, haben sie noch genügend. So standen ebenfalls im April noch fast 920 Ausbildungsplätze zur Verfügung, knapp 50 mehr als im Vorjahr. Gesucht werde dabei in fast allen Bereichen, so Agentursprecherin Antje Schubert. Vor allem aber im Baubereich, sowie im Einzel- und Großhandel und der Herstellung von Metallerzeugnissen und Nahrungs- sowie Futtermitteln ist der Bedarf da.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Bislang hätten nur wenige Unternehmen ihre Ausbildungsplätze storniert, sagt Schubert. „Statistisch sind die Zahlen der gemeldeten Stellen in fast allen Branchen gestiegen oder gleich dem Vormonat“, meint Schubert. Die Chancen, eine Ausbildung zu finden, seien daher auch in diesem Jahr gut. Selbst in von der Krise besonders stark betroffenen Branchen.

Noch seien die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig, sagt Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handwerkskammer (IHK) Chemnitz. Wunderlich sei sich aber sicher, dass sich das in den nächsten Wochen ändern werde. „Die meisten Unternehmen hatten die letzten Wochen mit folgenschweren Problemen zu kämpfen. Da bleibt für die Planung des neuen Ausbildungsjahres kaum Zeit“, so Wunderlich weiter.

Fehlende Mobilität als Problem

„Ja, wir suchen auch weiterhin“, sagt Markus Weinert, der Chef des Landhotels Sonnenhof in Ossig. Er sei optimistisch, dass er allmählich wieder in den Normalzustand übergehen könne. Und damit auch die Kapazität und die Mittel hat, um die Stelle als Restaurant- sowie Hotelfachmann/-frau zu besetzen. Bereits gefunden hat er zwei Lehrlinge, die im Sonnenhof eine Lehre als Koch beginnen werden. 

„Die Verträge sind schon fertig“, sagt Weinert. Einer der zukünftigen Lehrlinge habe bereits sein Praktikum im Sonnenhof gemacht und auf den Ausbildungsplatz gewartet. Der wird frei, da ein Kochlehrling in diesem Jahr seinen Abschluss macht.

Selbst Bäckermeister Christian Münch aus Leisnig, der vor allem in seinen Cafés erhebliche Einbußen während der Krise zu verzeichnen hat, möchte weiterhin ausbilden. Während im März von den Verbrauchern noch mehr gekauft worden sei, habe sich das Einkaufsverhalten im April normalisiert, und damit zu einem leichten Minus aufgrund des eingebrochenen Café-Geschäfts geführt. 

Münch sucht trotzdem nach jungen Leuten, die bei ihm den Beruf des Bäckers oder der Verkäuferin lernen wollen. Doch das sei, nicht nur aufgrund des Coronavirus, schwierig. „Die meisten, die eine Lehre anfangen, sind 16 oder 17 Jahre alt und haben kein eigenes Fahrzeug. Zu unseren Anfangszeiten da zu sein, das ist im ländlichen Raum ein Problem“, sagt Münch. Auch die Fahrt zu den Berufsschulen in Leipzig oder Chemnitz sei für viele sportlich.

Wie sicher sind die Berufe?

Schwieriger sieht es in der Tourismusbranche aus. Eigentlich wollte auch Mandy Falkenberg-Anke vom Sonnenklar TV Reisebüro in Döbeln einen Azubi einstellen. „Aber das kann ich zurzeit nicht entscheiden“, sagt sie. Schließlich wisse sie nicht, was morgen ist. Irgendwann müsse es mal wieder ein Leben nach Corona geben. Aber besonders die Reisebranche leidet erheblich unter den Auswirkungen. 

„Zwar gibt es schon wieder Anfragen, aber wir werden ja erst bezahlt, wenn der Kunde bucht“, sagt Falkenberg-Anke. Bis sich die Lage in der Branche wieder stabilisiert habe, werde es noch Monate dauern. „Zurzeit sitzen wir alle ehrenamtlich hier“, sagt die Reisebüro-Chefin. Sie müssen nun erst einmal sehen, wie es mit dem Unternehmen weitergehe.

Verunsichert seien zurzeit auch die Jugendlichen, sagt Antje Schubert. Das sei jedoch auch schon vor der Krise so gewesen. Unsicherheiten bestünden vor allem in Bezug auf die Zukunftsträchtigkeit von Berufen, insbesondere in Hinblick auf die vielfältigen Veränderungen in den Technologien, wie zum Beispiel im Bereich alternative Energien oder der Digitalisierung. Viele hätten sich auch danach erkundigt, wann die Berufsberater wieder persönlich an den Schulen zu sprechen sein werden. 

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