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Bilder mit eigener Geschichte

Fotomuseum. Die Schau über die Legende Robert Scholz wurde eröffnet.120 Besucher waren dabei.

Von Ines Eifler

Als Wolfgang Blachnik am Freitag die Ausstellung „Robert Scholz – Ein Leben für die Fotografie“ im Fotomuseum auf der Löbauer Straße eröffnete, waren nicht nur bekannte Gesichter unter den 120 Besuchern. „Sie können ja mal prüfen, ob Sie eine Ähnlichkeit feststellen“, sagt ein eleganter älterer Herr, „denken Sie sich nur den Bart im Gesicht des Robert Scholz weg.“

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Der aus München angereiste Hans-Eckart Scholz ist ein Verwandter des wohl berühmtesten Görlitzer Fotografen der Gründerzeit. Als er erfuhr, dass sich hier jemand für seinen Urgroßvater und dessen Familie interessiert, war er sofort begeistert.

Keine großen Fotografen mehr

„Los, da müssen wir hin“, habe gleich auch seine Frau gemeint. Gesagt, getan, und bewegt von der Initiative des kleinen Görlitzer Museums steht der Nachfahre nun vor der reichen Besucherschar, übergibt Blachnik ein Foto, das Robert Scholz als Zweijährigen zeigt, und erzählt aus der Geschichte seiner Familie. Die sei heute bis nach Amerika verstreut, aber große Fotografen habe sie nicht mehr hervorgebracht.

1843 im schlesischen Bunzlau (heute Boleslawiec) geboren, begann Robert Scholz schon mit 14 Jahren die Ausbildung zum Fotografen im Betrieb seines Vaters Eduard Scholz. Der nämlich, ursprünglich ein Bunzlauer Porzellanmaler, habe bald nach Erfindung der Daguerreotypie im Frankreich der 1830er Jahre diese erste verbreitete Form der Fotografie nach Schlesien geholt und mit dem Gedanken „Das ist doch etwas, womit man abbilden kann!“ ein Geschäft in Bunzlau begründet. Doch nach seiner Lehre ging Robert Scholz nach Norddeutschland, kam als 24-Jähriger zurück und eröffnete in Görlitz 1867 ein eigenes Atelier mit Geschäft in der Bismarckstraße 9, das Nebenhaus Nummer 10 kam später hinzu.

Auch wenn die etwa 5 000 Bilder, die er in den reichlich 60 Jahren bis zu seinem Tode 1929 aufnahm, heute oft die einzigen Dokumente sind, mit denen sich das Erscheinungsbild der Stadt Görlitz um 1900 rekonstruieren lässt – von seiner eigenen Firma existiert kein einziges Foto. Nur das Hinterhaus, die Familie im Garten, unzählige Onkels und Tanten, Kinder, die mit Eisenbahnen und Puppen spielen, hat er viele Male aufgenommen.

Vor allem aber zeigt die Ausstellung bekannte und auch ungewohnte Görlitzer Ansichten, Häuser, die heute nicht mehr stehen, oder Straßenzüge, die sich in 150 Jahren sehr verändert haben.

Details hauchen Leben ein

Man erfährt, dass es 1906 den „Ersten Görlitzer Schwimmclub“ an der Neiße gab, in der man unterhalb der Stadthalle baden konnte, auf Moltkestraße, Mühlweg oder Untermarkt sind Straßenbahnschienen zu sehen, dem Demianiplatz fehlt das Karstadt, und am noch kaum bewachsenen, bis auf den Boden sonnenbeschienenen Fischmarkt bieten Läden „Galanterie-“ oder „Gummiwaren“ an. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte. Details wie Schaufensterdekorationen, Spielzeug und Kleidung der Menschen sprechen von deren Gewohnheiten und hauchen so der Görlitzer Geschichte Leben ein.

Robert Scholz war sowohl Künstler als auch „cleverer Jungunternehmer und Geschäftsmann“, der seine Aufnahmen an Presse und Verlage zu verkaufen verstand und sich als Werbefotograf betätigte. Er hat den Geist der Gründerzeit, der Industrialisierung nicht nur erlebt und festgehalten, genauso prägte er sie und gestaltete sie wesentlich mit. Da gibt es kühle Industrie- und Technikaufnahmen, Maschinen und Waggons aus den damals noch jungen Görlitzer Fabriken. Auf Ansichtskarten gingen das Weinberghaus, der Braune Hirsch oder andere Motive aus Scholz’ Kamera in die ganze Welt und werden so manchen Touristen zu einem Ausflug nach Görlitz gelockt haben.

Bis zum 30. Mai 2005 ist die Ausstellung im Hinterhaus der Löbauer Straße 7 zu sehen. Öffnungszeiten: Di-So 12-18 Uhr.