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Bilder mit Ruhe und Beschaulichkeit

Ausstellung „Malerei und Grafik“ von Hermann Kleßig ist im Schloss zu sehen. Er bezeichnet sich selbst als Kellermaler.

Von Peter Salzmann

Musik und Malerei gehören zusammen“, behauptet Hermann Kleßig. Einige seiner Stillleben zu diesem Thema sind in der Ausstellung „Malerei und Grafik“ in der Reihe bis 30. April 2014 im Amtsgericht Dippoldiswalde zu sehen. Wer Kleßigs Bilder betrachtet, ist schnell verzaubert. Man sollte sich dafür aber Zeit nehmen. Die Gemälde – vorwiegend lebensfrohe Aquarelle – strahlen Ruhe und Beschaulichkeit aus, atmen Heimatliebe und sind eine tiefe Verneigung vor Menschen, Natur und Landschaft im Osterzgebirge.

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Etwa 80 Bilder hängen derzeit in den Gerichtsräumen im Dippser Schloss. In ihnen ist nichts gleich. Die Gemälde offenbaren das gekonnte Spiel der Farben, die Erhabenheit der Wälder und Fluren. All das, auch die Raumaufteilung auf dem Karton, die Komposition von Objekt und Zufallsblick, jede Nuance der Natur in der Synthese von Blüten, Gräsern, Auen und Dorfidylle in der Nähe und auf Distanz beweisen einen Malstil, der von Laien höchst selten beherrscht wird.

„Wo ich bin, suche ich interessante Motive“, erzählt der 75-jährige Familienvater zweier Kinder und dreier Enkel, der 34 Jahre als Lehrer tätig war. Er sei „kein Künstler“, lehnt er sich bescheiden zurück. Kaum zu glauben, wenn man seine Bilder sieht. „Ich male alles, an dem andere achtlos vorbei gehen“, meint er, der bisher mit mehreren Personalausstellungen im Raum Dipps auf sich aufmerksam machen konnte. Mit seinen Techniken ist Hermann Kleßig durchaus vielseitig. Neben dem Aquarell frönt er auch dem Holz- und Linolschnitt, malt mit Öl, Kohle, Tusche und Rötel, wagt sich auch an Lithografie und Radierung.

„Für mich ist die Malerei Therapie, Labsal und Jungbrunnen“, begründet Kleßig sein Faible. Sie macht zusammen mit Leichtigkeit und Lockerheit sowie stets herzerfrischendem Optimismus sein Rentnerdasein lebenswert macht. „Ich male in der Natur, aber auch jeden Mittwoch mit meinen Freunden vom Osterzgebirgskunstverein im Pavillon an den Parksälen“, nennt er die Örtlichkeit seines künstlerischen Tuns. Dennoch sei er ein „Kellermaler“, weil er in seiner Wohnung im Heideweg „unter Tage auf acht Quadratmetern“ sein Atelier eingerichtet hat. „Hier muss ich nichts aufräumen“, obwohl gerade deswegen alles seine Ordnung hat.

Die 80 Kleßig-Bilder in der Amtsgerichts-Ausstellung sind vornehm gerahmt und haben in den Gängen und Fluren den richtigen Platz. „Vorfrühling am Wilisch“, „Malterbrücke“ oder „Am Waldrand“ vermitteln Ruhe und Frieden. Seine Porträts „Gottfried“ und „Charlotte“ zum Beispiel sind „den Menschen des Alltags und ihren Befindlichkeiten gewidmet“, erzählt Meister Hermann Kleßig, der „keine Auftragswerke mag und niemals Postkarte oder Foto zur Vorlage nimmt.“

Kleßig nennt die Impressionisten Curt Querner, Robert Sterl und den Franzosen Claude Monet als seine Vorbilder. Er bekennt: „Mein Lehrmeister aber ist der Reichstädter Künstler Johannes Zepnick, dem ich vieles zu verdanken habe.“

Auf eine andere künstlerische Initiative ist Hermann Kleßig sichtlich stolz. Er hat 1980 gemeinsam mit dem Kammersänger Christian Pötzsch den Friedrich-Silcher-Chor in Dippoldiswalde mit gegründet. „Wir sind 60 Mitglieder, lieben Gesang und Geselligkeit gleichermaßen.“ Für Kleßig sei das der Beweis, dass ihn „Malerei und Musik“ inspirieren.

Amtsgerichtsdirektor Joachim Thomas begründet, warum vor Jahren die Reihe „Kunst und Justiz“ ins Leben gerufen worden ist: „Wir bieten einheimischen Künstlern eine Plattform, sich öffentlich präsentieren zu können und wollen helfen, den Menschen die Schwellenangst vor dem Gerichtsgebäude zu nehmen.“ Weitere Ausstellungen sind geplant.

„Malerei und Grafik“ von Hermann Kleßig, Eröffnung am 5. November im Schloss, im historischen Saal des Amtsgerichts, 17 Uhr mit Liedern des Friedrich-Silcher-Chores Dippoldiswalde