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Bis 2021 das Heimatdorf verlassen

Trebendorf und Mühlrose gehen offen mit Nochten II um. Im Gespräch sagt Bürgermeisterin Kerstin Antonius, warum.

Für Trebendorf und Mühlrose hat das genehmigte Abbaugebiet Nochten II ebenso Auswirkungen wie auf die anderen Nachbardörfer des Kirchspiels Schleife, südlich der Bahnstrecke Cottbus-Görlitz. In Trebendorf und Mühlrose ist man allerdings von Anbeginn offen mit dem Bergbau umgegangen. Das unterscheidet den Ort von anderen in der Tagebauregion. Seit 2002 steht das Thema auf der Tagesordnung. Die SZ hat darüber mit Bürgermeisterin Kerstin Antonius gesprochen.

Frau Antonius, bis jetzt haben noch nicht alle Einwohner des Ortsteils Hinterberg ihre Grundstücke verlassen. Warum ist das so?

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Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Bislang sind 34 Familien in ihre neuen Häuser gezogen. Jeder kann seine Befindlichkeiten und Wünsche mit Vattenfall selbst aushandeln. Beim aktuellen Stand des Voranschreitens des Tagebaues ist dazu auch nicht unbedingt besondere Eile erforderlich. Jeder soll in Ruhe entscheiden.

Wie hat die Verwaltung die Einwohner bei dieser heiklen und auch innerhalb der Bevölkerung stark diskutierten Fragestellung einbezogen?

Zunächst kann ich sagen, dass gegenwärtig ein guter Stand des Miteinanders erreicht ist. Was nicht heißt, dass es zurückliegend keine Konflikte gab. In vielen Versammlungen und öffentlichen Gemeinderatssitzungen haben wir geduldig und immer wieder unsere Einwohner einbezogen, ihnen unsere Vorhaben und Entscheidungen erläutert. Auch die Vertreter von Vattenfall haben uns dabei unterstützt. Wenn die meisten Umsiedler auch in Trebendorf bleiben, bringt das Geschehen viele Begleitumstände mit sich. Das wird, solange gebaut wird, wohl auch so bleiben. Da muss ich unseren Bürgern für ihre Kompromissbereitschaft ganz einfach mal einen Dank aussprechen.

Seit über zehn Jahren ist die Frage des heranrückenden Tagebaues Nochten Thema im Gemeinderat. Wie positioniert der sich?

Grundsätzlich haben wir uns für den Bergbau entschieden, weil wir die Bedeutung der Braunkohle erkannten. Es hat also nie offizielle Proteste gegeben. Allerdings müssen wir hier trennen. Gemäß dem Braunkohleplan von 1994 ging es zunächst nur um die Umsiedlung des Ortsteiles Hinterberg mit 45 Grundstücken und 139 Personen. Als unsere Einwohner merkten, dass es langsam ernst wird, wurde der Gemeinderat aufgefordert, sich in Zusammenarbeit mit Vattenfall mit der Umsiedlungsproblematik zu beschäftigen. Als der Bergbaukonzern sein nachhaltiges Interesse am sogenannten Vorranggebiet bekundete, erweiterte sich für uns diese Problematik. Weil uns klar war, dass dann außer Hinterberg auch die Ortsteile Klein Trebendorf und Mühlrose betroffen wären.

Wann werden die Bagger in Klein

Trebendorf und Mühlrose anrollen?

Wird das Vorranggebiet in Anspruch genommen, fährt der Bagger voraussichtlich 2029 in das Teilfeld „Nochten II“. Teilfeld I wird bis dahin ausgekohlt sein. Solange möchten die Betroffenen von Klein Trebendorf und Mühlrose aber nicht warten. Fällt eine positive Entscheidung seitens der Landesregierung zur Weiterführung des Tagebaues, werden die Mühlroser bis zum 31. Dezember 2021 ihr Heimatdorf verlassen. Die Umsiedlung von Klein Trebendorf soll schon bis zum 31. Dezember 2018 abgeschlossen sein. So ist es erst einmal beabsichtigt.

Das Gespräch führte Jost Schmidtchen.