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Zur Wende gegründet - bis heute erfolgreich

Vor 30 Jahren starteten drei Geschäftsleute aus Bischofswerda in die Marktwirtschaft. Sie erlebten schwierige Zeiten - und Glückmomente.

Sie behaupten sich seit 30 Jahren mit ihren Unternehmen erfolgreich in Bischofswerdat: Apotheker Rainer Klotsche, Optiker Michael Plüschke, Bäckermeister Steffen Haufe (v.l.)
Sie behaupten sich seit 30 Jahren mit ihren Unternehmen erfolgreich in Bischofswerdat: Apotheker Rainer Klotsche, Optiker Michael Plüschke, Bäckermeister Steffen Haufe (v.l.) © Steffen Unger

Bischofswerda. Bischofswerda erlebte im Jahr 1990 eine Gründerwelle, vor allem im Einzelhandel und Handwerk. Die "harte" D-Mark war gerade eingeführt, das Ende der DDR absehbar. Es gab wirtschaftliche Freiheiten, große Chancen und  Hoffnungen. Nicht bei jedem gingen sie in Erfüllung. Doch mehrere Geschäftsleute der Gründergeneration 1990 behaupten sich erfolgreich. Sächsische.de hat drei von ihnen besucht.

Als Bäcker erfolgreich mit nur einem Laden

Steffen Haufe geht seinen eigenen Weg. Die Kunden honorieren es. Und nehmen auch längere Anfahrten in Kauf.  

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Bäckermeister Steffen Haufe sagt über sich: "Ich habe alles erreicht, was ich erreichen konnte." Zahlreiche Urkunden in seinem Geschäft bestätigen ihm eine hohe Qualität seiner Waren, was auch die Kunden zu schätzen wissen.
Bäckermeister Steffen Haufe sagt über sich: "Ich habe alles erreicht, was ich erreichen konnte." Zahlreiche Urkunden in seinem Geschäft bestätigen ihm eine hohe Qualität seiner Waren, was auch die Kunden zu schätzen wissen. © Steffen Unger

Die ehemalige Konditorei an der Neustädter Straße hatte über ein Jahr lang leer gestanden, als sie Steffen Haufe im Sommer 1990 übernommen hat. Erst war er Mieter der Wohnungswirtschaft, dann konnte er das Haus kaufen. Die früheren Eigentümer machten Rückübertragungsansprüche geltend. Nach vielem Hin und Her mit den Behörden durften der Bäckermeister und seine Frau Birgit das Haus behalten. Die Arbeitsplätze - Steffen Haufe beschäftigte damals fünf Mitarbeiter - und die bereits getätigte Investition in einen neuen Backofen zählten mehr. 

Der eigene Chef zu sein und selbst zu entscheiden, waren für Steffen Haufe wesentliche Gründe, sich selbstständig zu machen. Er hatte es schon in der DDR gewollt, kam dort aber nicht zum Zuge. Da er sich als Christ engagierte, wurde er erst spät zum Grundwehrdienst eingezogen. Als die Wende kam, war er gerade bei der Armee.  

All die 30 Jahre hatte Steffen Haufe nur dieses eine Geschäft. Später kam noch ein Verkaufswagen hinzu, mit dem er auf Märkte fährt. Mit dem Gedanken, weitere Läden zu eröffnen, habe er sich nie ernsthaft beschäftigt, sagt der Bäckermeister und nennt die Gründe, die aus seiner Sicht dagegen sprechen: Personalkosten, Aufwendungen für Lieferfahrzeuge, die in Handelszentren oft vorgegebene Öffnungszeiten und jetzt auch noch der Fachkräftemangel. "Wer viele Geschäfte hat, der hat höhere Zahlen, aber auch wesentlich mehr Kosten."  

Qualität statt Masse ist einer seiner Grundsätze. Damit fährt er gut, wie man vor allem sonnabends sehen kann. Dann stehen die Kunden, nicht nur aus Bischofswerda, bei ihm Schlange. "Das Qualitätsbewusstsein vieler Kunden ist gewachsen", sagt Steffen Haufe. Er setzt auf regionale Zulieferer, wie die Rätze-Mühle in Spittwitz.

"So wie es läuft, bin ich zufrieden", sagt der Bäckermeister, der neben seiner Ehefrau zwei Verkäuferinnen in Teilzeit beschäftigt. Er ist Ehrenmeister der Sächsischen Bäckerinnung, bekam das Goldene Ehrenzeichen der Kreishandwerkerschaft Bautzen und ist Prüfungsmeister. Und er ist 57. Die nächsten Jahre möchte er für seine Kunden noch backen.

Apotheker mit viel Herz für die Stadt

Rainer Klotsche engagiert sich als Geschäftsinhaber und Bürger gleichermaßen. Auf eine Sache ist er besonders stolz.

Am 1. Oktober 1990, zwei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung, übernahm Rainer Klotsche die Stadt-Apotheke. Später konnten er und seine Frau auch das Haus kaufen. Sie sanierten es - seitdem ist es ein Blickfang am Markt.
Am 1. Oktober 1990, zwei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung, übernahm Rainer Klotsche die Stadt-Apotheke. Später konnten er und seine Frau auch das Haus kaufen. Sie sanierten es - seitdem ist es ein Blickfang am Markt. © Steffen Unger

Für Rainer Klotsche war es wie „ein Sprung ins kalte Wasser“, als er 1990 die Stadt-Apotheke kaufte. „Marktwirtschaft kannten wir ja nur aus dem Fernsehen“, sagt der jetzt 62-Jährige. Ganz selbstverständlich nahm er Kredite in bis dahin undenkbarer Höhe und mit horrenden Zinsen auf. Er tat es in der Überzeugung, ein Lebenswerk aufzubauen, das er irgendwann an seine Kinder weitergeben kann.

30 Jahre später sagt er: „Apotheken gehören zu den Gewinnern der Einheit, und auch aus heutiger Sicht würde ich das Abenteuer Selbstständigkeit unter den damaligen Bedingungen wieder eingehen.“ Rainer Klotsche ist stolz darauf, dass er mit seinem Team – mehrere Mitarbeiterinnen sind seit 1990 bei ihm beschäftigt – der 350-jährigen Geschichte der Stadt-Apotheke weitere 30 Jahre hinzufügen konnte. Er verweist aber auch auf den Preis: Arbeitswochen mit 50 bis 60 Stunden, Nacht- und Wochenenddienste, vielfältiges ehrenamtliches Engagement – alles das hinterließ bei ihm auch gesundheitlich Spuren.

Apotheken zählten Anfang der 90-er Jahre zu den ersten, die mit Computern arbeiteten. Die von den Politikern geschaffenen Rahmenbedingungen brachten aber auch negative Veränderungen. Rainer Klotsche verweist auf über 20 Spargesetze im Gesundheitswesen, Bürokratie und den Versandhandel, der ungleich bessere Wettbewerbsbedingungen als stationäre Apotheken habe. „Unsere Stärke ist, dass wir vor Ort für unsere Kunden da sind“, sagt er. Auch um diese Präsenz zu zeigen, organisiert er seit 20 Jahren den „Tag der offenen Hinterhöfe“ und gibt einen Stadt-Kalender heraus.

Seine Kinder gehen beruflich andere Wege. Doch die Stadt-Apotheke wird es auch künftig geben. Die Suche nach einem Nachfolger beginnt, sagt Rainer Klotsche. 

Vom Brillenladen zum modernen Sehzentrum

Zu Michael Plüschke kommen Kunden nicht nur aus der Region. Der Diplom-Augenoptiker bietet besondere Leistungen an. 

Michael Plüschke zeigt ein hochmodernes Zentriergerät. Es verfügt über neun Kameras. Genutzt wird es unter anderem, um Brillengläser einzuschleifen und Kunden zu ermöglichen, verschiedene Brillenfassungen digital zu vergleichen.
Michael Plüschke zeigt ein hochmodernes Zentriergerät. Es verfügt über neun Kameras. Genutzt wird es unter anderem, um Brillengläser einzuschleifen und Kunden zu ermöglichen, verschiedene Brillenfassungen digital zu vergleichen. © Steffen Unger

Michael Plüschke und seine Frau Edith starteten am 15. August 1990 zu zweit in ihrem Optikergeschäft. Sie suchten nach einem Standort in der Innenstadt, der etwas weg vom Markt ist. „Wir wollten nicht in direkte Konkurrenz zu den beiden bestehenden Augenoptikern treten“, sagt Michael Plüschke. Das war schon damals weitsichtig. Alle drei Geschäfte gibt es heute noch in Bischofswerda.

"Als ich mein Geschäft eröffnete, war es noch eine Art ,Brillenladen', schreibt Michael Plüschke auf seiner Internetseite. Er machte es zum Sehzentrum, das auf weite Teile  Ostsachsens ausstrahlt. Kunden kommen oft auf Empfehlung von Augenärzten. Michael Plüschke und sein Team, zu dem jetzt sieben Mitarbeiterinnen und ein Lehrling gehören, bieten Besonderes. So betreuen sie zum Beispiel sehschwache und sehbehinderte Menschen. Um die passende Sehhilfe zu finden, kommen  auch Dresdener nach Bischofswerda ins Fachgeschäft.

Zugleich gehören auch Ärzte, die hervorragend sehen, zum Kundenkreis. Für sie werden Fernrohrlupenbrillen angefertigt, die bei Operationen genutzt werden.

Michael Plüschke ist Diplom-Augenoptiker (FH) und Optometrist. Als er sich selbstständig machte, tat er es auch im Wissen darum, was in der Branche alles möglich ist. Mit den Jahren kamen immer neue Leistungen hinzu, jüngst ein Programm, um fortschreitende Kurzsichtigkeit bei Kindern aufzuhalten.

Neben fachlicher und sozialer Kompetenz und guten Mitarbeitern ist es  ihm wichtig, dass die Kunden ein Vertrauensverhältnis aufbauen können. Dafür investiert er nicht nur in neue Geräte, sondern auch in die Weiterbildung – die eigene und die seiner Mitarbeiterinnen.  

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