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Wie viele billige Wohnungen braucht Bischofswerda?

Die städtische Wohnungswirtschaft plant den Verkauf ihres letzten Blocks in Großdrebnitz. Das trifft auf Widerspruch.

Diesen Block mit 32 Wohnungen in Großdrebnitz will die städtische Wohnungswirtschaft verkaufen.
Diesen Block mit 32 Wohnungen in Großdrebnitz will die städtische Wohnungswirtschaft verkaufen. © SZ/Uwe Soeder

Großdrebnitz. Schon der Straßenname sagt einiges aus - Lärchenweg. Wer dort lebt, wohnt im Grünen, ruhig und vor allem billig. 

Zwischen 4,20 und 4,50 Euro, bei Neubezug etwas darüber, liegen die Mieten im Haus der Wohnungswirtschaft und Baugesellschaft Bischofswerda (WuB) am Lärchenweg im Bischofswerdaer Ortsteil Großdrebnitz. In der Stadt zahlt man je nach Wohnlage und Ausstattung 50 Cent bis 2,50 Euro mehr für den Quadratmeter Wohnfläche. 

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Nun macht eine Information die Runde, die bei Mietern am Lärchenweg für Verunsicherung sorgt. Ihr Haus soll verkauft werden. 

Unternehmer unterbreitet Kaufangebot

WuB-Geschäftsführer Andreas Wendler bestätigte gegenüber Saechsische.de die Verkaufspläne, denen der Aufsichtsrat noch zustimmen muss. Dem Unternehmen, das eine 100-prozentige Tochter der Stadt Bischofswerda ist, liege ein gutes Kaufangebot vor. Demnach wolle ein Unternehmer den noch unsanierten Block mit 32 Wohnungen erwerben und diese zum Teil modernisieren. Vorgesehen sei keine Luxusmodernisierung, betont Andreas Wendler. Er spricht von einer "Sanierung light"; die Mieten sollen auch danach bezahlbar bleiben. 

Die WuB müsse nicht aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen, sagt Andreas Wendler. Doch ein Verkauf sei möglicherweise der einzige Weg, den Block auch in den kommenden Jahrzehnten zu erhalten. In der langfristigen Planung der WuB ist eine Sanierung dieses Gebäudes nicht vorgesehen. 

Aktuell stehen sechs der 32 Wohnungen leer. Das sind knapp 20 Prozent. In fünf Jahren könnten es 30, in zehn Jahren 50 Prozent sein, erwartet der WuB-Geschäftsführer. Er begründet seine Prognose mit der abgeschiedenen Lage und einem erwarteten weiteren Rückgang der Einwohnerzahlen. 

Kritische Fragen des Ortsvorstehers

Mieter fragen sich, warum nicht die WuB das Haus saniert, das zur Wendezeit 1990/91 fertig geworden  worden ist. Andreas Wendler entgegnet, das Unternehmen müsse die Bauleistungen ausschreiben und diese zu fast 100 Prozent durch Kredite finanzieren.  Reichlich eine Million Euro würde die Sanierung voraussichtlich kosten. Privat lasse sich eine solche Investition wirtschaftlich anders darstellen, zumal sich die Aufwendungen bei der Steuer gegenrechnen lassen. 

Nicht nur Mieter, auch der Großdrebnitzer Ortsvorsteher Ronald Töpfer hat Fragen. Warum wird der Verkauf nicht ausgeschrieben beziehungsweise warum werden nicht mehrere Angebote eingeholt, um an den Meistbietenden zu verkaufen? 

"Wir brauchen auch in den Ortsteilen soziale Wohnungen", sagte er auf Anfrage von Sächsische.de. Es dürfe nicht sein, dass Wohnungen privatisiert werden und in ein paar Jahren preiswerter Wohnraum fehle, sagt Ronald Töpfer unter Bezug auf Erfahrungen von Großstädten. Außerdem dürfe sich die WuB als städtisches Unternehmen nicht gänzlich aus den Ortsteilen zurückziehen.

Mit entscheiden über einen Verkauf darf der Ortschaftsrat nicht. "Aber wir wollen informiert werden."   

Für jeden dritten WuB-Mieter zahlt das Amt

Mit dem Abriss des "Papageienviertels" an der Bautzener Straße hatte die WuB in den vergangenen Jahren 80 Wohnungen vom Markt genommen. Auch diese Wohnungen waren unsaniert. Dafür waren sie billig. Die Kaltmiete lag im Durchschnitt bei 4,40 Euro.  Als die Abrissentscheidung im Jahr 2015 fiel, standen 25 der 80 Wohnungen bereits leer. 

Klassische Sozialwohnungen - also staatlich geförderten Wohnungsbau für benachteiligte Gruppen - gibt es in Bischofswerda nicht. Trotzdem besteht in der Stadt hoher Bedarf an preiswertem Wohnraum. Allein ein Drittel der WuB-Mieter bekommt seine Miete teilweise oder vollständig von Ämtern finanziert. Das Unternehmen besitzt aktuell rund 1.400 Wohnungen. 

Gerade für Menschen mit wenig Geld sieht Andreas Wendler die Wohnungen im Stadtgebiet als wesentlich geeigneter an als die Wohnungen auf dem Dorf - hinsichtlich des sozialen Umfeldes. Begründet ist das für ihn in der Infrastruktur - kürzere Wege zum Einkaufen, zu Ärzten, zu sozialen Einrichtungen und bessere Nahverkehrsangebote.  

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