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Bischofswerda

81-Jähriger gibt das Fliegen auf

Hobby-Pilot Rolf Karsch aus Bischofswerda hat sein Ultraleichtflugzeug verkauft. Doch nur noch am Boden bleiben möchte er nicht.

Hobby-Pilot Rolf Karsch aus Bischofswerda in seinem dritten Ultraleichtflugzeug. Er war 77 Jahre alt, als er das Gleitschirm-Trike kaufte. Nun, mit 81, hat er das Fliegen aufgegeben.
Hobby-Pilot Rolf Karsch aus Bischofswerda in seinem dritten Ultraleichtflugzeug. Er war 77 Jahre alt, als er das Gleitschirm-Trike kaufte. Nun, mit 81, hat er das Fliegen aufgegeben. © Archivfoto: Steffen Unger

Bischofswerda. Ein leises Brummen über der Stadt. Der Blick geht unwillkürlich nach oben, wo man einen kleinen Motorflieger mit dem breiten roten Gleitschirm sieht. Dieses Bild ist seit Jahren vielen Bischofswerdaern vertraut. Sie werden es so nicht mehr sehen. Hobby-Pilot Rolf Karsch hat das Fliegen aufgegeben und sein Ultraleichtflugzeug verkauft. Eine Vernunftsentscheidung, die ihm nicht allzu schwer gefallen sei, sagt der Bischofswerdaer.

Im vergangenen Jahr ist Rolf Karsch 80 Jahre alt geworden. Im Herbst 2019 ist er das letzte Mal aufgestiegen. „Die Kräfte lassen im Alter nach, auch die Reaktionsgeschwindigkeit. Am Ende ist das Risiko zu groß“, sagt der mittlerweile 81-Jährige. Fliegen und Verantwortung würden nun einmal zusammen gehören. Wichtig sei der Respekt vor den Kräften der Natur. "Wir sind von Wind und Thermik, also der aufsteigenden Luft, abhängig", sagt der Senior.

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Drei Maschinen in 20 Jahren

Genau 20 Jahre lang ist er geflogen. Rolf Karsch war 60, als er sich seinen Traum vom Fliegen erfüllte. Doch was heißt schon Fliegen! Er sieht sich als Luftwanderer, der in einer Höhe zwischen 300 und knapp 700 Metern – Flieger Rolf Karsch spricht von 1.000 bis 2.500 Fuß – mit geringer Geschwindigkeit dahin gleitete. Er schwärmt von den herrlichen Ausblicken und der Landschaft in den verschiedenen Jahreszeiten.

Ein Ultraleichtflugzeug, wie es Rolf Karsch flog, wiegt nicht mehr als 120 Kilogramm. Eine Kabine für den Piloten gibt es nicht. Dem weht der Wind um die Nase. Er habe dieses Gefühl gemocht, frei und unbefangen zu sein und wie ein Vogel zu fliegen, sagt der Senior. Meist trug er während seiner Flüge eine Thermo-Kombi, dazu eine Lederhaube und Handschuhe.

Oft startete er in Kamenz  oder Bautzen, in den letzten Jahren auch verstärkt in Pirna. Rolf Karsch schätzt die Zahl seiner Starts auf 2.000, die Zahl der Flugstunden auf 1.300. Drei Maschinen ist er in den 20 Jahren geflogen, darunter einen Doppelsitzer, den er 2013 nach einer missglückten Notlandung bei Großdrebnitz eingebüßt hatte. 

Nichts desto trotz kaufte er sich drei Jahre später, damals schon 77-jährig, noch einmal ein Gleitschirm-Trike mit Vier-Takt-Motor und 30 PS Leistung. Das Fluggerät eines Schweizer Herstellers war sparsam,  berichtet Rolf Karsch. Der Motor verbrauchte zwischen dreieinhalb und vier Litern pro Flugstunde.

Die Kamera war fast immer mit an Bord

Für den Bischofswerdaer war das Fliegen nach eigener Aussage viele Jahre lang die beste Medizin. Ständiger Begleiter war seine Kamera. Rolf Karsch hielt die Region um Bischofswerda  in Bildern fest und ließ viele Menschen an dieser Faszination teilhaben. 

Er schrieb ein Buch über das Gleitschirmfliegen, veröffentlichte unter dem Titel „Alles von oben betrachtet“ sechs Hefte mit seinen Fotos aus der Region, er gab Postkarten heraus, gestaltete Ausstellungen. Auch die Sächsische Zeitung druckte zahlreiche seiner Luftaufnahmen. Wie viele Bilder sein Archiv umfasst? Rolf Karsch zuckt mit den Schultern. „Zigtausend“, sagt er lachend.

Zurzeit ist der dabei, diese Bilder so zu digitalisieren, dass er sie Menschen übergeben kann, die diesen Wert zu schätzen wissen, die ihn bewahren möchten und die künftig die Bilder auch für nichtkommerzielle Zwecke nutzen dürfen. Er wird die Fotos entsprechend der Region drei Männern zur Verfügung stellen, die in Bischofswerda, Demitz-Thumitz und Großdrebnitz zu Hause sind. 

Chronik der Region aus der Vogelperspektive

Rolf Karsch dokumentierte in 20 Jahren Bischofswerdaer Stadt- und Regionalgeschichte. Er zeigt mit seinen Aufnahmen eine Region im Wandel. In Bischofswerda habe sich in den vergangenen 20 Jahren vieles zum Positiven verändert, sagt er und nennt Beispiele: der Abriss der ehemaligen Bäko-Hallen und der Bau des Kreisverkehrs, die Baumaßnahmen in der Innenstadt, darunter die Neugestaltung des Altmarktes, sowie die Veränderungen rund um den „Goldenen Löwen“ an der Straße nach Bautzen. Er ärgert sich hingegen darüber, dass es auf dem Gelände des ehemaligen Beleuchtungsglaswerkes nicht vorwärts geht und dort noch immer eine Brache ist. 

Die Burgstadt Stolpen faszinierte ihn aus der Luft immer wieder ganz besonders. So stark, dass er sie jedes Mal fotografierte, wenn er darüber flog. 

In vielen Häusern von Bischofswerda und den umliegenden Dörfern hat ein Luftbild von Rolf Karsch einen Ehrenplatz – ein Bild des betreffenden Hauses, welches der Bischofswerdaer auf Wunsch der Eigentümer aus der Vogelperspektive fotografierte.

Heißere Sommer wirken sich auch aufs Fliegen aus

Doch alles hat seine Zeit, auch hinsichtlich der Technik. Inzwischen könne man mit einer Drohne bessere Luftbilder machen als er mit einer Kamera, sagt Rolf Karsch. Überdies würden sich die Wetterveränderungen der vergangenen Jahre auch aufs Fliegen in einem Ultraleichtflugzeug auswirken.

Stärkere Winde und heißere Tage, die Folgen für die Thermik haben, machten es jetzt schwerer, einen Gleitschirm-Trike zu steuern. Deswegen werde es wohl auch künftig keinen Hype am Himmel hinsichtlich der Gleitschirmflieger geben, erwartet der Bischofswerdaer. 

Doch auch mit 81 Jahren bleibt Rolf Karsch dem Gleitschirmfliegen verbunden. Sein langjähriger Fliegerfreund Jürgen Thieme aus Dresden steuert ein Doppelsitz-Trike, und er besitzt die Lizenz, Gäste mitzunehmen . Er habe ihm versprochen, dass er mitfliegen darf, wann immer er es möchte, berichtet Rolf Karsch. Seine Antwort, ob er es tun wird, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Na klar!“  

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