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Bleibt die Straße vor der Post autofrei?

Händler und andere Anlieger haben sich einmütig für einen Fußgängerbereich ausgesprochen. Einzelne Stadträte sehen das aber anders. Heute beraten sie weiter.

Von Ingo Kramer

Mittlerweile ist es unübersehbar: Nicht nur die Muschelminna wird saniert, sondern der gesamte Postplatz erhält ein neues Gesicht. Die Wiese um den Brunnen, die Plattenwege ringsherum und die niedrigen Sträucher sind schon Geschichte.

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Ob und wie jedoch künftig Autos den Postplatz befahren dürfen, ist noch nicht abschließend geklärt. Bereits im ersten Halbjahr hatte die Stadt sämtliche Händler, aber auch Vertreter von Gerichten, Stadtwerken, IHK, Polizei und viele weitere zu drei großen Gesprächsrunden zum Postplatz eingeladen. Kürzlich gab es eine vierte Runde, die Bürgermeister Michael Wieler als „sehr harmonisch“ bezeichnet. Deren einmütiges Ergebnis: Künftig sollen nur noch Anlieger und Lieferfahrzeuge den Postplatz umrunden dürfen. Alle Parkplätze rings um die Minna fallen weg und der Platz vor der Post bleibt für Autos tabu.

Das letzte Wort aber hat der Stadtrat. Und im zuständigen Unterausschuss, dem Technischen Ausschuss (TA) sorgte das Thema kürzlich wieder für heftige Diskussionen. Dabei sind das Verbot der Umrundung und der Wegfall der Parkplätze kein großes Thema mehr: Das haben die Stadträte offenbar akzeptiert. Stattdessen gibt es Streit um den Platz vor der Post. „Ich halte das für eine sehr wichtige Fläche für Kurzzeitparker“, sagt Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz). Er plädiert dafür, dass Autos aus Richtung Kaufhaus kommend vor die Post fahren und anschließend hinter dem Gebäude nach links in Richtung Konsulstraße abbiegen dürfen. Unterstützung erhält Kück von seinem Fraktionskollegen Günter Friedrich sowie von CDU-Stadtrat Thomas Leder.

Bürgermeister Wieler aber hält dagegen: „Ein Ergebnis der Gesprächsrunden mit den Händlern war, dass unnötiger Durchgangsverkehr vermieden werden sollte.“ Michael Hannich (CDU) sieht das ähnlich und rechnet vor, dass vor der Post Platz für acht Stellplätze wäre. „Wenn jeder 30 Minuten parkt, sind das 16 Autos in der Stunde und 160 in zehn Stunden“, so Hannich. Aktuell würden aber 1 600 Autofahrer am Tag dort Parkplätze suchen. Somit würden künftig 90 Prozent nicht fündig werden – und wären folglich nur unnötiger Durchgangsverkehr.

Doch auch bei den Bürgern für Görlitz gibt es Stimmen, die keine Öffnung für Autos wollen. „Wenn die Händler das selbst nicht wollen, sollten wir uns anschließen“, sagt zum Beispiel Wolfgang Freudenberg. Genauso sehen es die anderen beiden Fraktionen, also die Linke sowie Zur Sache/SPD. Stehen also Kück, Friedrich und Leder allein auf weiter Flur? Das wird sich heute Nachmittag zeigen, denn da wird das Thema erneut im TA diskutiert. Eine endgültige Entscheidung fällt der Stadtrat laut Wieler „wahrscheinlich im Dezember“.

TA, heute, 16.15 Uhr, Jägerkaserne, Raum 350