merken
PLUS Feuilleton

Blockhaus bekommt spektakuläres Innenleben

Von dem Dresdner Barockbau stehen momentan nur die vier Außenwände. Hineingebaut wird ein Kubus für das neue Archiv der Avantgarden.

Hätten Sie es erkannt? Das Dresdner Blockhaus ist völlig entkernt. Einzig eine historische Innenwand von 1732 (l.) und die barocken Außenwände stehen noch.
Hätten Sie es erkannt? Das Dresdner Blockhaus ist völlig entkernt. Einzig eine historische Innenwand von 1732 (l.) und die barocken Außenwände stehen noch. © Matthias Rietschel

Was vor Hochwasser geschützt werden will, wird höher gehängt. So einfach ist das – und so kompliziert: Das Archiv der Avantgarden (AdA), das der Berliner Sammler Egidio Marzona den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden schenkte, wird im Dresdner Blockhaus untergebracht. 

Blockhaus in Dresden als internationales Forschungszentrum?

Als schwebender Kubus von 16 mal 16 mal 12 Metern, unter dem sich im Erdgeschoss eine große Ausstellungsfläche und im Keller ein Café befinden und um den herum auf drei Etagen Galerien entstehen, auf denen Wissenschaftler und Künstler arbeiten, auf denen Neugierigen gezeigt wird, was das AdA in seinem Innersten verbirgt. 

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Daniel Marzona ist der Enkel des Sammlers Egidio Marzona.
Daniel Marzona ist der Enkel des Sammlers Egidio Marzona. © Matthias Rietschel

1,5 Millionen Dokumente, Briefe, Einladungen, Vor- und Nachlässe von Sammlern, Plakate, Designobjekte, Kunstwerke sind aus Berlin nach Dresden gekommen und lagern zwischenzeitlich im Japanischen Palais. Zwar sind die Artefakte auch dort öffentlich zugänglich, aber sie sind noch weit entfernt von dem, was Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, mit den Materialien vorhat, die Marzona obsessiv zusammentrug. Sie möchte das Blockhaus zu Sachsens neuem Kunstort entwickeln, zu „einem internationalen Forschungszentrum, das regional verwurzelt ist“. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg von vermutlich drei Jahren.

Momentan ist das Blockhaus nur noch ein Gerippe. Nach der Entkernung stehen geblieben sind nur die vier barocken Außenwände von 1732 und eine historische Innenwand. Kein Dach, kein Fenster, keine Treppe, keine Tür ... Vieles wurde entsorgt, aber manches bekam ein neues Domizil. 

Kleiner Fehler - dramatische Folgen

Zum Beispiel wird man die Leuchter aus dem Blockhaus im Palais im Großen Garten wiederentdecken. Aus den oberen Fensteröffnungen des 1732 nach Entwürfen von Zacharias Longuelune als Wachgebäude erbauten Blockhauses ragen Stahlträger. Sie gehören zu einem Kranz, der die vier Wände vorübergehend so stabilisiert, dass der Wind das Haus nicht umpusten kann.

© Matthias Rietschel
© Matthias Rietschel
© Matthias Rietschel
© Matthias Rietschel

„Das Schwierigste wird das Betonieren des schwebenden Kubus“, sagt Ulf Nickol, Leiter der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. Die Pläne der spanischen Architekten Fuesanta Nieto und Enrique Sobejano, die 2017 den Architektur- wettbewerb gewonnen hatten, sind außerordentlich kühn. 

Wenn ihren Statikern nur der kleinste Rechenfehler unterläuft, könnte das dramatische Folgen haben. Die Besucher des Hauses sollen nachvollziehen können, wie gebaut wurde. „Der Abdruck der Schalbretter soll sichtbar bleiben im hellgrauen Beton des Kubus“, sagt Nickol.

Zum Inneren des BLockhauses wurde ein Architekturwettbewerb ausgerufen. Das sind die Gewinner: 1. Preis Nieto Sobejano Arquitectos, Madrid/Berlin
Zum Inneren des BLockhauses wurde ein Architekturwettbewerb ausgerufen. Das sind die Gewinner: 1. Preis Nieto Sobejano Arquitectos, Madrid/Berlin © undefined
2. Preis: Schulz und Schulz Architekten, Leipzig
2. Preis: Schulz und Schulz Architekten, Leipzig © undefined
3. Preis Wandel Lorch Architekten, Saarbrücken
3. Preis Wandel Lorch Architekten, Saarbrücken © undefined

Noch bevor dieser Kubus entsteht, wird eine sogenannte „weiße Wanne“ aus wasserundurchlässigen Wänden gebaut. Beim Hochwasser im Sommer 2013 hatte das Blockhaus seine Heizung und sämtliche Medien im Keller eingebüßt und stand seitdem deshalb leer. Hochwasserschutz ist nun ein nicht unerheblicher Kostenfaktor des 25-Millionen-Euro-Objekts. Drei Millionen kommen noch für die Gestaltung der Außenanlagen hinzu. 

Kostenfaktor Hochwasserschutz

Weiterführende Artikel

Dresden: Blockhaus ohne Dach

Dresden: Blockhaus ohne Dach

Seit 2013 steht es leer. Nach dem umfassenden Umbau soll das Archiv der Avantgarden im repräsentativen Haus an der Elbe einziehen.

Das Blockhaus soll ein einladendes, ein gastfreundliches Institut werden, in dem laut Marion Ackermann auch künstlerische Forschung mit offenem Ausgang betrieben werden kann. Performances, Lesungen, Debatten können im Haus und draußen im Garten stattfinden – mit weitem Ausblick über die Elbe zu Hofkirche und Schloss, Brühlscher Terrasse, Landtag und Kongresszentrum.

Mehr zum Thema Feuilleton