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Botschafterin besucht Produktionsschule

Thomas de Maizière war mit der französischen Diplomatin in seinem Wahlkreis. Sehenswürdigkeiten standen nicht auf dem Plan.

Die Botschafterin der Republik Frankreich in Deutschland, Anne-Marie Descôtes, besuchte am Mittwoch auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas de Maizière den Landkreis Meißen. Erste Station war die Produktionsschule Moritzburg gGmbH.
Die Botschafterin der Republik Frankreich in Deutschland, Anne-Marie Descôtes, besuchte am Mittwoch auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas de Maizière den Landkreis Meißen. Erste Station war die Produktionsschule Moritzburg gGmbH. © Norbert Millauer

Moritzburg. Die junge Frau mit den rot gefärbten Haaren blickt fragend zur Projektbetreuerin herüber. Eigentlich sind Smartphones den Tag über in der Produktionsschule Moritzburg passé. Doch am Mittwochvormittag ist das etwas anders. Denn Ex-Innenminister Thomas de Maizière, der gemeinsam mit der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes die Einrichtung besucht, möchte gern wissen, wie denn die Sitzraufe einmal aussehen wird, von der einige Teile schon fertig bearbeitet, aber noch nicht zusammengebaut sind. Interessiert schauen beide auf das Gerät, das ausnahmsweise mal gezückt werden darf.

Die gute Stunde in Moritzburg ist der Auftakt für die eintägige Rundfahrt durch den Landkreis Meißen, der zugleich der Wahlkreis des CDU-Bundestagsabgeordneten ist. Bei der Absprache des Programms habe man bewusst auf touristische Sehenwürdigkeiten verzichtet, sagt der Politiker. Stattdessen sind neben der Produktionsschule gGmbH die Porzellanmanufaktur Meißen sowie das deutsch-französische Unternehmen Bio Planète – Ölmühle Moog GmbH und die EDF-Elbe Drahtwerke Feralpi GmbH weitere Stationen.

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In der Produktionsschule folgt die studierte Germanistin sehr aufmerksam den Ausführungen von Geschäftsführer David Meis. Der berichtet, dass derzeit neben 16- bis 26-jährigen jungen Leuten, die zumeist keinen Schulabschluss, dafür aber problematische Biografien haben, auch Geflüchtete betreut werden, um sie zur Ausbildungsreife zu bringen.

 Die Botschafterin sieht in dieser Mischung eine große Herausforderung und will wissen, wie das funktioniert. Ganz so sei es nicht, stellt David Meis klar. Die gemeinsamen Aktivitäten der deutschen und ausländischen Jugendlichen würden sich auf Fußballspielen und Kochen beschränken. Denn die verschiedenen Projekte müssten klar voneinander getrennt sein, da das Geld aus verschiedenen Fördertöpfen komme.

Der Gast aus Frankreich bekommt so im Schnelldurchlauf gleich noch einen Einblick in die Schwierigkeiten sächsischer Förderpolitik. Einrichtungen wie die Produktionsschule haben dabei nicht selten gleich mit mehreren Ministerien zu tun, bis die Zuständigkeiten geklärt sind. 

Dass sich in der Zwischenzeit dann schon wieder der Bedarf geändert haben kann, zeigt das aktuelle Flüchtlingsprojekt. „Vor zwei Jahren war der Bedarf sehr groß. Jetzt, da zwischen Kultus-, Sozial- und Integrationsministerium alles abgesprochen ist und das Projekt läuft, sind nur sechs der 16 möglichen Plätze des neuen Angebots belegt.“

Weil die Zahl der Flüchtlinge zurückgegangen ist, wurde im vergangenen Jahr auch die Wohngruppe wieder geschlossen, in der die Moritzburger sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer betreut haben. 

Leer stehen soll das dafür sanierte Gebäude auf dem Gelände des Moritzburger Diakonenhauses deswegen allerdings nicht. Die Produktionsschule hat dort inzwischen ein neues Projekt gestartet. Mit diesem soll jungen Leute mit Essstörungen geholfen werden. „Der Bedarf ist groß“, sagt der Geschäftsführer.

Während Lisa, die junge Frau mit den gefärbten Haaren, gemeinsam mit weiteren Jugendlichen und ihrer Betreuerin wieder Fallobst aufsammelt und Unkraut hackt, will die Botschafterin von David Meis noch wissen, ob das Konzept der Produktionsschule auch nach Frankreich übertragbar sei, was dieser bestätigt. 

Eine Nichte, so Frau Descôtes, arbeite selbst im sozialen Bereich. Noch ein Tausch der Visitenkarten, dann geht es weiter zur Manufaktur in Meißen. Allerdings mit Zwischenstopp im Spitzhaus, wo das Mittagessen wartet.

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