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Braucht Altenberg noch ein Hotel?

Die Stadt Altenberg hat einen Investor für eine Nobelherberge an der Hand. Die Ansichten über die Pläne gehen auseinander.

© Repro: Stadtverwaltung

Von Mandy Schaks

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Altenberg. Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) ist froh, endlich einen Hotelinvestor gefunden zu haben. Seit Jahren bemüht sich die Stadt, ein Vier-Sterne-Haus direkt in Altenberg zu etablieren. Nun hat wieder einmal ein Käufer ernsthaftes Interesse bekundet und einen ersten Entwurf für das Grundstück am ehemaligen Gymnasium an der Bundesstraße B 170 vorgelegt. Nachdem sich Stadtrat Mario Nitschke (Bärensteiner Wählervereinigung) als Erster dazu öffentlich äußerte und Kritik an Größe und Aussehen des Baus übte, entstand auf Facebook eine rege Diskussion. Es gibt einige Bedenken. Die SZ fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

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Hier tut sich inzwischen was

Kritikpunkt I: Die Optik erinnert an Plattenbau

Der Investor plant ein Hotel mit bis zu 160 Zimmern. Das sind schon Dimensionen, wie sie die größten Hotels im oberen Osterzgebirge zum Beispiel der Lugsteinhof in Zinnwald und das Ahorn Waldhotel in Schellerhau aufweisen. Der erste Entwurf für das neue Hotel löste bei Lesern bislang wenig Vorfreude aus. So schreibt auf Facebook zum Beispiel Karin Kropfgans: „Wie ein Wohnblock“. Und Birgit Lochmann: „So sieht wirklich kein gemütliches 4-Sterne-Hotel aus. Passt eher als Wohnblock nach Chicago.“ Gemeint ist das Altneubaugebiet in Altenberg. Ähnlicher Tenor bei Brigitte Baldeweg: „Na ja, so stelle ich mir ein gemütliches Sterne-Hotel auch nicht vor.“ Bürgermeister Kirsten weiß aus Erfahrung, dass es zu neuen Dingen immer Diskussionen gibt und hofft, dass die Pläne nicht zerredet werden. „Ich freue mich, dass ein Investor da ist, weil es nicht wirklich einfach ist, einen für diese Region zu finden“, sagt er. Schließlich gab es schon mehrere Anläufe. Für Anregungen ist er offen. „Man kann immer noch was dran machen.“ Er hatte schon Kontakt, wie man das Gebäude noch mehr aufwerten kann. „Das Erdgeschoss mit den kleinen Lädchen, der Empfang mit Hallenbar… gefällt mir.“ Die Fassade werde noch aufgehübscht. Und es soll auch einen Spa- Bereich geben.

Kritikpunkt II: Es stehen doch schon genug Immobilien leer

Gastronomie und Hotellerie sind keine leichten Geschäfte. Das ist im Osterzgebirge bereits zu spüren. Bei dem einen oder anderen Haus gingen schon vor Jahren die Lichter aus. Manche Gebäude, die inzwischen zu Ruinen vergammelten wie der „Sachsenhof“ in Bärenfels, konnten unter Mitwirkung der Eigentümer von der Stadt abgerissen werden. Andere sind hoffnungslose Fälle oder liegen im Dornröschenschlaf. Deshalb fragen sich einige Leser, warum dann noch ein neues Hotel gebraucht wird. So schreibt auf Facebook Steffi Grafe unter anderem: „…solange soviele Objekte leer stehen, sehe ich keinen Sinn in einem Neubau.“ Wenn diese Immobilien in Privathand sind, kann die Stadt nicht viel machen. Tourismus ist für Altenberg aber immer noch einer der wichtigsten Erwerbszweige. Kirsten zufolge werden in der Branche mittlerweile annähernd 100 Millionen Euro im Jahr umgesetzt und dadurch etwa 2 000 Arbeitsplätze gesichert. „Jedes neue Hotel ist eine Chance für diese Region“, sagt er. Kommen mehr Gäste, so argumentiert er, wird auch die Infrastruktur in der Region mehr genutzt. Die Gasthäuser profitierten genauso wie Eishalle, Kletterpark, Liftanlagen, Bergbauschauanlagen, Sommerrodelbahn usw.

Kritikpunkt III: Personal fehlt in der Gastronomiebranche schon jetzt

Etliche Gästehäuser sind heute schon auf Personal aus Tschechien angewiesen, um Lücken in der Belegschaft zu schließen. Und manchmal hilft auch das nicht mehr. Dann gibt es Abstriche an den Öffnungszeiten. Kommt dann noch das eine zum anderen, sieht es zeitweise schon mau aus mit der Gastronomie in Altenberg wie zurzeit. So fragt sich nicht nur Maik Schmiedel: „Woher soll denn das Personal kommen?“. Und er schreibt auf Facebook unter anderem weiter: „Müssen dafür dann andere gastronomische Einrichtungen um ihre Existenz fürchten?“.

Kirsten weiß, dass es solche Fragen auch gab, als in Altenberg begonnen wurde, eine Seniorenwohnanlage zu bauen. Und was ist passiert? Sie ist noch nicht fertig, da hatte der Investor die Personalfrage geklärt. Kirsten hofft, dass es mit dem neuen Hotel auch eine Sogwirkung gibt. Erste Erfolge stellten sich aufgrund der ständigen Suche nach Investoren bereits ein. Einer kennt einen und der wieder einen. So konnten Gästehäuser verkauft werden, in die Kirsten zufolge auch investiert wird. Manche finden Interesse. „Geldleute kennen sich, und wenn einer beginnt, dann kann das zu einem Dominoeffekt führen.“