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Breitbandausbau wird konkret

Klipphausen vergibt Rechte an zukünftigen Netzbetreiber. Der warb mit vergleichsweise deutlich niedrigeren Endkundenpreisen.

Bald verlegt Klipphausen in der gesamten Gemeinde Leerrohre für Glasfaserkabel. Jetzt steht bereits der Netzbetreiber fest.
Bald verlegt Klipphausen in der gesamten Gemeinde Leerrohre für Glasfaserkabel. Jetzt steht bereits der Netzbetreiber fest. © SZ-Archiv/Uwe Soeder

Klipphausen. Im Internet surfen mit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde: ein Traum für die meisten Dorfbewohner. In Klipphausen nimmt er immer mehr Gestalt an. Die Planungen für das Glasfasernetz in der gesamten Gemeinde laufen schon längst. Nun hat der Gemeinderat über den künftigen Netzbetreiber entschieden. Den Zuschlag bekommt die Vodafone GmbH. Der Vertrag ist auf sieben Jahre begrenzt. Danach kann die Gemeinde entscheiden, ob sie das Netz verkaufen will oder erneut einen Pächter beauftragt. Zudem wurden in der Gemeinderatssitzung weitere Planungsleistungen für den Breitbandausbau vergeben.

Bereits in diesem Jahr soll noch mit dem Bau der Glasfaserleitungen begonnen werden. Dazu hat die Gemeinde Fördermittel vom Bund insgesamt in Höhe von 12,5 Millionen Euro erhalten. 750.000 Euro davon entfallen für den Ausbau im Gewerbegebiet. Hinzu kommen sächsische Mittel in Höhe von zehn Millionen Euro, 600.000 davon sind für das Gewerbegebiet vorgesehen. „Wir gehen davon aus, dass wir drei Jahre lang bauen“, sagte Bürgermeister Mirko Knöfel (parteilos).

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Um einen Pächter und Betreiber des Netzes zu finden, hatte die Gemeinde ein Verhandlungsverfahren europaweit ausgeschrieben. Sieben Firmen nahmen anfangs teil. Nach mehreren Verhandlungsrunden gaben zwei Unternehmen ihre Angebote ab. Am Ende hat sich die Gemeinde für die Vodafone GmbH als Netzbetreiber entschieden, weil sie unter anderem deutlich höhere Pachtzahlungen an die Kommune leisten wird und zudem teilweise deutlich niedrigere Endkundenpreise bietet. So soll ein Privatanschluss an das Glasfasernetz mit einer Rate von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) rund 25 Euro kosten. Wer neben Internet noch Telefon wünscht, zahlt bei gleicher Geschwindigkeit 40 Euro. Das Datenvolumen ist dabei immer unbegrenzt. Höhere Geschwindigkeiten sowie TV-Zubuchung sollen ebenfalls möglich sein.

"Für Gemeinde Nullsummenspiel"

Einen finanziellen Gewinn hat die Gemeinde zunächst nicht. „Die ersten sieben Jahre werden für die Gemeinde ein Nullsummenspiel“, sagte Mirko Knöfel. Denn die eingenommene Pacht wird am Ende mit den erhaltenen Fördermitteln wieder verrechnet. Doch nach Auslaufen des Vertrages mit Vodafone könnte Klipphausen das erste Mal wirtschaftlich partizipieren. Allerdings ist das alles noch Zukunftsmusik, weil niemand weiß, wie sich die Preise entwickeln werden.

Der Vorteil für die Gemeinde ist allerdings klar. Sie gewinnt extrem an Attraktivität, gerade auch für junge Menschen. Denn schnelles Internet ist häufig ein Hauptgrund, um nicht in eine ländliche Region zu ziehen. Probleme, die damit verbunden sind, werden in der Corona-Krise einmal mehr deutlich. Digitales Lernen, Videokonferenzen – in vielen Dörfern schlecht oder gar nicht möglich. So ist aktuell in der gesamten Gemeinde Klipphausen eine Breitbandversorgung mit einer Downloadrate von mindestens 30 Mbit/s nicht vorhanden und wäre auch innerhalb der nächsten drei Jahre nicht zu erwarten. Deshalb plant die Gemeinde selbst den flächendeckenden Ausbau. Am Ende steht allen rund 3.500 Haushalten ein Hochgeschwindigkeitsnetz zur Verfügung. Ob sie das Angebot nutzen, ist ihre Entscheidung.

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Derzeit prüft die Gemeinde parallel noch, ob Synergieeffekte beim Bau der Leitungen genutzt werden können. So könnten in einigen Bereichen andere Medien wie beispielsweise für die Trinkwasserversorgung gleichzeitig verlegt werden. Damit könnte ein mehrfaches Aufreißen der Straßen oder Wege verhindert werden.

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